Milliarden-Defizit im Gesundheitssystem: G-BA-Chef fordert Tabaksteuer-Erhöhung zur Entlastung
Gesundheitssystem: Milliarden-Loch - Tabaksteuer soll steigen

Milliarden-Defizit bedroht Stabilität des deutschen Gesundheitssystems

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor gewaltigen finanziellen Herausforderungen. Während die Ausgaben zu den höchsten in Europa zählen, zeigt die Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen keinen entsprechend niedrigeren Wert. Diese Erkrankungen stellen nicht nur die häufigste Todesursache dar, sondern verursachen mit etwa 65 Milliarden Euro auch den größten Kostenblock innerhalb der Gesamtausgaben von 580 Milliarden Euro.

Historische Defizite zeichnen sich ab

Die gesetzliche Krankenversicherung steuert auf alarmierende Finanzlücken zu. Bereits für das Jahr 2027 prognostizieren Experten ein Defizit von 15 Milliarden Euro, das bis 2030 auf bis zu 42 Milliarden Euro anwachsen könnte. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag hat mit 3,13 Prozent bereits einen Rekordwert erreicht. Um eine weitere Belastung der Versicherten zu vermeiden, sucht die Politik nach alternativen Finanzierungsquellen.

Expertenkommission legt 66 Sparvorschläge vor

Ende März präsentierte eine Expertenkommission 66 konkrete Ideen, um die Beitragsspirale zu stoppen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant bis Juli ein entsprechendes Spargesetz. Die zentrale Frage lautet dabei: Wo kann effektiv gespart werden, ohne die medizinische Versorgung zu gefährden?

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G-BA-Chef positioniert sich auf Kardiologie-Kongress

Auf der 92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim nahm Prof. Josef Hecken (66), Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), erstmals öffentlich Stellung zu den Sparvorschlägen. In einem Panel mit weiteren Kardiologie-Experten wie Prof. Dr. Hans Theiss (CSU), Prof. Dr. Birgit Aßmus, Prof. Dr. Stephan Willems und Prof. Stefan Blankenberg betonte Hecken: „Mehr Geld allein wird das System nicht retten.“

Der G-BA-Chef kritisierte teure Überversorgung und fehlende Priorisierung im deutschen Gesundheitswesen. „In Deutschland werde zu viel gemacht, ohne dass die Ergebnisse automatisch besser sind“, so Hecken. Das Problem sei somit nicht ausschließlich finanzieller Natur, sondern betreffe auch strukturelle Ineffizienzen.

Tabaksteuer-Erhöhung als präventive Maßnahme

Besonderes Potenzial sieht Hecken im Bereich der Prävention. Er fordert eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuer, die dem Staat mindestens drei Milliarden Euro zusätzlich einbringen könnte. „Da würde ich mindestens drei Milliarden holen wollen“, erklärte der G-BA-Vorsitzende. Teurere Zigaretten sollen sowohl den Konsum reduzieren als auch zusätzliche Mittel für Präventionsmaßnahmen generieren.

Neben der Tabaksteuer hält Hecken auch Abgaben auf Zucker oder gesüßte Getränke für plausibel. Gleichzeitig warnt er davor, neue Steuern als Allheilmittel zu betrachten: „Es rettet uns auch nicht, wenn wir die Tabaksteuer erhöhen oder wenn wir eine Zucker- und Alkoholsteuer haben.“

Strukturelle Reformen notwendig

Hecken geht in seiner Analyse über reine Sparforderungen hinaus. Er fordert klare Patientenpfade, den Abbau von Doppelstrukturen und verstärkte Prävention, lange bevor Menschen medizinische Hilfe benötigen. Damit stellt er grundsätzliche Fragen: Was ist medizinisch wirklich notwendig? Was hilft Patienten tatsächlich? Und welche Maßnahmen kosten viel, ohne entsprechenden Nutzen zu bringen?

Die Diskussion auf dem Kardiologie-Kongress machte deutlich: Das deutsche Gesundheitssystem benötigt sowohl finanzielle als auch strukturelle Reformen. Nur durch gezieltes Sparen mit langfristiger Perspektive kann die Stabilität des Systems gewährleistet werden. Die anstehenden Entscheidungen von Gesundheitsministerin Warken werden zeigen, ob Politik und Experten gemeinsame Lösungen finden können.

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