Prinzen-Sänger mahnt bei Gedenkveranstaltung zur Wachsamkeit
Anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora hat Sebastian Krumbiegel, Sänger der Band Die Prinzen, eindringlich vor einem Wiedererstarken antisemitischer und reaktionärer Entwicklungen gewarnt. Der 59-jährige Musiker und Autor sprach während der offiziellen Gedenkfeier in Nordhausen und betonte die aktuelle Gefahr durch judenfeindliche Tendenzen.
„Mit Worten geht es los“ – Krumbiegels deutliche Warnung
In seiner bewegenden Rede verwies Krumbiegel auf die besorgniserregende Normalisierung antisemitischer Äußerungen: „Mit Worten geht es los, die Worte finden in Talkshows statt und mittlerweile auch in Parlamenten – und nicht nur von ganz rechts, sondern teilweise eben auch von Konservativen.“ Der für sein Engagement für Menschenrechte, Demokratie und Antifaschismus bekannte Künstler unterstrich, dass der Korridor zwischen konservativen und reaktionären Haltungen oft sehr schmal sei.
Krumbiegel forderte entschiedenen Widerstand gegen jegliche Form von Antisemitismus – „sowohl dem von rechts als auch von links und von religiös-muslimischer Seite“. Seine Mahnung zur Wachsamkeit angesichts aktueller politischer Entwicklungen bildete den emotionalen Höhepunkt der Gedenkveranstaltung.
Historischer Hintergrund: Das Grauen von Mittelbau-Dora
Das Konzentrationslager Mittelbau-Dora bei Nordhausen wurde am 11. April 1945 durch US-Truppen befreit. Zwischen Sommer 1943 und März 1945 verschleppten die Nationalsozialisten etwa 60.000 Häftlinge in das Lager, wo sie unter grausamsten Bedingungen in Stollenanlagen Rüstungsgüter produzieren mussten – darunter die berüchtigten V2-Raketen.
Laut Angaben der Gedenkstätte überlebten mindestens 20.000 Häftlinge diese Qualen nicht. Die Befreier fanden nur einige hundert kranke und sterbende Insassen vor, die die SS zurückgelassen hatte. Die meisten Häftlinge waren in den Tagen zuvor auf sogenannte Todesmärsche geschickt worden.
Zeitzeugen berichten von ihren Erfahrungen
An der Gedenkfeier nahmen neben Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie Vertretern von Bundes- und Landesregierung auch zwei hochbetagte Überlebende teil:
- Jerry Wartski, der heute in den USA lebt, überlebte als einer der wenigen das Außenlager Boelcke-Kaserne in Nordhausen.
- Andrej Iwanowitsch Moiseenko aus Belarus überstand das KZ Buchenwald.
Das Lager Mittelbau-Dora mit seinen rund 40 Außenlagern in der Harz-Region steht laut der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora exemplarisch für die Geschichte der KZ-Zwangsarbeit während der NS-Diktatur.
Politische Bedeutung der Erinnerungskultur
Die Gedenkveranstaltung verdeutlichte die anhaltende Relevanz der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Krumbiegels Warnungen vor aktuellen antisemitischen Tendenzen fanden vor diesem historischen Hintergrund besondere Resonanz. Die Teilnahme hochrangiger Politiker und der Zeitzeugen unterstrich die gesellschaftliche Verantwortung, die Lehren aus der Vergangenheit für die Gegenwart zu ziehen und jeglicher Form von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten.



