Matthias Eisenberg: Ein Leben für die Orgel und die Suche nach neuen Wegen
Matthias Eisenberg zählt zu den bedeutendsten Organisten Deutschlands. Mit über 60 Jahren Erfahrung an den Tasten blickt er auf eine beeindruckende Karriere zurück. Im Mai ist er erneut in der Neubrandenburger Konzertkirche zu erleben, ein Ort, der ihm besonders am Herzen liegt.
Eine besondere Verbindung zu Neubrandenburg
Eisenberg kehrt zum dritten Mal in die Konzertkirche Neubrandenburg zurück. Seine Verbindung zur Stadt reicht bis ins Jahr 1979/80 zurück, als er kurz davor stand, dort als Kirchenmusiker zu wirken. Ein verlockendes Angebot von Kurt Masur für das Gewandhaus Leipzig durchkreuzte diese Pläne. Dennoch schätzt der Musiker die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern von Klassik Deluxe, die er als angenehm und fast freundschaftlich beschreibt. Die liebevolle Programmplanung und die Fürsorge für Künstler und Publikum erinnern ihn an Konzerte in Dresden.
Die Orgel der Konzertkirche: Ein modernes Instrument mit traditionellem Klang
Die Orgel in der Neubrandenburger Konzertkirche überzeugt Eisenberg durch ihre kraftvolle Veranlagung, die ideal zum eher trockenen Saal passt. Im Vergleich zur Thomaskirche in Leipzig bietet sie eine andere Akustik. Der Bau sowie der Wirkungsanspruch des Instruments stammen aus einer anderen Zeit als die alten Orgeln in norddeutschen Backsteinkirchen, erklärt der Organist. Mit vier Manualen und einem umgesetzten Klangkonzept klingt sie dennoch eher „preußisch“ bis „norddeutsch“. Sie eignet sich hervorragend für große Konzerte mit Chor und Orchester und ist perfekt in die Bühnensituation integriert, nicht zuletzt dank des mobilen Spieltischs.
Lieblingsorgeln und prägende Erinnerungen
Zwei Instrumente haben Eisenberg besonders geprägt: Bereits im Alter von acht Jahren spielte er im Gottesdienst in seinem Geburtsort Elstra in der Lausitz, damals noch autodidaktisch. Diese frühe Erfahrung prägte den kleinen Jungen nachhaltig. Bis heute bleibt die Sonnenorgel in der St. Peter- und Paulskirche Görlitz, erbaut 1703, sein Herzensprojekt. Diese barocke Orgel mit 96 Registern, ähnlich groß wie die im Gewandhaus, füllt eine riesige Kirche, die das Stadtbild von Görlitz prägt. Für Eisenberg ist sie ein großartiges Instrument, wie geschaffen für die Musik von Bach.
Die Herausforderungen der Orgelmusik in der heutigen Zeit
Orgelmusik in ihrer vollen Klangpracht und Vielfalt ist heute nicht mehr populär. Das Verständnis für Programmierung und Repertoire hat sich bei Orchestern und Festivals stark gewandelt. Stattdessen dominieren überall „Candle Light“-Konzerte, selbst in großen Sälen wie dem Kulturpalast Dresden, der Kölner Philharmonie oder der Elbphilharmonie in Hamburg. Für Eisenberg ist dies oft Musik als Kommerz, weniger als Ausdruck von inniger Tiefe und wahrer Begegnung.
Zusammenarbeit mit Kurt Masur und Erfahrungen im Gewandhaus
Als erster Gewandhausorganist und Musiker des Leipziger Bachorchesters ab 1980 brachte die Zusammenarbeit mit Kurt Masur Eisenberg seiner Leidenschaft für Bachs Musik näher. Unter Masur erhielten Orgelkonzerte etwas mehr Raum, auch wenn Eisenbergs Feedback beim Bau der Orgel weniger berücksichtigt wurde. Manchmal gab es Uneinigkeit in der musikalischen Auslegung, was bei großen Charakteren nicht ausbleibt, erinnert sich der Organist mit einem Lachen. Dennoch pflegten sie eine fruchtbare Zusammenarbeit, die dem neuen Gewandhaus und der großen Konzertorgel gerecht wurde. Allerdings empfand Eisenberg die Akustik bei vollem Saal manchmal als zu trocken, was für den Ausführenden eine Herausforderung darstellte.
Wie kann Orgelmusik wieder populärer werden?
Die Orgel ist eng mit der Kirche als Institution verbunden, was für junge Menschen oft angestaubt und gestrig wirkt. Je weniger Menschen mit dem Begriff Kirche etwas verbinden, desto schwieriger wird es für das musikalische Leben. Die Orgel ist zu einer Nische geworden, die oft nur noch als notwendige Begleitung für Choräle dient. Es finden sich kaum noch Organisten, ob Hauptamtliche oder Aushilfen, die außerhalb der Musikzentren aktiv sind oder sein wollen. Andererseits bietet das Instrument eine immense Klang- und Farbvielfalt, die manchmal in „Orgelshows“ aufgeblasen wird. Immerhin wird die Orgel so genutzt und in Szene gesetzt. Ob dies nachhaltig die Faszination für das Instrument wiedererweckt, bleibt fraglich. Die Nachwuchs-Reihe in der Konzertkirche, regelmäßig mittags für 30 Minuten, entspricht eher Eisenbergs Geschmack, um die Orgel nahbar zu machen.
Das Programm im Mai in Neubrandenburg
Für sein Konzert in Neubrandenburg lässt sich Eisenberg von seinen Wirkungsstätten inspirieren. Er spielt Werke von Bach, wie die Toccata und Fuge d-Moll oder das Präludium Es-Dur. Auch Bach-Zeitgenossen, Schüler und Verehrer wie Johann-Ludwig Krebs kommen zu Gehör. Im zweiten Teil lässt er in freier Improvisation das „Meer stürmen“, eine Volksliedmelodie aus seiner sächsischen Heimat erklingen, und füllt den Raum mit der Kraft der großen Orgel und allen Registern.
Das Konzert mit Matthias Eisenberg in der Reihe „Klassik Deluxe“ findet am 8. Mai um 19 Uhr in der Neubrandenburger Konzertkirche statt. Karten sind unter anderem beim Ticketservice des HKB erhältlich.



