Studentenmieten jenseits der Schmerzgrenze: Neue Rekordwerte belasten Budgets
Die Wohnkosten stellen für Studierende und Auszubildende weiterhin den größten monatlichen Ausgabenposten dar und erreichen aktuell neue Höchststände. Experten des Moses Mendelssohn Instituts warnen vor einer zunehmenden sozialen Schieflage und fordern schnelle staatliche Maßnahmen zur Entlastung der Betroffenen.
Durchschnittsmiete von 512 Euro für WG-Zimmer
Zu Beginn des Sommersemesters 2026 zahlen Studierende durchschnittlich 512 Euro monatlich für ein WG-Zimmer. Dies entspricht einem Anstieg von knapp vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Preise verharren auf einem extrem hohen Niveau und steigen dabei stärker als die allgemeine Inflation, wie das Institut in seiner aktuellen Analyse feststellt.
Enorme regionale Unterschiede bei den Mietkosten
Die Studie offenbart massive regionale Disparitäten:
- Bayern: 605 Euro Durchschnittsmiete
- Hamburg: 650 Euro Durchschnittsmiete
- Berlin: 650 Euro Durchschnittsmiete
- Sachsen-Anhalt: 358 Euro Durchschnittsmiete
- Sachsen: 372 Euro Durchschnittsmiete
Spitzenreiter unter den Städten ist München mit durchschnittlich 800 Euro für ein WG-Zimmer. Während sich die Durchschnittswerte in den Metropolen scheinbar stabilisieren, geraten insbesondere günstigere Angebote zunehmend unter Druck, erklärt das Forschungsteam.
Bafög-Wohnkostenpauschale längst nicht mehr ausreichend
Projektleiter Stefan Brauckmann kritisiert die aktuelle staatliche Unterstützung: Die Bafög-Wohnkostenpauschale liegt unverändert bei 380 Euro und reicht in weiten Teilen des Wohnungsmarktes nicht mehr aus. Selbst bei einer möglichen Anhebung auf 440 Euro würde sich die Situation nur teilweise entspannen. Laut der Untersuchung sind 83,4 Prozent aller Studierenden in Städten immatrikuliert, in denen die Durchschnittsmieten über dieser Pauschale liegen.
WG-Zimmer werden zum knappen Gut
Annegret Mülbaier von WG-Gesucht.de berichtet von einer extremen Nachfragekonzentration auf vergleichsweise günstige WG-Zimmer: Viele Angebote sind oft schon am selben Tag vergeben - die Wohnungssuche wird für Studierende immer mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Besonders betroffen seien nicht nur Bafög-Empfänger, sondern alle Menschen mit begrenztem Wohnkostenbudget, darunter auch Auszubildende.
Langzeitstudie mit alarmierenden Ergebnissen
Das Forschungsteam untersucht seit 2011 kontinuierlich die Wohnungsmärkte für Studierende und Auszubildende. In die aktuelle Analyse wurden alle 89 Hochschulstandorte mit mehr als 5.000 Studierenden einbezogen. Die Ergebnisse zeigen eine sich verschärfende Situation, die dringend politisches Handeln erfordert, um die Wohnversorgung der jungen Generation sicherzustellen.



