Gesundheitsreform: Kommission legt 66 Vorschläge zur Finanzstabilisierung vor
Die von der Bundesregierung eingesetzte Finanzkommission Gesundheit hat ihren lang erwarteten Bericht vorgelegt, der 66 Maßnahmen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) umfasst. Das zehnköpfige Expertengremium rechnet damit, dass bei vollständiger Umsetzung bis 2027 Einsparungen von 42,3 Milliarden Euro erzielt werden könnten, bis 2030 sogar über 60 Milliarden Euro. Allerdings betont die Kommission, dass nicht alle Vorschläge realisiert werden müssen, sondern als Reformkatalog für politische Entscheidungen dienen.
Finanzlücke und Handlungsdruck
Ohne Gegenmaßnahmen prognostiziert die Kommission für 2027 ein Defizit von 15 Milliarden Euro in der GKV, das bis 2030 auf 40 Milliarden Euro ansteigen könnte. Wolfgang Greiner, Gesundheitsökonom und Vorsitzender der Kommission, erklärt: "Die Vorschläge eröffnen der Politik einen breiten Handlungsspielraum für die weitere Ausgestaltung." Ziel sei es, einen weiteren Anstieg der Krankenkassenbeiträge zu verhindern und die Finanzierung nachhaltig zu sichern.
Kontroverse Maßnahmen im Fokus
Zu den umstrittensten Empfehlungen gehören:
- Streichung der Partner-Mitversicherung: Die beitragsfreie Mitversicherung nicht oder geringfügig beschäftigter Ehepartner soll als "versicherungsfremde Leistung" abgeschafft werden, was Einsparungen von 3,5 Milliarden Euro bis 2027 bringen könnte.
- Anhebung der Patientenzuzahlungen: Die seit Jahren unveränderten Zuzahlungen sollen an die Inflationsrate angepasst werden, was zusätzliche Einnahmen von 1,9 Milliarden Euro generieren würde.
- Einführung einer Zuckersteuer: Eine gestaffelte Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke soll eingeführt werden, mit erwarteten Mehreinnahmen von 100 Millionen Euro bis 2027 und bis zu 0,5 Milliarden Euro bis 2030.
Weitere finanzielle Anpassungen
Die Kommission schlägt zudem vor, die Vergütungen für niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser zu begrenzen, was Einsparungen von 5,5 Milliarden Euro ermöglichen könnte. Darüber hinaus wird eine stärkere Besteuerung gesundheitsschädigender Substanzen empfohlen:
- Erhöhung der Tabaksteuer um 1,2 Milliarden Euro.
- Höhere Besteuerung von Alkohol mit zusätzlichen 600 Millionen Euro.
Ein weiterer Punkt betrifft die Finanzierung der Krankenversicherung für Bürgergeldempfänger: Die Kommission plädiert für eine Übernahme dieser Kosten aus der Steuerkasse, was 12 Milliarden Euro einsparen würde. Allerdings ist die Umsetzung angesichts der angespannten Haushaltslage der schwarz-roten Koalition fraglich.
Ausblick und politische Reaktionen
Die Vorschläge dürften auf heftigen Widerstand stoßen, insbesondere bei Familienverbänden und Verbraucherschützern. Die Kommission betont jedoch, dass ihr Bericht als Grundlage für notwendige Reformen dient, um das Gesundheitssystem langfristig zu stabilisieren. Die Politik muss nun abwägen, welche Maßnahmen umgesetzt werden, um die wachsende Finanzlücke zu schließen und die Beitragszahler zu entlasten.



