Hondius: Kein Seuchenschiff? Hantavirus, Megatsunami, Elevate-Skandal
Hondius: Kein Seuchenschiff? Hantavirus, Megatsunami, Elevate

Die Lage am Abend: MV Hondius, Megatsunami und Elevate-Skandal

Von Laura Backes

1. Drei Passagiere haben das Kreuzfahrtschiff Hondius verlassen

Drei Menschen sind bisher gestorben, insgesamt acht erkrankt. Bei drei von ihnen wurde eine Hantainfektion nachgewiesen. Nun wurden drei Passagiere des Kreuzfahrtschiffs Hondius evakuiert, darunter eine Deutsche. Laut Universitätsklinikum Düsseldorf, wo sie untersucht werden soll, handelt es sich um eine Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer Infektion. Das kleine Kreuzfahrtschiff mit knapp 150 Menschen an Bord war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und ankert derzeit vor Kap Verde. Am Samstag soll es in den Hafen von Teneriffa einlaufen.

Ist auf der Kanareninsel keiner mehr sicher? Die Angst ist groß, die reale Bedrohung offenbar nicht. Da sind sich erfreulicherweise die meisten Experten einig. Meine Kollegin Alina Schadwinkel hat mit dem Virologen Jan Felix Drexler von der Charité in Berlin gesprochen. Und der sagt ganz klar: Das ist kein Seuchenschiff. Wie er sich da so sicher sein kann? Nach allem, was Fachleute wissen, überträgt sich der Virustyp von Mensch zu Mensch nur unter Bedingungen großer Nähe; etwa innerhalb von Familien, in geteilten Schlafräumen oder bei Pflege von schwer Erkrankten. Ein Pandemieszenario ist derzeit unrealistisch und durch keine Evidenz gedeckt, sagt Drexler.

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2. Monsterwelle in Alaska

Besonders interessant fand ich heute die Nachricht über ein Ereignis, von dem wohl die meisten von uns nichts mitbekommen haben: Offenbar schwappte im August 2025 eine 480 Meter hohe Welle durch einen Fjord in Alaska. Sie haben richtig gelesen, 480 Meter hoch. Zum Vergleich: Beim Tsunami in Japan 2011 waren die Wellen bis zu 40 Meter hoch. Jetzt sprechen wir über das Zehnfache. Forschende haben das Ereignis rekonstruiert und ihren Bericht in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht. Offenbar löste sich am frühen Morgen des 10. August 2025 ein gewaltiges, keilförmiges Gesteinspaket. Es war rund 800 Meter lang, also mehr als fünfmal die Höhe des Kölner Domes, und bis zu 650 Meter breit. Maximal war es 200 Meter dick. Das Volumen: mehr als 25.000 olympische Schwimmbecken. Die Gegend ist zwar unbewohnt, doch in der Hochsaison sind täglich mehr als 20 Boote und Schiffe, teilweise Kreuzfahrtriesen mit Tausenden Menschen an Bord, im Fjord unterwegs. Dass dabei niemand zu Schaden kam, grenzt an ein Wunder, schreibt mein Kollege Christoph Seidler.

3. Untreueverdacht beim Modelabel Elevate

Haben Sie Kinder oder Enkel im Teenie-Alter? Dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass die sich in den vergangenen Jahren zum Geburtstag ein T-Shirt oder einen Kapuzenpullover der Marke Elevate Clothing gewünscht haben. Das Unternehmen gibt es bald nicht mehr, aber wie es aussieht, hat einer der Mitgründer – der umstrittene Sneaker-Millionär Stepan Timoshin – womöglich das Modelabel ausgenommen und sich auf Firmenkosten ein Luxusleben gegönnt. Tausende Seiten interner Unterlagen, die meine Kollegen Thilo Neumann und Timo Schober sichten konnten, nähren den Verdacht, dass Timoshin als Geschäftsführer mutmaßlich über mehrere Jahre Gelder veruntreut, vom Firmenkonto private Lustreisen und Luxusartikel bezahlt und Forderungen nicht beglichen haben könnte.

