Münchnerin Lizzy bei DSDS: Vom Teenie-Idol zur Kandidatin – 'Mein 13-jähriges Ich war aufgeregt'
Vize-Miss-Germany, Rapperin – und jetzt DSDS: Für die Münchnerin Lise-Christine Kobla Mendama, die unter dem Künstlernamen Lizzy auftritt, dreht sich die Welt gerade schneller denn je. Nach ihrem intensiven Engagement gegen Rassismus steht sie nun auf der großen TV-Bühne von Deutschland sucht den Superstar. Eine Momentaufnahme ihres außergewöhnlichen Weges.
Manifestieren als Erfolgsrezept
Ein Wort, das die 24-Jährige im Gespräch häufig verwendet, ist 'manifestieren'. Das ist neudeutsch für so etwas wie 'Fest an etwas glauben – bis es Wirklichkeit wird'. Oder wie Lizzy es praktisch umsetzt: dem Glück aktiv auf die Sprünge helfen. Für sie bedeutete das konkret im Jahr 2026, sich bei der 22. Staffel von Deutschland sucht den Superstar auf RTL zu bewerben.
'Nach Silvester mache ich jedes Jahr so ein Meeting mit mir selbst und überlege mir, was ich erreichen will', erzählt sie. Der Aufruf zum Casting für die berüchtigte Casting-Show kam da genau zum richtigen Zeitpunkt. Aus München gab es zahlreiche Bewerber, von denen drei im TV zu sehen waren. Doch nur Lizzy konnte sich das begehrte Ticket zum Recall sichern – die Runde mit den letzten 30 Bewerbern.
Nervosität und Teenie-Idol Bushido
'Ich war so nervös', erinnert sie sich an das erste Casting in Köln. 'So kenne ich mich gar nicht.' Eigentlich ist Lizzy sehr selbstbewusst und hatte vorher eine andere Einstellung verinnerlicht: 'Mein Kopf wusste, dass ich gewinne.' Ein paar flatternde Nerven sind jedoch durchaus nachvollziehbar. Denn hinter dem Juroren-Tisch wartete nicht nur Kandidaten-Schreck Dieter Bohlen mit seinen gnadenlosen Sprüchen, sondern auch Rapper Bushido, einst Teenie-Idol von Lizzy.
Der Neu-Münchner mit Villa in Grünwald und ehemalige Bürgerschreck wurde als Juror für die neue Staffel verpflichtet. 'Mein 13-jähriges Ich war sehr aufgeregt', gesteht Lizzy. Einige seiner Songs hätten ihr früher viel Kraft gegeben, obwohl sie mit anderen Titeln – den frauenfeindlichen, destruktiven Texten – heute nicht mehr viel anfangen kann. Das sei aber eher ein allgemeines HipHop-Problem als spezifisch ein Bushido-Problem, fügt sie an. 'Bei DSDS muss er mich als Juror gut finden, das ist alles, was zählt.'
Angespannte Atmosphäre und eigene Performance
Im Warteraum des Drehorts herrschte eine mehr als angespannte Stimmung unter den Kandidaten. Kamera-Teams huschten umher, niemand wusste genau, wann er an der Reihe sein würde. Lizzy zog sich lieber zurück: 'Ich hab‘ mich echt mehrmals auf dem Klo versteckt und wollte raus aus dieser 'Angst-Wolke' der Kandidaten', berichtet sie. Sie bevorzugt es, ihr eigenes Drehbuch zu schreiben.
Dann ist sie endlich dran. Vor ihr wurde ein Kandidat 'komplett auseinandergenommen', wie sie im Aufzug auf dem Weg zur Jury mitbekommt. 'Aber Bushido hat mich gleich angelächelt, als ich reinkam – er hat richtig geglänzt'. Also: Augen zu, Krone richten und durch. Die Jury lässt Lizzy, die auch als QUEEN Lizzy auftritt, zunächst einen eigenen Song performen: 'Changes' – eine Rap-Nummer, die ihren persönlichen Weg als afrodeutsche Frau reflektiert.
Mit diesem Song und der Nummer 'People pleaser' von Cat Burns kann sie alle Jury-Mitglieder – darunter auch Partyschlager-Sängerin Isi Glück – überzeugen. Dreimal 'Ja' für die nächste Runde. Bei der Gesangsnummer trifft sie nicht alle Töne und ist selbst unzufrieden, da ihre Stimme eigentlich etwas zu tief für den Song ist. Doch das QUEEN Lizzy-Gesamtpaket stimmt die strenge Jury milde. Auch wenn Dieter Bohlen sonst der 'größte Hater Deutschlands ist', wie sie amüsiert sagt. 'Immer wenn ich einen Ton verkackt habe, habe ich sofort zu ihm geschaut.'
Gesundheitliche Herausforderungen und vielfältige Projekte
Später stellt sich heraus, dass sie zum Zeitpunkt der Aufzeichnung zwei sogenannte Registerbrüche in der Stimme hatte. Mit einer Ärztin arbeitet sie momentan intensiv daran. Viele Dampfbäder und Salbei-Tee gehören seither zu ihrer Routine.
Bei alldem betont Lise-Christine Kobla Mendama, dass DSDS nur eines von vielen Projekten ist, bestenfalls ein Sprungbrett mit lukrativem Preisgeld. Sie ist selbständig, plant bald ein Album in Afrika aufzunehmen und engagiert sich seit Jahren aktivistisch – etwa bei der AfroJugend München. Sie war eine der Hauptsprecherinnen auf den 'Black Lives Matter'-Demos 2020 und setzte sich für die Initiative 'N-Wort stoppen' ein, die auch von der Stadt München offiziell unterstützt wird.
Als Noch-Oberbürgermeister Dieter Reiter kürzlich das N-Wort im Stadtrat rausrutschte, hat er sich unter anderem bei ihr stellvertretend entschuldigt und um ein Gespräch gebeten.
Kulturschock in Bayern und stolze Herkunft
In Bayern hat die gläubige Christin nicht immer gelebt: Ursprünglich kam sie mit sieben Jahren aus Nordrhein-Westfalen nach München. Das sei erst mal ein 'Kulturschock' gewesen, wie sie sich erinnert. 'Die Leute haben sich lustig gemacht, weil ich Wörter wie Semmel nicht kannte'. Auch ihre Hautfarbe war ein Angriffspunkt. 'Hier habe ich das einzige Mal erlebt, dass mir jemand das N-Wort ins Gesicht sagt'.
Aber sie sieht durchaus Licht und Schatten: 'Wir hatten die größte Black-Lives-Matter-Demo in Deutschland'. Auch die bayerische Schulbildung empfindet sie als Privileg. Schon mit 13 Jahren hat sie hier auf Kundgebungen gesprochen. Deshalb sagt sie bei DSDS stolz: 'Ich trete für München, Bayern und Kamerun an'.
Wie es im Recall – der Runde mit den letzten 30 Kandidaten – für sie ausging, darf sie zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht verraten. Die Sendung läuft am Dienstagabend auf RTL. Aber egal, ob sie gewinnt oder nicht, für sie steht fest: 'Ich bin Deutschlands neuer Superstar'. Probieren – oder vielmehr Manifestieren – geht wohl über Studieren.



