Krankenkassenchef fordert radikalen Systemumbau: 150-Euro-Fixbeitrag pro Kopf
Krankenkassenchef fordert Systemumbau mit 150-Euro-Fixbeitrag

Krankenkassenchef fordert radikalen Systemumbau: 150-Euro-Fixbeitrag pro Kopf

Während Gesundheitsministerin Nina Warken mit einem Sparpaket die Krankenversicherung bezahlbar machen will, geht einem führenden Kassenchef dieser Ansatz nicht weit genug. Ralf Hermes, Vorstand der IKK Innovationskasse, fordert einen kompletten Systemwechsel mit drastischen Folgen für Versicherte.

Grundlegende Neuordnung statt kurzfristiger Sparmaßnahmen

In einem Konzeptpapier skizziert Hermes eine grundlegende Neuordnung des Gesundheitssystems. "Die gesetzliche Krankenversicherung und die soziale Pflegeversicherung stehen vor einer strukturellen Überforderung, die sich nicht mehr durch kurzfristige Konsolidierungsmaßnahmen oder punktuelle Reformen beheben lässt", zitiert t-online aus dem Dokument. Anstelle des aktuellen Reformpakets der schwarz-roten Koalition schlägt Hermes eine nachhaltige Gesundheits- und Pflegeordnung vor.

Drei-Säulen-Modell mit festem Monatsbeitrag

Das vorgeschlagene Modell basiert auf drei Säulen:

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  1. Staatliche Grundsicherung für kostenintensive Leistungen wie Krankenhausaufenthalte, stationäre Pflege und Notfälle, finanziert durch Arbeitgeber und Steuerzuschüsse.
  2. Soziale Krankenversicherung für die Alltagsversorgung mit Arztbesuchen, Arzneimitteln und ambulanter Pflege, finanziert über eine pauschale Monatsprämie von 150 Euro pro Versicherten – unabhängig vom Einkommen.
  3. Private Zusatzversicherung für Komfort- und Wahlleistungen, inklusive Krankengeld, Zahnersatz und beschleunigten Arztzugängen.

Spürbare Konsequenzen für Versicherte

Die Umsetzung dieses Modells hätte erhebliche Auswirkungen:

  • Die beitragsfreie Familienversicherung würde entfallen
  • Für einzelne Leistungen würden Eigenbeteiligungen anfallen
  • Krankengeld und zahnärztliche Leistungen wären nicht mehr im Grundsystem enthalten
  • Die Pflegeversicherung würde in die solidarische Gesundheitsversicherung integriert

Besonders der Ausschluss des Krankengelds wäre für viele Versicherte spürbar. Bislang erhalten langzeiterkrankte Beschäftigte bis zur 72. Woche 70 Prozent ihres Bruttoentgelts.

Hintergrund: Finanzielle Herausforderungen

Die Diskussion findet vor dem Hintergrund einer erwarteten Finanzlücke von rund 15 Milliarden Euro bei den Krankenkassen statt. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission hat 66 Maßnahmen vorgeschlagen, die bis 2030 Einsparungen von bis zu 63,9 Milliarden Euro ermöglichen könnten. Hermes betont jedoch: "Das vorgelegte Modell versteht sich nicht als Kommentar am Rand der Kommissionsvorschläge, sondern als ordnungspolitische Alternative zur Dauerkrise."

Der Kassenchef argumentiert, nur eine Neugestaltung der Systemlogik könne Solidarität, Eigenverantwortung und Wettbewerb wieder in Einklang bringen. Während die Politik über das aktuelle Reformpaket diskutiert, stellt Hermes' radikaler Vorschlag die grundlegende Architektur des deutschen Gesundheitssystems in Frage.

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