Timoshins Anwalt lässt Fragen dazu in weiten Teilen unbeantwortet. Er betont aber, dass es sich bei den Auseinandersetzungen rund um Elevate um eine eskalierte gesellschafts- und zivilrechtliche Streitigkeit handele, nicht um eine feststehende strafrechtliche Tätergeschichte. Es scheint nicht mehr zu laufen beim selbst erklärten Selfmade-Millionär. 2024 wollte Timoshin Präsident des Fußball-Zweitligisten Hertha BSC werden – und scheiterte. Seine neueste Idee: Pilatesstudios. In einem YouTube-Video Ende Januar kündigt Timoshin ein Frauenimperium an. Man kann nur hoffen, dass seine aktuellen Geschäftspartner den Text meiner Kollegen lesen, bevor sie investieren.

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Was heute sonst noch wichtig ist

  • CNN-Gründer Ted Turner ist tot: Mit dem Nachrichtenkanal CNN revolutionierte Ted Turner das US-Fernsehen. Privat sorgte seine Ehe mit der Schauspielerin Jane Fonda für Aufmerksamkeit. Jetzt ist der Medienunternehmer im Alter von 87 Jahren gestorben.
  • Schwarz-roter Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz beschlossen: CDU und SPD haben gut sechs Wochen nach der Wahl in Rheinland-Pfalz ihren Koalitionsvertrag unterzeichnet. Schwerpunkte sind Bildung und innere Sicherheit. Der bisherige Ministerpräsident Schweitzer wird SPD-Fraktionschef.
  • Benzin kostet in den USA jetzt 50 Prozent mehr als vor dem Irankrieg: Der Irankrieg hat auch in den USA die Spritpreise in die Höhe getrieben. Für Präsident Donald Trump sind das schlechte Nachrichten – denn im November stehen Zwischenwahlen an.
  • Mann überfährt Polizist bei Autorennen – mehr als zehn Jahre Gefängnis: Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Das Landgericht Cottbus hat den Angeklagten nach dem Tod eines Polizisten zu mehr als zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte vor der Tat mit weiteren Beteiligten Autos gestohlen.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Aufgeben ist keine Option

Arda Saatçi ist Ultramarathonläufer. Er will 600 Kilometer fast ohne Schlaf durch die kalifornische Wüste rennen. Mein Kollege Lukas Hildebrand hat ihn über Monate begleitet und schildert, wie Saatçi durch die Berliner Nächte rennt und trainiert, sich für 96 Stunden das Schlafen abzugewöhnen. Er rede dann oft mit sich selbst und zweifle, ob er nicht einfach aufhören solle. Dann sage Saatçi aber zu sich: Arda, das Thema hatten wir schon. Du läufst jetzt weiter.

Was heute weniger wichtig ist

Hallo, hier spricht der Papst: Bei dem Versuch, bei der Bank seine Telefonnummer und Adresse zu aktualisieren, ist Papst Leo XIV., 70, zunächst gescheitert. Laut New York Times hat Papst Leo unter Angabe seines bürgerlichen Namens, Robert Prevost, seine Bank in Chicago angerufen, um seine Telefonnummer und seine Adresse zu ändern. Obwohl er alle Sicherheitsfragen richtig beantworten konnte, habe die Bankmitarbeiterin darauf bestanden, dass er persönlich vorbeikommen müsse. Würde es einen Unterschied machen, wenn ich Ihnen sage, dass ich Papst Leo bin?, habe er gefragt. Daraufhin habe die Frau aufgelegt.

Und heute Abend?

Auf diese Frage scheint es nur eine Antwort zu geben: Fußball schauen. Um 21 Uhr spielt der FC Bayern München gegen Paris Saint-Germain, es ist das Rückspiel eines denkwürdigen Champions-League-Halbfinales. Legal schauen können Sie das Spiel bei Dazn. Oder Sie verfolgen den Liveticker auf SPIEGEL.de. Und wenn Sie sich die Partie partout nicht ansehen wollen, dann gehen Sie doch einfach selbst zum Sport. Ist eh gesünder, als auf der Couch zu sitzen.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Herzlich, Ihre Laura Backes