Rudelsingen erobert Mecklenburg-Vorpommern: Open-Air-Premiere im Schweriner Schloss
Ein neuer musikalischer Trend schwappt durch Deutschland und erreicht nun auch die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern. Im Sommer findet das 1. Open Air Rudelsingen im Schweriner Schloss statt, bei dem jeder mitmachen darf – unabhängig von musikalischen Vorkenntnissen oder Gesangstalent. Die Veranstaltung verspricht ein besonderes Gemeinschaftserlebnis, das bereits in über 100 deutschen Städten monatlich etwa 10.000 Menschen begeistert.
Vom Ruhrgebiet nach Mecklenburg-Vorpommern: Ein Erfolgskonzept
David Rauterberg, der Erfinder des Rudelsingens, wird persönlich bei der Schweriner Premiere dabei sein. „Vor 15 Jahren hatte ich die Idee mit dem Rudelsingen und hab es das erste Mal in Münster veranstaltet“, erinnert sich Rauterberg. „Das Ruhrgebiet lag vor der Nase, dort hat es sich zuerst ausgebreitet.“ Inzwischen ist das Konzept zu einer geschützten Marke geworden, die deutschlandweit Mitsing-Konzerte organisiert.
Für Mecklenburg-Vorpommern ist Schwerin allerdings nicht die erste Station. Bereits im vergangenen Jahr gab es ein erfolgreiches Rudelsingen in Güstrow, das im Ernst-Barlach-Theater stattfand. „Das hat eingeschlagen wie ne Bombe“, berichtet Rauterberg. „Darum wird es dieses Jahr ein 2. Güstrower Rudelsingen am 11. April geben. Das Theater kam auf uns zu und wir haben sogar schon für 2027 Verträge fertig gemacht.“
Warum Rudelsingen kein Karaoke ist
Obwohl die Texte auf einer Leinwand eingeblendet werden, unterscheidet sich das Rudelsingen grundlegend von Karaoke. „Beim Karaoke singt man meistens mit Freunden zusammen. Ein oder zwei machen sich zum Horst und die anderen unterhalten sich“, erklärt Rauterberg. „Das Rudelsingen ähnelt eher einem Chor. Die Menschen singen gemeinsam und es entsteht ein schöner Klang.“
Der Name selbst stammt übrigens von Rauterbergs Ehefrau. Ursprünglich als „1. Münsteraner Rudel-Karaoke“ geplant, schlug sie die einfachere Bezeichnung „Rudelsingen“ vor – angelehnt an den Fußball-Begriff „Rudelgucken“. Der Begriff steht für das lockere, ungezwungene Wesen der Veranstaltungen, bei denen Fremde im bunt gemischten Chor zu Verbündeten werden.
Ein Programm für alle Musikgeschmäcker
Das Repertoire beim Rudelsingen ist bewusst vielfältig gestaltet. Gemeinsam werden Hits aus verschiedenen Genres angestimmt:
- Klassiker wie „Mit 66 Jahren“ und „Let it be“
- Schlager und aktuelle Chart-Hits
- Rock-Songs von Robbie Williams bis zu den Rolling Stones
- Ostsongs wie „Du hast den Farbfilm vergessen“ und „Über sieben Brücken“
„In den neuen Bundesländern unterscheidet sich das Programm leicht, weil man dort ein etwas anderes Liedgut hat“, verrät Rauterberg. „Hier kommen noch ein paar Ostsongs dazu, etwa Kling Klang von Keimzeit.“
Warum das Konzept so erfolgreich ist
David Rauterberg sieht im Rudelsingen eine Antwort auf veränderte Lebensumstände. „Überall jammern die Chöre, dass sie keine Mitglieder mehr finden“, weiß der Veranstalter. „Aber das Arbeitsleben hat sich verändert. Ich war selbst 25 Jahre im Chor. Heute wüsste ich nicht mehr, ob ich am Dienstag in drei Wochen um 18.30 Uhr Zeit habe.“
Events wie das Mitsing-Konzert, die spontan besucht werden können, passen besser in unsere Zeit. Die Flexibilität kombiniert mit dem menschlichen Bedürfnis nach gemeinschaftlichem Erleben erklärt den Erfolg des Formats. In größeren Städten wie Hamburg finden mittlerweile monatlich Rudelsingen-Veranstaltungen statt.
Technische Vorbereitungen für die Open-Air-Premiere
Für das Schweriner Open Air Rudelsingen im Schloss-Innenhof hat das Team besondere Vorkehrungen getroffen. „Das Schloss passt als Location perfekt“, sagt Rauterberg. „Wir haben vor zwei Jahren angefangen, uns mehr Open-Air-Singen auf die Fahne zu schreiben. Unsere Tontechnik hat sich verbessert und wir sind draußen akustisch deutlich besser aufgestellt als vor ein paar Jahren.“
Sogar bei schlechtem Wetter soll die Veranstaltung stattfinden. „Und selbst wenn es regnen sollte. Bei schlechtem Wetter ziehen wir die Kapuze hoch und singen trotzdem“, verspricht der Veranstalter.
Termine in Mecklenburg-Vorpommern
Für Musikbegeisterte in der Region stehen zwei Termine fest:
- 2. Güstrower Rudelsingen: 11. April, 19.30 Uhr, Ernst-Barlach-Theater, Franz-Parr-Platz 8, 18273 Güstrow. Ticketpreis: 18 Euro (Abendkasse: + 3 Euro). Mit den Musikern Simon Bröker und Hauke Quaer.
- 1. Schweriner Open Air Rudelsingen (Premiere): 14. August, 20 Uhr, Schweriner Schloss, Lennéstraße 1, 19053 Schwerin. Ticketpreise: 22,50 Euro (Stehplatz normal), 20,50 Euro (Stehplatz ermäßigt). Mit David Rauterberg, Matthias Schneider und Simon Bröker.
Weitere Informationen zu beiden Veranstaltungen finden Interessierte unter www.rudelsingen.de. David Rauterberg freut sich bereits auf die Schweriner Premiere: „Ich stehe jedes Mal da und staune über die vielen Menschen. Freue mich, dass das gemeinsame Singen sie verbindet und sie einfach einen schönen Abend haben.“



