Warnstreik legt Regionalverkehr in Sachsen-Anhalt weitgehend lahm
Seit den frühen Morgenstunden des 23. März 2026 steht der Regionalverkehr im nördlichen Teil Sachsen-Anhalts weitgehend still. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen, der zahlreiche Busunternehmen betrifft. „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“ – diese historische Zeile aus der Arbeiterbewegung beschreibt die aktuelle Situation treffend.
Arbeitsgericht ordnet zeitweise Betriebspflicht an
In einer bemerkenswerten Entwicklung hat das Arbeitsgericht Magdeburg in der Nacht zum Streiktag eine Eilentscheidung getroffen. Die Busse der Harzer Verkehrsbetriebe müssen während bestimmter Zeitfenster verkehren, wie Gewerkschaftssekretär Stefan Hilbig mitteilte. Konkret betrifft dies die Zeiten von 5 bis 8.30 Uhr sowie von 12 bis 15 Uhr.
Diese gerichtliche Anordnung stellt eine bedeutende Ausnahme zu den ursprünglichen Streikplänen dar. Die Gewerkschaft zeigte sich dennoch mit dem Verlauf des Arbeitskampfes insgesamt zufrieden und betonte die breite Beteiligung der Beschäftigten.
Umfangreiche Streikbeteiligung im Nahverkehr
Der Warnstreik erfasst ein breites Spektrum an Verkehrsunternehmen in der Region:
- BördeBus Verkehrsgesellschaft mbH
- Halberstädter Verkehrsgesellschaft (HVG) GmbH
- Harzer Verkehrsbetriebe
- Kreisverkehrsgesellschaft Salzland mbH
- Personennahverkehr Burg
- Personennahverkehr mbH Genthin
- PVGS Altmarkkreis Salzwedel GmbH
- Stendalbus GmbH
Die Gewerkschaft begründet den Arbeitskampf mit dem anhaltenden Fehlen eines verhandlungsfähigen Angebots seitens der Arbeitgeber. Bereits in der zweiten Verhandlungsrunde hätten die Unternehmen keine substanziellen Verbesserungsvorschläge vorgelegt, was die Beschäftigten zum Streikaufruf bewogen habe.
Hintergrund: Vier Tage Streik in Großstädten gehen zu Ende
Dem aktuellen Regionalstreik gingen vier Tage Arbeitskampf in den großen Städten Sachsen-Anhalts voraus. In Magdeburg, Halle und Dessau waren Busse und Straßenbahnen nur eingeschränkt oder gar nicht gefahren, was Pendler, Schülerinnen und Schüler vor erhebliche Mobilitätsprobleme stellte. Der normale Betrieb sollte in diesen Städten am Streikmontag wieder aufgenommen werden.
Kernforderungen der Beschäftigten im Regionalverkehr
Im Zentrum der Tarifauseinandersetzung stehen grundlegende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen:
- Reduzierung der maximalen Dienstschichtlänge von derzeit 12,5 Stunden auf 9 Stunden
- Verkürzung der Ausgleichszeiträume für Mehrarbeit und Überstunden
- Einführung von 30 Urlaubstagen bereits beim Berufseinstieg
Die Gewerkschaft argumentiert, dass die Beschäftigten im Regionalverkehr regelmäßig mit extrem langen Arbeitstagen konfrontiert seien. „Durch Leerzeiten und lange Rückwege vom Dienstort kommen nicht selten 12-Stunden-Tage zustande“, erklärt Verdi. Die dringend benötigte Erholung müsse zeitnah gewährt werden und nicht erst nach sechs Monaten.
Verhandlungen bis Mai vertagt – Gewerkschaft kritisiert Arbeitgeberhaltung
Die Tarifverhandlungen sind nun bis Mai vertagt worden, was von der Gewerkschaft scharf kritisiert wird. „Auch daran zeigt sich, welchen Stellenwert die berechtigten Forderungen der Beschäftigten für die Unternehmensführungen derzeit haben“, kommentierte Verdi diese Entwicklung.
Während die Gewerkschaft ihre Mitglieder zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen bereithält, fordern die Arbeitgeber ein Ende der Streiks und signalisieren gleichzeitig wenig Bewegung in den Kernfragen der Arbeitszeitgestaltung. Der Konflikt im öffentlichen Nahverkehr Sachsen-Anhalts bleibt damit vorerst ungelöst und belastet weiterhin die Mobilität in der Region.



