Medizinische Lücke geschlossen: Kinderarzt verstärkt Lychener Praxis trotz Überversorgung
In der Uckermark-Stadt Lychen herrscht große Freude über medizinische Verstärkung: Die Arztpraxis Schumacher in der Hospitalstraße 1 hat mit Dr. Tobias Stiefel einen neuen Kinderarzt in ihr Team aufgenommen. Diese Erweiterung wurde durch eine besondere Genehmigung ermöglicht, obwohl die Region eigentlich als überversorgt gilt.
Drei Ärzte für umfassende Patientenbetreuung
Das Praxis-Team besteht nun aus drei Medizinern: Neben dem neuen Kinderarzt Dr. Tobias Stiefel kümmern sich Allgemeinmediziner Dr. Ferdinand Schumacher und seine Frau Dr. Anna-Maria Schumacher, ebenfalls Kinderärztin, um das Wohl der Patienten. Dr. Anna-Maria Schumacher strebt perspektivisch eine Facharztausbildung für Allgemeinmedizin an, während das Paar aktuell zum dritten Mal Eltern wird.
„Die Freude war enorm, als nach vielen Monaten die Genehmigung für die Niederlassung unseres Kollegen kam“, erklärt Dr. Ferdinand Schumacher. „Eigentlich gilt der Bereich Templin bei Kinderärzten als vollständig versorgt. Für unsere Praxis wurde jedoch ein Sonderbedarf anerkannt.“
Weite Patientenwege als entscheidender Faktor
Mehrere Gründe sprachen für die Sonderbedarfszulassung: Die Patienten der Praxis kommen nicht nur aus Lychen selbst, sondern auch aus Templin und Fürstenberg. „Statistische Zahlen sind das eine“, so Schumacher, „aber weite Fahrwege für Patienten, besonders für Eltern mit Kindern in der Infektzeit, die häufiger zum Arzt müssen, sind ein praktisches Problem.“
Kinderarzt Dr. Tobias Stiefel ergänzt: „Vergessen wir nicht, dass das Templiner Krankenhaus keine Kinderstation mehr hat. Um entsprechende Abteilungen in umliegenden Krankenhäusern zu erreichen, sind mindestens sechzig Minuten Fahrzeit nötig.“ Aus diesem Grund hat die Praxis ein Ultraschallgerät angeschafft, um Eltern lange Wege für weiterführende Untersuchungen zu ersparen.
Neue Perspektiven für junge Familien
Durch die Aufnahme von Dr. Stiefel kann die Praxis nun neue kleine Patienten betreuen. Dr. Ferdinand Schumacher hatte die Praxis in der Hospitalstraße 1 im Jahr 2022 von seiner Mutter Dr. Elke Schumacher übernommen und baut das Angebot kontinuierlich aus.
Der 35-jährige Dr. Tobias Stiefel, selbst Vater von drei Kindern, ist mit seiner Familie vor einem Jahr nach Templin gezogen. „Meine Frau stammt ursprünglich aus Templin“, erzählt der Mediziner. Bisher arbeitete er überwiegend im stationären Bereich an der Uniklinik Greifswald und im Kreiskrankenhaus Demmin. Die Niederlassung im ambulanten Bereich bedeutet für ihn Neuland.
„In Lychen habe ich optimale Bedingungen vorgefunden“, betont Stiefel. „Das Team in der Praxis, zu dem drei Medizinische Fachangestellte, eine Auszubildende und eine Tresenkraft gehören, ist außerordentlich nett. Und es ist schön zu sehen, dass Kinder in dieser Praxis einen besonders großen Stellenwert haben.“
Wie Sonderbedarfszulassungen funktionieren
Über die Zulassung von ambulant tätigen Ärzten entscheidet der Zulassungsausschuss, ein unabhängiges Gremium aus Vertretern der Ärzteschaft und gesetzlichen Krankenkassen. „Grundlage ist die ärztliche Bedarfsplanung“, erklärt Ute Menzel, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB).
Diese Planung legt fest, wie viele Ärzte eines Fachgebiets in einer Region ambulant tätig sein müssen, um wohnortnahe medizinische Versorgung zu gewährleisten. Sie identifiziert Versorgungsengpässe und sperrt Bereiche mit ausreichender Ärztedichte für neue Zulassungen.
„Der Landkreis Uckermark ist für weitere Kinderarzt-Zulassungen gesperrt, da er laut Bedarfsplanung als ausreichend versorgt gilt“, so Menzel. „Deshalb haben wir Dr. Stiefel und Dr. Schumacher ermutigt, einen Antrag auf Sonderbedarfszulassung zu stellen, um perspektivisch die kinderärztliche Versorgung in Lychen zu sichern.“
Lokale Lücken trotz regionaler Überversorgung
Aktuell gibt es im Landkreis Uckermark neun Kinderärzte, was einem Versorgungsgrad von 122 Prozent entspricht. Dennoch können in überversorgten Planungsbereichen lokale Versorgungslücken entstehen – etwa wenn bestimmte Facharztschwerpunkte fehlen oder weite Patientenwege anfallen.
„Um solche Lücken zu schließen, kann ein Sonderbedarf festgestellt und eine Zulassung außer der Reihe vergeben werden“, erläutert die KVBB-Sprecherin. Der Zulassungsausschuss berücksichtigt dabei auch Einschätzungen der bereits vor Ort tätigen Ärzte zur ambulanten Versorgungssituation.
Im Land Brandenburg existieren derzeit 234 freie Zulassungsmöglichkeiten für Hausärzte. Besonders großer Bedarf besteht bei Frauenärzten (5), Hautärzten (12,5) sowie ärztlichen Psychotherapeuten (37,5). Die Lychener Praxis zeigt, wie flexible Lösungen trotz planerischer Restriktionen möglich sind, wenn lokale Bedürfnisse und praktische Gegebenheiten berücksichtigt werden.



