ARD-Mehrteiler "Sternstunde der Mörder": Jonas Nay jagt Serienmörder im Kriegs-Prag
Eine grausame Mordserie erschüttert Prag im Februar 1945, während die Stadt unter amerikanischen Bombenangriffen leidet. Inmitten dieses Chaos ermittelt Kripo-Beamter Jan Morava, gespielt von Jonas Nay, gegen einen brutalen Serienmörder, der verwitwete Frauen auf bestialische Weise tötet. Der neue ARD-Mehrteiler "Sternstunde der Mörder" (4 Folgen à 45 Minuten) startet am Karfreitag im Ersten und ist bereits seit dem 29. März in der ARD-Mediathek verfügbar.
Historischer Hintergrund und Romanvorlage
Die Handlung spielt in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs, als Prag von den Nationalsozialisten besetzt war und sich der tschechische Widerstand formierte. Die literarische Vorlage stammt von dem renommierten tschechischen Dramatiker Pavel Kohout, der heute 97 Jahre alt ist und die Schrecken dieser Zeit als Jugendlicher selbst miterlebte. Kohout schuf mit einem tschechischen und einem deutschen Kriminalbeamten zwei Hauptfiguren, die in dieser turbulenten Phase noch miteinander in Kontakt treten.
Jonas Nays doppelte Herausforderung
Für Jonas Nay, bekannt aus der Serie "Deutschland 83", bedeutete die Rolle des Ermittlers Jan Morava eine besondere Hürde. Der Schauspieler musste nicht nur Deutsch mit tschechischem Akzent sprechen, sondern auch fließend Tschechisch beherrschen. Für das erste Casting lernte er den Text lautmalerisch auswendig, ähnlich wie man als Kind englische Lieder singt. Anschließend absolvierte er einen intensiven Sprachkurs bei einem Berliner Theater-Coach und verfeinerte seine Aussprache gemeinsam mit einer zweisprachigen Kollegin am Set.
"Eine der schwierigsten Stellen war 'třináctého března' - am 13. März", verrät Nay. Das gerollte "r" bereitete dem gebürtigen Lübecker hingegen keine Probleme, da er es bereits als Chorknabe bei Bachkantaten in seiner Heimatstadt erlernt hatte.
Drehort Wien statt Prag
Interessanterweise wurde die Serie nicht in Prag, sondern in Wien gedreht. Die österreichische Hauptstadt diente als Kulisse für das von den Deutschen besetzte Prag, da beide Städte architektonische Ähnlichkeiten aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie aufweisen. Nur ortskundige Kenner werden daher minimale Unterschiede bemerken, wie etwa das Foyer des Funkhauses Wien, das das historische Rundfunkgebäude in der Prager Vinohradská-Allee ersetzt.
Regie und Bildgestaltung
Regisseur Christopher Schier gelingt es meisterhaft, die düstere und unsichere Atmosphäre des Kriegsendes in Prag einzufangen. Kameramann Philip Peschlow trägt mit seiner Bildgestaltung maßgeblich dazu bei, dass die Zuschauer tief in die Handlung eintauchen. "Es zieht einen so unheimlich in diesen Tunnel - und man fällt da nie raus, weil irgendwo irgendetwas visuell nicht stimmig wäre", schwärmt Jonas Nay über die Arbeit des Kamerateams.
Weitere Projekte des Schauspielers
Nach Abschluss der Dreharbeiten widmet sich Jonas Nay nun vorübergehend seiner zweiten Leidenschaft: der Musik. Er komponiert sowohl Filmmusik als auch Songs für seine Band Pudeldame. Kürzlich musste er sogar gemeinsam mit einem befreundeten Klavierbauer Hand anlegen, nachdem der gesamte Pedalblock seines rund hundert Jahre alten New Yorker Steinway-Flügels heruntergebrochen war - ein Instrument, das er sich einst mit seiner ersten Filmgage erfüllt hatte.



