Streikwelle überschattet Lufthansa-Jubiläum mit Kanzler Merz
Die heftigste Streikwelle seit Jahren trübt den Festakt der Lufthansa zu ihrem 100-jährigen Jubiläum mit Kanzler Friedrich Merz in Frankfurt am Main. Während die Fluggesellschaft den Start des ersten Linienflugs unter der Kranichmarke vor gut einem Jahrhundert feiert, eskaliert der Tarifstreit mit Piloten und Flugbegleitern. Ein nur wenige Stunden zuvor vorgeschlagener Schlichtungsversuch wurde von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) für gescheitert erklärt, die nächsten Streiks am Donnerstag und Freitag stehen unmittelbar bevor.
Feierstimmung im Hangar One, Proteste vor der Tür
Beim Festakt zu „100 Jahre Lufthansa“ im neuen Besucherzentrum „Hangar One“ betonte Kanzler Merz, die Airline gehöre zur Geschichte der Bundesrepublik. „Die strategisch wichtige Lufthansa hat das Bild von Deutschland stärker geprägt als jedes andere Unternehmen“, sagte er. Die Bundesregierung setze sich dafür ein, dass Deutschland ein wichtiger Luftverkehrsstandort bleibe. „Weniger fliegen ist keine Option für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, versprach Merz und verwies auf nachhaltige klimaschonende Technologien, niedrige Kosten und höhere Wettbewerbsfähigkeit. Er dankte Lufthansa-Chef Carsten Spohr dafür, dass sich das Unternehmen erstmals vollständig zu seiner Rolle im Nationalsozialismus bekannt habe.
Spohr erklärte, der Kranich fliege seit 100 Jahren als „Botschafter für unser Land“. Hightech und Beschäftigte mit Leidenschaft für das Fliegen zögen sich durch die gesamte Geschichte der Lufthansa, bilanzierte der Manager vor ausgestellten ikonischen Flugzeugen, Crews in historischen Uniformen und Hunderten geladenen Gästen. Verkehrsminister Patrick Schnieder sagte vorab, das Unternehmen habe regelmäßig fundamentale Umbrüche erlebt und sich stets neu erfunden. „Ich bin mir sicher: Bei Innovation und neuen Technologien wird die Lufthansa auch in den nächsten 100 Jahren Maßstäbe setzen“.
Proteste und Streikserie ohne Ende
Doch die warmen Worte können die Wut der Beschäftigten nicht besänftigen: Draußen protestierten sie nach einem Aufruf der Kabinengewerkschaft Ufo und der Pilotengewerkschaft VC, um ein Zeichen gegen die „Politik der harten Hand“ der größten deutschen Airline zu setzen. Die Lufthansa und ihre Passagiere werden derzeit von Streiks in Serie erschüttert, am Mittwoch gab es bereits die fünfte Streikwelle von Piloten und Flugbegleitern. Erneut blieben am Frankfurter Flughafen viele Jets am Boden.
Dieses Mal hat die Gewerkschaft Ufo die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter aufgerufen, die Arbeit für zwei Tage bis einschließlich Donnerstag niederzulegen. Sie lösen damit nahtlos die Piloten ab, die zuvor für zwei Tage den Flugverkehr der Lufthansa weitgehend lahmgelegt und die Reisepläne Zehntausender Passagiere durchkreuzt hatten. Und es kommt noch dicker: Am Donnerstag und Freitag wollen die Piloten erneut die Arbeit niederlegen. Fünf Tage Streiks in Folge bei der Lufthansa – das gab es lange nicht mehr.
Schlichtungsversuch gescheitert, Konflikt festgefahren
Aufsichtratschef Karl-Ludwig Kley kritisierte die streikenden Gewerkschaften: „Selbstbezogenheit ersetzt Sozialpartnerschaft“. Er forderte Merz auf, das deutsche Streikrecht zu reformieren. Nach aktuellem Streikrecht und Praxis seien die Arbeitgeber zum Zuschauen verurteilt. Waffengleichheit gehöre der Vergangenheit an.
In dem festgefahrenen Tarifkonflikt geht es um:
- Die im Manteltarifvertrag geregelten Arbeitsbedingungen für die rund 20.000 Flugbegleiter
- Einen Sozialplan bei der Regionalgesellschaft Lufthansa Cityline, die vor der Schließung steht
- Höhere Betriebsrenten, für die die VC kämpft
Der am Dienstagabend von der Pilotengewerkschaft vorgeschlagene Schlichtungsversuch schlug zunächst fehl. Die Lufthansa strebe „offenbar kein faires Schlichtungsverfahren“ zur Befriedung der Tarifkonflikte an, kritisierte VC. Sie habe umfassende Forderungen zur Bedingung gemacht. Die Lufthansa erklärte, dass das Ziel einer Schlichtung ausschließlich die Befriedung sämtlicher Konflikte sein könne. Dies sei mit der VC nicht zu machen gewesen. Die Airline kündigte aber an, nochmals auf die Gewerkschaft zugehen zu wollen.
Die Pilotengewerkschaft schloss weitere Streiks bereits nicht aus: „Wer ein solches Angebot ausschlägt und darüber hinaus auch keinerlei verhandlungsfähige Angebote macht, nimmt zumindest in Kauf, dass sich Tarifauseinandersetzungen weiter zuspitzen, anstatt aktiv an einer Deeskalation mitzuwirken“, sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro. Die Situation bleibt angespannt, während das Jubiläum im Schatten der Arbeitskämpfe steht.



