Der Deutsche Computerspielpreis ist in München verliehen worden. Insgesamt wurden Preisgelder von 800.000 Euro in 15 Kategorien vergeben. Die feierliche Gala fand im Herkulessaal der Münchner Residenz statt und zog Persönlichkeiten aus der Games-Branche, Politik, Kultur und Gesellschaft an.
Hauptgewinner: „The Darkest Files“
Der Hauptpreis für das beste deutsche Computerspiel 2026 ging an das Detektivspiel „The Darkest Files“ des Berliner Entwicklungsstudios Paintbucket Games. In dem Spiel schlüpfen die Spieler in die Rolle einer Staatsanwältin in der Nachkriegszeit und bringen NS-Verbrechen vor Gericht. Die Fälle basieren auf realen historischen Dokumenten. Die Jury lobte die gelungene Balance zwischen inhaltlicher Tiefe und spielerischer Leichtigkeit.
Co-Gründer Jörg Friedrich sorgte für einen emotionalen Höhepunkt, als er den jüdischen Richter Fritz Bauer als historisches Vorbild vorstellte. Bauer hatte Nazis angeklagt, musste ins Exil gehen und kehrte nach dem Krieg zurück, um die Verbrechen aufzuarbeiten. Friedrich betonte die aktuelle Bedeutung: „Das ist unsere verdammte Pflicht, sein Erbe, diese Gesellschaft zu verteidigen, in der die Menschenwürde wichtig ist – gegen alle, die das nehmen wollen.“ Dafür erhielt er heftigen Applaus.
Preisgelder und weitere Auszeichnungen
Die Hauptkategorie ist mit 100.000 Euro dotiert. Zusätzlich gewann „The Darkest Files“ 40.000 Euro in der Kategorie „Bestes Serious Game“. Insgesamt wurden bei dem wichtigsten Preis der deutschen Games-Branche 800.000 Euro vergeben.
Weitere doppelte Gewinner waren „Anno 117: Pax Romana“ und „Tiny Bookshop“, die jeweils als bestes Spiel nominiert waren und je 30.000 Euro erhielten. „Anno 117“ von Ubisoft Mainz gewann zudem in der Kategorie „Beste Innovation & Technologie“ (40.000 Euro). „Tiny Bookshop“ von Neoludic Games erhielt den „Nachwuchspreis Bestes Debüt“ (60.000 Euro). „The Berlin Apartment“ von Blue Backpack wurde für die „Beste Story“ und das „Beste Grafikdesign“ ausgezeichnet (je 40.000 Euro).
Die Trophäe für das „Studio des Jahres“ ging an Weltenbauer Software Entwicklung aus Wiesbaden. Der Sonderpreis der Jury wurde an den Forschungsverbund RadiGaMe verliehen, der sich für Extremismusprävention in digitalen Räumen einsetzt. Einer der Geehrten, Matthias Haider, wies auf die dringend benötigte Anschlussförderung hin, da einige Teammitglieder aufgrund fehlender Gelder bald arbeitslos würden.
Hintergrund des Preises
Der Deutsche Computerspielpreis wird seit 2009 von der Bundesregierung, vertreten durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, und dem Verband der deutschen Games-Branche Game verliehen. In nationalen Kategorien können nur Spiele eingereicht werden, die zu mindestens 80 Prozent in Deutschland entwickelt wurden.
Branchenentwicklung in Deutschland
Einer Studie zufolge arbeiteten 2024 rund 14.800 Menschen bei Spieleentwicklern, Produzenten und Dienstleistern in Deutschland – 20 Prozent mehr als 2018. Der Umsatz betrug 3,73 Milliarden Euro, ein Plus von 22 Prozent. Die Zahl der Unternehmen verdoppelte sich fast von 523 auf 948. Der Markt ist kleinteilig: Etwa drei Viertel der Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeiter, nur zehn Prozent mehr als 50.
Trotz dieser Fortschritte spielt Deutschland international weiterhin eine Nebenrolle. Von 100 Euro, die in Deutschland für Spiele ausgegeben werden, entfallen nur 5,5 Prozent auf Spiele aus Deutschland. Nach Angaben des Branchenverbands spielen 37,5 Millionen Menschen in Deutschland – fast jeder Zweite – zumindest gelegentlich Computer- oder Videospiele.



