Kanye West-Konzert in Polen gestrichen: Bundesbeauftragter warnt vor antisemitischer Hetze im Kulturbereich
Das kurzfristig angekündigte Konzert des umstrittenen US-Rappers Kanye West in Polen wurde von den Veranstaltern abgesagt. Der Bundesbeauftragte gegen Antisemitismus, Felix Klein, nutzte diesen Anlass, um sich deutlich gegen hetzerische und diskriminierende Äußerungen im Kulturbereich zu positionieren.
Klein: "Kultur darf kein Raum für Verachtung sein"
"Ich sehe es mit großer Sorge, dass im Kunst- und Kulturbereich Künstlerinnen und Künstler die Bühne nutzen, um vor großem Publikum antiisraelischen Hass und Hetze zu verbreiten", erklärte Klein den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Der Bundesbeauftragte bezog sich dabei explizit auf Kanye West, der für seine antisemitischen, rassistischen und Holocaust-relativierenden Entgleisungen bekannt sei.
Das für den 19. Juni im schlesischen Chorzow geplante Konzert finde aus "formal-rechtlichen Gründen" nicht statt, teilte der Direktor des dortigen Stadions auf der Webseite mit. Polens Kulturministerin Marta Cienkowska unterstützte diese Entscheidung nachdrücklich und schrieb auf X: "In einem Land, das von der Geschichte des Holocaust geprägt ist, dürfen wir nicht so tun, als sei dies nur Unterhaltung."
Historischer Kontext macht Auftritt besonders problematisch
Ein Auftritt in Polen wäre vor dem historischen Hintergrund besonders sensibel gewesen. Auf dem Gebiet des Landes, das während des Zweiten Weltkriegs von Nazi-Deutschland besetzt war, errichteten die Besatzer das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Diese Gedenkstätte steht symbolhaft für den Holocaust und das Grauen des Nationalsozialismus.
Rund 1,1 Millionen Menschen starben hier zwischen 1940 und 1945, die meisten von ihnen waren Juden. Sie wurden erschossen, in Gaskammern ermordet oder starben an Hunger und Krankheiten. Vor diesem Hintergrund hatten Auschwitz-Überlebende die Entscheidung der britischen Regierung begrüßt, Kanye West die Einreise zu verweigern, und ähnliche Schritte auch in anderen europäischen Ländern gefordert.
Internationale Ablehnung und Wests Rechtfertigung
Der britische Premierminister Keir Starmer hatte zuvor geplante Auftritte Wests bei einem Festival in London als "zutiefst besorgniserregend" bezeichnet. In Frankreich strich der Rapper, der inzwischen unter dem Namen Ye auftritt, ein Konzert in Marseille bereits selbst, nachdem ein drohendes Verbot angekündigt worden war.
Kanye Omari West zählt zu den einflussreichsten und zugleich am stärksten polarisierenden Künstlern der Musikindustrie. Immer wieder fiel der 48 Jahre alte Rapper mit rassistischen und antisemitischen Aussagen auf. 2025 hatte er ein Lied mit dem Titel "Heil Hitler" veröffentlicht. Anfang des Jahres bat er schließlich in Form einer ganzseitigen Anzeige im "Wall Street Journal" um Entschuldigung und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück.
Weitere Künstler im Fokus der Kritik
Der Bundesbeauftragte Klein nahm in seiner Kritik auch Bezug auf einen Auftritt des Punk-Rap-Duos Bob Vylan: "Ich erinnere beispielsweise daran, wie im vergangenen Sommer ein Rapper bei einem Festival in Südengland die Menge mit anti-israelischen Parolen anheizte." Ein Rapper von Bob Vylan hatte im Juni vergangenen Jahres mit dem Slogan "Death, death to the IDF" zu Sprechchören des Publikums aufgerufen.
Christian Heuber vom Internationalen Auschwitz-Komitee betonte zur Begründung der Ablehnung von Wests Auftritten, dass solche Äußerungen nicht nur Überlebende des Holocaust und ihre Familien verletzten, sondern auch antisemitische Einstellungen in der Gesellschaft fördern könnten. Die Debatte um die Grenzen künstlerischer Freiheit und die Verantwortung von Künstlern im öffentlichen Raum bleibt damit weiterhin aktuell.



