Verdi setzt Warnstreiks im bayerischen ÖPNV fort: MVG gibt Entwarnung für München
Die Gewerkschaft Verdi hat im laufenden Tarifkonflikt im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Bayerns erneut zu Warnstreiks aufgerufen. Es handelt sich bereits um die fünfte solche Aktion in der aktuellen Verhandlungsrunde. Während in Städten wie Augsburg, Nürnberg und Landshut der Verkehr weitgehend zum Erliegen kommt, bleiben die Auswirkungen in München nach Angaben der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) voraussichtlich begrenzt.
München: Fahrdienst ausgenommen, vereinzelte Ausfälle möglich
In der bayerischen Landeshauptstadt richten sich die Streikaufrufe, die teilweise bereits seit Dienstag und teilweise erst ab Donnerstag gelten, speziell an die Werkstätten von U-Bahn, Bus und Tram sowie alle Bereiche der Infrastruktur. Der Streik soll am Samstag, den 11. April, um 5 Uhr enden.
„Der Fahrdienst ist bisher ausgenommen. Es ist nach aktuellem Stand davon auszugehen, dass der Streik keine erheblichen Auswirkungen auf den Betrieb hat. Damit sind auch keine nennenswerten Einschränkungen für die Fahrgäste zu erwarten“, teilte die MVG am Mittwoch mit. Allerdings räumte das Unternehmen ein, dass vereinzelte Fahrzeugausfälle möglich seien. Sollten sich neue Erkenntnisse ergeben, werde man die Öffentlichkeit entsprechend informieren.
Gewerkschaft nimmt Rücksicht auf Pendler in München
Haris Softic, Bezirksfachbereichssekretär bei Verdi München, begründete die Entscheidung, den Fahrdienst in München von den Streiks auszunehmen, mit den aktuellen Einschränkungen an der S-Bahn-Stammstrecke. „Wir machen uns da schon unsere Gedanken, dass wir die ÖPNV-Nutzer in München nicht zu sehr belasten und auf die Pendler Rücksicht nehmen“, sagte Softic. Stattdessen seien vor allem Mitarbeiter in den Tram- und Automaten-Werkstätten zum Arbeitskampf aufgerufen.
Andere bayerische Städte stärker betroffen
Während München relativ glimpflich davonkommt, sieht die Situation in anderen Teilen Bayerns deutlich ernster aus:
- Augsburg: Der Nahverkehr kam bereits am frühen Morgen weitgehend zum Erliegen. Lediglich einige wenige Buslinien, die an private Unternehmen vergeben sind, fuhren noch. Die Stadtwerke Augsburg rieten Fahrgästen, auf Alternativen wie Regionalbahnen umzusteigen.
- Nürnberg und Landshut: Für Mittwoch wurden ganztägige Arbeitsniederlegungen angekündigt. In Nürnberg sind vor allem U-Bahn, Straßenbahn und Busverkehr betroffen, nicht jedoch die S-Bahn. Der Streik dürfte sich auch auf Besucher des Nürnberger Volksfestes auswirken.
Unternehmensinitiative kritisiert Streiks scharf
Die Initiative City Partner München, eine branchenübergreifende Vereinigung von Innenstadtunternehmen, hatte bereits nach der vierten ergebnislosen Verhandlungsrunde auf die Problematik hingewiesen. Geschäftsführer Wolfgang Fischer kritisierte insbesondere, dass Verdi eine von Arbeitgeberseite vorgeschlagene Schlichtung kategorisch abgelehnt habe. „Angesichts der enormen wirtschaftlichen Schäden und der Beeinträchtigung der Beschäftigten ist uns das nicht nachvollziehbar“, so Fischer.
Er wies zudem auf die besondere Situation während der Osterferien hin: Vom 31. März bis 13. April fahren keine S-Bahnen auf der Stammstrecke zwischen Karlsplatz (Stachus) und Ostbahnhof. Da es keinen Ersatzverkehr gebe, sei beispielsweise der Marienplatz nur über U-Bahnen erreichbar, andere Stationen nur per Tram.
Tarifverhandlungen: Bewegung, aber kein Durchbruch
Die Gewerkschaft Verdi fordert für die etwa 9.000 Beschäftigten in mehr als 20 bayerischen Verkehrsunternehmen deutliche Lohnerhöhungen und bessere Arbeitsbedingungen. Nach der jüngsten Verhandlungsrunde hatten die Arbeitgeber ein verbessertes Angebot vorgelegt:
- Bei einer Laufzeit von 24 Monaten: Mehr als 6 Prozent Entgeltsteigerung
- Bei einer Laufzeit von 48 Monaten: Rund 9 Prozent Entgeltsteigerung plus Reduzierung der Arbeitszeit um eine Stunde
Verdi ist von ihrer ursprünglichen Forderung von rund 670 Euro bei einjähriger Laufzeit abgerückt und fordert nun eine Entgelterhöhung von 550 Euro in zwei Stufen bei 24 Monaten Laufzeit. Zudem verlangt die Gewerkschaft eine Reduzierung der Arbeitszeit und verweist auf Tarifabschlüsse in anderen Bundesländern, die maximale Schichtlängen und bessere Mindestruhezeiten beinhalten.
Der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, Sinan Öztürk, kündigte an, dass bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 15. April weitere Aktionen möglich seien. Diese würden jedoch rechtzeitig angekündigt, damit sich Fahrgäste darauf einstellen könnten. Gegen Ende der Woche seien weitere Streikaufrufe in kleineren Städten denkbar.



