Oscars 2026: Hollywoods politische Renaissance - 'One Battle After Another' räumt ab
Oscars 2026: Politische Filme triumphieren in Hollywood

Oscars 2026: Die Rückkehr des Politischen in Hollywood

Die diesjährige Oscarverleihung markierte eine deutliche Wende: Nach Jahren der Zurückhaltung fand Hollywood seine politische Stimme wieder. Im Mittelpunkt stand der Politthriller „One Battle After Another“ von Paul Thomas Anderson, der mit sechs Auszeichnungen zum großen Gewinner des Abends avancierte – darunter der begehrte Preis für den besten Film.

Ein Politthriller als Oscar-Abräumer

Der Film basiert auf einem Roman von Thomas Pynchon und spielt in den 1980er Jahren, wirkt aber überraschend zeitgemäß. Anderson erzählt von militanten linken Aktivisten in den USA, angeführt vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen. Formal originell zeichnet er das Bild eines Amerikas im Alarmzustand:

  • Gesellschaftliche Spaltung und Abschiebungen
  • Bewaffnete Sicherheitskräfte und staatliche Gewalt
  • Eine Bevölkerung, die für ein besseres Land kämpfen will

Neben dem Hauptpreis gewann der Film auch in den Kategorien Regie, Nebendarsteller, adaptiertes Drehbuch, Schnitt und in der neuen Sparte Casting. Diese Dominanz unterstreicht, wie sehr die Academy-Mitglieder 2026 ihr Votum als ästhetisches Urteil und politisches Statement verstanden.

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Politische Kommentare auf der Oscar-Bühne

Moderator Conan O'Brien nutzte die Bühne für ironisch politische Kommentare und spielte auf US-Präsident Donald Trump an. In Anspielung auf die Umbenennung des Kennedy Centers sagte er: „Wir melden uns live aus dem Hat-einen-kleinen-Penis-Theater. Mal sehen, ob er da seinen Namen davor setzt.“

Auch Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel teilte gegen Trump aus, ohne den Präsidenten namentlich zu nennen. Bei der Präsentation der Dokumentarfilmkategorien bemerkte er: „Oh Mann, er wird sauer sein, seine Frau wurde dafür nicht nominiert.“ Damit spielte er auf den Amazon-Film „Melania“ an, der die First Lady vor dem Machtwechsel im Weißen Haus begleitet.

Weitere politische Statements und Gewinner

Das Vampirdrama „Blood & Sinners“ war mit vier Auszeichnungen der zweite Sieger, enttäuschte aber trotz einer Rekordzahl von 16 Nominierungen. Der Film von Ryan Coogler behandelt Rassismus, Gewalt und historische Schuld in den amerikanischen Südstaaten.

Michael B. Jordan gewann für seine Doppelrolle in dem Drama den Oscar als bester Hauptdarsteller und würdigte in seiner Dankesrede schwarze Vorreiter: „Ich stehe hier dank der Menschen, die vor mir da waren.“ Autumn Durald Arkapaw gewann als erste Frau den Oscar für die beste Kameraführung.

Internationale Stimmen und persönliche Momente

Schauspieler Javier Bardem nutzte seinen Auftritt für ein klares Statement: „No to war – and free Palestine“. Der norwegische Regisseur Joachim Trier verwies bei seiner Dankesrede für „Sentimental Value“ auf den Schriftsteller James Baldwin und betonte: Alle Erwachsenen seien für alle Kinder verantwortlich – und man solle keine Politiker wählen, die das nicht ernst nähmen.

Backstage erklärte Trier: „Wir befinden uns wieder in einer Zeit von starken Männern.“ Das Leid von Kindern in Krisen- und Kriegsgebieten bringe ihn und viele seiner Freunde zum Weinen.

Unter den rührenden Momenten stach Barbra Streisands Hommage an ihren verstorbenen Filmpartner Robert Redford hervor. Die 83-jährige Sängerin erinnerte an sein Engagement für Pressefreiheit und Umweltschutz und sang einen Ausschnitt aus „The Way We Were“.

Überraschungen und Abwesende

Für Gesprächsstoff sorgten zwei Dinge: Der Tischtennis-Film „Marty Supreme“ mit Timothée Chalamet ging komplett leer aus, und Sean Penn gewann für seine Nebenrolle in „One Battle After Another“ seinen dritten Oscar, war aber nicht anwesend. Damit gehört er nun zu den männlichen Schauspielern mit den meisten Oscars.

Warum Penn der Gala fernblieb, ist unklar. Die „New York Times“ berichtete von einer geplanten Ukraine-Reise. Politisches Engagement wäre für Penn nichts Neues – er hatte einmal erwogen, seine Oscars einschmelzen zu lassen, um Munition für den Krieg gegen Russland herzustellen.

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Jessie Buckley gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle der Ehefrau von William Shakespeare in „Hamnet“. Sichtlich bewegt widmete sie ihren Oscar „dem wunderschönen Chaos im Herzen einer Mutter“ und erinnerte daran, dass in Großbritannien Muttertag war.

Insgesamt zeigte die Oscarverleihung 2026: Hollywood hat seine politische Schockstarre überwunden und nutzt die Bühne wieder für gesellschaftliche Kommentare – von Rassismus über staatliche Gewalt bis zu internationalen Konflikten.