Rauschhafte Premiere: Volkstheater Rostock feiert mit 'The Black Rider' ein Feuerwerk der Theatermagie
Rauschhafte Premiere: Volkstheater Rostock mit 'The Black Rider'

Rauschhafte Premiere im Volkstheater Rostock

Das Ensemble von "Black Rider" legte am 11. April im Volkstheater Rostock eine rauschhafte Premiere vor, die mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations honoriert wurde. Diese Musical-Trip statt Wohlfühlshow entzündete ein echtes Feuerwerk der Theatermagie, das das Publikum in seinen Bann zog.

Ein Feuerwerk der Theatermagie

Rauschhaft, wahnsinnig, verstörend und bewegend: Mit der Premiere des Musicals "The Black Rider (The Casting of the Magic Bullets)" feierte das Volkstheater Rostock ein spektakuläres Ereignis. Regisseur Daniel Pfluger inszeniert das Wendezeit-Kultwerk von Theatermacher Robert Wilson, Autor William S. Burroughs und dem Musiker Tom Waits als überreizten Drogen-Trip, der alle Erwartungen sprengt.

Abseits aller glatt polierter Musical-Ästhetik ist jedes einzelne Detail – musikalisch, bildnerisch, spielerisch – mit der Präzision eines beständig leicht daneben tickenden Uhrwerkes durchkomponiert. Der Stoff basiert auf der berühmten Freischütz-Saga und erzählt von einem Mann, der aus Verzweiflung einen Pakt mit dunklen Mächten schließt, verführerische Hilfe erhält und schließlich den verheerenden Preis seiner Entscheidung bezahlt.

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Bildgewaltige Inszenierung und musikalische Brüche

Schon das Bühnenbild von Katarina Ravlic rahmt die Geschichte mal als lebendiges Porträt, mal als allsehendes Auge oder scherenschnittartigen "Schießstand" irgendwo zwischen verstaubter Nationalromantik, bigotter Moral und entgrenzter Innerlichkeit. Die bildgewaltige Inszenierung von Daniel Pfluger besticht durch mechanische Präzision und eine surreale Ästhetik, die den Zuschauer in eine andere Welt entführt.

Die musikalische Leiterin des Musical-Abends, Cindy Weinhold, setzt ganz bewusst auf Bruch: Sie lässt die Schauspieler (bis auf einen) weit außerhalb der eigenen Komfortzone singen, also viel höher oder tiefer, als es der eigenen Stimme schmeichelt. Dadurch erreicht sie, dass das allgegenwärtige Unbehagen, das in der Geschichte angelegt ist, auch musikalisch Einzug hält. Wie die Sänger wird auch die siebenköpfige Band immer wieder aus dem eigenen Komfortbereich gesogen: da wird "gesägt", wie ein Geier gekreischt und da werden Heulschläuche geschwungen.

Grandiose schauspielerische Leistungen

Durchweg überragend agiert auch das Ensemble: überzeichnete, ins puppenhafte geschraubte Gestiken treffen auf punktgenaue Artikulationen – musikalisch wie im Sprechen. Da ist etwa Anouk Warter als Käthchen, die so überzeugend tragikomisch agiert und immer so perfekt schief singt, dass es direkt ins Verstandesherz des Zuschauers fährt. Oder Bernd Färber, der es mit einem "Fingerzeig" allein schafft, die gesamte Bandbreite zwischen bigotter Kleinbürgermoral und aller ehrlichster menschlicher Sorge zu bebildern.

Letztlich bleibt ein Abend, der sicherlich weit mehr als nur eine Komfortzone sprengt, aber vom Publikum vollkommen verdient mit explosionsartigem Applaus und minutenlangen Standing Ovations honoriert wurde. Nächste Aufführungen sind am 17. April, 19.30 Uhr, am 26. April, 15 Uhr, sowie am 9. und 16. Mai, jeweils 19.30 Uhr, im Großen Haus des Volkstheaters.

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