Nasse Haare und Erkältung: Ein medizinischer Mythos unter der Lupe
Viele Eltern kennen die Warnung: "Geh nicht mit nassen Haaren nach draußen, sonst wirst du krank!" Doch ist diese Volksweisheit tatsächlich medizinisch haltbar? Die erfahrene Kinderärztin Dr. Monika Corbacioglu nimmt in einem aktuellen Interview Stellung zu dieser weit verbreiteten Annahme und klärt über die wahren Ursachen von Erkältungen auf.
Die Rolle von Kälte bei Erkältungen
Laut Dr. Corbacioglu ist Kälte allein nicht der direkte Auslöser für Erkältungen. "Erkältungen werden durch Viren verursacht, nicht durch niedrige Temperaturen", betont die Expertin. Allerdings räumt sie ein, dass Kälte das Immunsystem vorübergehend schwächen kann, was den Körper anfälliger für virale Infektionen macht. Nasse Haare könnten dabei als zusätzlicher Stressfaktor wirken, da der Körper mehr Energie aufwenden muss, um die Körpertemperatur zu regulieren.
Warum nicht jeder erkrankt
Ein entscheidender Punkt, den die Kinderärztin hervorhebt, ist die individuelle Anfälligkeit. "Nicht jeder, der Erkältungsviren mit sich herumschleppt, bekommt auch einen Schnupfen", erklärt Dr. Corbacioglu. Dies hänge von verschiedenen Faktoren ab, darunter der allgemeine Gesundheitszustand, die Stärke des Immunsystems und die Menge der aufgenommenen Viren.
Praktische Tipps für Eltern
Um Kinder effektiv vor Erkältungen zu schützen, empfiehlt die Kinderärztin folgende Maßnahmen:
- Regelmäßiges Händewaschen: Da Erkältungsviren oft über die Hände übertragen werden, ist gründliche Hygiene entscheidend.
- Ausgewogene Ernährung: Eine vitaminreiche Ernährung stärkt das Immunsystem nachhaltig.
- Ausreichend Schlaf: Ausgeruhte Kinder haben ein robusteres Abwehrsystem.
- Angemessene Kleidung: Zwiebellook hilft, die Körpertemperatur besser zu regulieren.
Abschließend betont Dr. Corbacioglu, dass während nasse Haare allein keine Erkältung verursachen, es dennoch sinnvoll sein kann, Kinder nach dem Baden oder Duschen gründlich abzutrocknen, bevor sie nach draußen gehen. Vor allem in der kalten Jahreszeit könne dies dazu beitragen, den Körper nicht unnötig zu belasten. Die beste Prävention bleibe jedoch ein starkes Immunsystem und gute Hygienegewohnheiten.



