Rheinland-Pfalz ergreift Maßnahmen für mehr Sicherheit in Zügen nach tödlichem Vorfall
Der brutale Angriff auf einen Zugbegleiter in der Westpfalz, der wenige Tage später an seinen Verletzungen starb, hat in Rheinland-Pfalz zu sofortigen Reaktionen geführt. Bei einem runden Tisch zum Thema Sicherheit im Schienenpersonennahverkehr in Mainz haben sich das Land und verschiedene Akteure auf konkrete Schritte geeinigt, um solche Übergriffe in Zukunft unwahrscheinlicher zu machen.
Flächendeckende Bodycams und flexible Doppelschichten
Mobilitätsministerin Katrin Eder von den Grünen betonte, dass Bodycams künftig flächendeckend in Zügen zum Einsatz kommen sollen. Zudem sollen Bahnunternehmen mehr Flexibilität bei der Besetzung von Schichten erhalten, um bei Bedarf auf Doppelschichten setzen zu können. Allerdings wird dies laut Eder auch dazu führen, dass auf manchen Zügen vorübergehend kein Zugbegleiter mehr anwesend sein wird, da kurzfristig nicht deutlich mehr Personal zur Verfügung steht. Die Ministerin erklärte, dass die Sicherheitslage regional und zu verschiedenen Tageszeiten stark variiert, worauf mit diesen Maßnahmen reagiert werden soll.
Finanzielle Unterstützung und einheitliches Deutschlandticket
Für die Umsetzung dieser Sicherheitsinitiative plant das Land Rheinland-Pfalz im laufenden Jahr zusätzliche Mittel in mittlerer einstelliger Millionenhöhe bereitzustellen. Ein weiteres wichtiges Thema des Treffens war die Forderung nach einem einheitlicheren und fälschungssicheren Deutschlandticket. Eder wies darauf hin, dass die Notwendigkeit, bei Kontrollen einen Personalausweis vorzuzeigen, häufig zu Konflikten und Übergriffen führt. Dieses Problem soll auf dem anstehenden Bahn-Sicherheitsgipfel in Berlin angegangen werden.
Neue Sicherheitsdatenbank und Respekt-Kampagne
Geplant ist zudem die Einführung einer neuen Sicherheitsdatenbank für Übergriffe in Zügen. Mitarbeiter sollen über einen QR-Code direkt Vorfälle melden können, ohne den Umweg über den Arbeitgeber gehen zu müssen – ein ausdrücklicher Wunsch der Gewerkschaften. Die Vorbereitungen für die Ausschreibung dieser Datenbank laufen bereits. Darüber hinaus sind Testversuche mit Aggressions-Erkennungssoftware angedacht. Falls der Bund keine deutschlandweite Respekt-Kampagne für den öffentlichen Nahverkehr startet, hat Rheinland-Pfalz angekündigt, diese Initiative selbst zu übernehmen.
Diese Maßnahmen sind eine direkte Reaktion auf den Angriff eines 26-Jährigen auf einen 36-jährigen Zugbegleiter in einer Regionalbahn zwischen Landstuhl und Homburg, der bundesweit für Entsetzen sorgte. Die Sicherheitsdebatte wird nun auf regionaler und nationaler Ebene intensiv geführt, um die Sicherheit für Fahrgäste und Personal im Nahverkehr nachhaltig zu verbessern.



