El Hotzo entführt Leser in die absurde Welt des Fernsehens
In seinem neuen Roman „Sidekick“ entwirft Sebastian Hotz, besser bekannt als El Hotzo, eine bissige Satire auf die deutsche Medienlandschaft. Die Handlung dreht sich um Boris, einen langjährigen Mitarbeiter des Showmasters Falk Anders, der nach Jahren im Schatten endlich seinen großen Moment erwartet. Als jedoch eine Influencerin die Nachfolge antritt, kippt Borises Welt.
Von der Entführung, die keiner ernst nimmt
Aus Frust und alkoholisiert überwältigt Boris seinen Chef und flüchtet mit ihm. Die vermeintlich echte Entführung wird jedoch von allen Beteiligten als inszenierte Show missverstanden. „Der Sender ist so ein typisch Kölner Privatsender, wie man ihn halt auf der anderen Rheinseite ganz gut sieht“, erklärt Hotz im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Damit spielt er unverkennbar auf den im rechtsrheinischen Deutz ansässigen Sender RTL an.
Die Figuren seines Romans sind bewusst nah an realen Vorbildern angelegt. „In Falk Anders steckt ein bisschen Stefan Raab, Thomas Gottschalk und Harald Schmidt“, beschreibt der Autor. Hotz selbst bringt umfangreiche Branchenerfahrung mit, arbeitete er doch unter anderem für Fernsehmoderator Jan Böhmermann.
Die Tragik des ewigen Sidekicks
Im Zentrum steht jedoch nicht der Entertainer, sondern Boris als gescheiterter Sidekick. „Die größte Tragik, die man haben kann, ist es, den einfachsten oder den schönsten Job der Welt zu haben und damit ständig unzufrieden zu sein“, analysiert Hotz die Figur. Formal erzählt „Sidekick“ weniger klassisch als in Episoden und Situationen, die sich zu einem Roadtrip zwischen Inszenierung und Realität entwickeln.
Das zentrale Thema des Buches beschreibt Hotz so: „Man verliert mit jedem Auftritt auf einer großen Bühne ein bisschen die Beherrschung über sich selbst und wie man betrachtet wird.“ Diese Dynamiken kennt der 30-Jährige aus eigener Erfahrung. Durch Social Media bekannt geworden, arbeitete er als Gag-Autor und war im öffentlich-rechtlichen Rundfunk präsent.
Shitstorm als Karrierebeschleuniger
Nach umstrittenen Posts über den US-Präsidenten Donald Trump im Jahr 2024 beendete der ARD-Sender RBB die Zusammenarbeit mit Hotz beim Jugendradiosender Fritz. Die juristische Aufarbeitung endete mit einem Freispruch. „Ich bereue den Post nicht und ich habe mich da auch bewusst nie dafür entschuldigt“, betont der Satiriker.
Die Aufmerksamkeit habe ihm sogar genutzt: „Rund um Trump hat der Shitstorm mir auf jeden Fall genutzt“, gesteht Hotz. Sein Umgang mit öffentlichen Äußerungen habe sich jedoch verändert. Heute frage er sich bei Posts, ob der mögliche Stress den Inhalt rechtfertige.
Seine eigene Rolle beschreibt Hotz weiterhin mit charakteristischer Distanz: „Ich schreibe gern Witze im Internet und natürlich habe ich eine gewisse politische Agenda, aber ansonsten bin ich halt einfach Internetclown.“ Diese Selbstbezeichnung aus seinem allerersten Interview gelte für ihn nach wie vor – im Guten wie im Schlechten.
Mit „Sidekick“ legt El Hotzo nicht nur einen unterhaltsamen Roman über die Medienwelt vor, sondern auch eine scharfsinnige Analyse der Mechanismen, die Unterhaltung und Realität in der heutigen Zeit verschwimmen lassen.



