80-jähriger Apotheker in Güstrow hält streikenden Kollegen den Rücken frei
Mit stolzen 80 Jahren übt Wolfgang Link seinen Beruf als Apotheker noch immer mit ungebrochener Leidenschaft aus. Der Inhaber der historischen Ratsapotheke in Güstrow steht fest hinter den Forderungen seiner streikenden Kollegen nach höheren Honoraren. Während des bundesweiten Apothekenstreiks am Montag übernahm seine Einrichtung den wichtigen Notfalldienst für die gesamte Region und blieb damit eine unverzichtbare Anlaufstelle für Patienten.
Kostensteigerungen und Personalmangel belasten Apotheken
Wolfgang Link kennt die Herausforderungen der Branche aus erster Hand: „Seit 13 Jahren ist bei den Apotheker-Honoraren nichts geschehen, während überall die Kosten explodiert sind“, erklärt der erfahrene Apotheker. Die steigenden Ausgaben für Personal, Energie, Geräte und die Instandhaltung des denkmalgeschützten Hauses am Markt sowie des acht Jahre alten Botenautos belasten den Betrieb zunehmend.
Die Ratsapotheke kämpft wie viele andere Einrichtungen mit akutem Personalmangel. Eine langjährige Mitarbeiterin geht in den Ruhestand, doch Ersatz zu finden gestaltet sich schwierig. „Der Apothekerberuf ist sehr fordernd“, so Link. Bei wöchentlichen Arbeitszeiten von 50 Stunden inklusive Wochenend- und Nachtdiensten müssen die Angestellten viel Einsatz zeigen. Konsequenterweise muss die Apotheke nun samstags schließen.
Eine Apotheke mit 442-jähriger Tradition
Die Ratsapotheke Güstrow blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück: Gegründet im Jahr 1555, gilt sie als vermutlich älteste Apotheke des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Wolfgang Link selbst begann hier 1964 sein Praktikum, leitete später in der DDR die Südstadt-Apotheke und übernahm schließlich am 1. März 1991 die Ratsapotheke von der Treuhand. Seitdem führt er den traditionsreichen Betrieb, der nun sein 35-jähriges Bestehen unter seiner Leitung feiert.
Trotz seines fortgeschrittenen Alters denkt der Senior erst allmählich über eine Nachfolgeregelung nach. Seine Motivation speist sich aus der täglichen Arbeit mit den Patienten: „Ich bin zufrieden, wenn ich jeden so beraten kann, dass es hilfreich für ihn ist. Mir gefällt meine Arbeit, ich habe mein Leben für diesen Beruf und die Patienten gelebt“, bekennt der freundliche Apotheker.
Apotheke als Spiegel der Gesellschaft
In der Ratsapotheke spiegelt sich wider, was die Menschen und die Gesellschaft aktuell bewegt. „Wir sind oft der Kummerbriefkasten, bekommen hautnah mit, wie es den Menschen geht“, beschreibt Link die besondere Rolle seiner Einrichtung. Neben saisonalen Erkrankungen wie Erkältungen erreichen ihn auch psychische Belastungen durch Alltagsprobleme, die oft ohne medizinische Unterstützung nicht zu bewältigen sind.
Die Digitalisierung stellt insbesondere ältere Kunden vor Herausforderungen. Viele tun sich schwer mit der Umstellung von Papierrezepten auf digitale Krankenkarten. „Sie haben sich an das Papierrezept gewöhnt und verstehen nicht, dass es genügt, beim Arzt anzurufen und gleich zur Apotheke gehen zu können“, erklärt Link geduldig.
Die beruflichen Anforderungen haben sich über die Jahrzehnte deutlich verändert. Waren es früher nur zwei Krankenkassen, sind es heute 55 verschiedene Anbieter. Die Buchhaltung, die einst zentral verwaltet wurde, muss nun eigenständig erledigt werden. „Neben der pharmazeutischen Tätigkeit sind wir nun zum großen Teil auch Kaufmann“, räumt Link ein. Doch eines bleibt unverändert: „Oberstes Gebot bleibt immer die gute Versorgung der Patienten.“



