Rufbus-System in Ludwigslust-Parchim durch Finanzierungsstreit gefährdet
Die anhaltende Verzögerung der Finanzierungsdebatte im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern stellt das etablierte Rufbus-System im Landkreis Ludwigslust-Parchim (LUP) vor existenzielle Probleme. Der CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Waldmüller, der ebenfalls Mitglied im Kreistag Ludwigslust-Parchim ist, übt scharfe Kritik an der Landesregierung.
Landkreise tragen finanzielle Last allein
„Die Landesregierung setzt eine wichtige Errungenschaft für die Mobilität im ländlichen Raum aufs Spiel“, erklärt Waldmüller. Bereits 2021 habe die Ministerpräsidentin ein landesweit einheitliches System versprochen, das angeblich nur fünf Millionen Euro jährlich kosten sollte. Die Realität sehe heute jedoch völlig anders aus: Ein einheitliches System existiere nicht, die Kosten seien deutlich höher, und die Landkreise stünden mit den finanziellen Folgen weitgehend allein da.
Der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat in den Jahren 2024 und 2025 ein Rufbussystem etabliert, das mittlerweile hervorragend genutzt werde und kontinuierlich neue Fahrgäste gewinne. Ein wesentlicher Grund dafür war auch die Gültigkeit des Deutschlandtickets in den Bussen. Allerdings wurde bis August 2025 der Erlös aus dem Verkauf des Deutschlandtickets dort verrechnet, wo der Kunde es erworben hat, also größtenteils bei der Deutschen Bahn.
Millionenbeträge nicht refinanziert
Die Landkreise stellten die Infrastruktur zur Verfügung, bekamen aber die Kosten nicht erstattet. Seit September 2025 gilt zwar die Postleitzahl des Deutschlandticketbesitzers als Zuordnungsfaktor, sodass die Landkreise seitdem die Erlöse aus den in ihrem Gebiet genutzten Tickets bekommen. Dennoch hat Ludwigslust-Parchim rund 4,2 Millionen Euro aus den Jahren 2024 und 2025 noch nicht refinanziert bekommen. „Und das kann sich auch nicht ändern, wenn diese thematische Debatte im Landtag immer wieder verschoben wird“, betont Waldmüller.
Praktische Auswirkungen auf wichtige Verbindungen
Die fehlende Finanzierungszusage hat konkrete praktische Auswirkungen auf wichtige Busverbindungen in der Region:
- Die hochfrequentierte Rufbuslinie 77, die von Parchim über Plau am See nach Malchow fährt, wurde bisher aus beiden Landkreisen bedient. Um den Betrieb zu vereinfachen, einigten sich die Verkehrsbetriebe darauf, dass nur noch die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) die Strecke betreut. Das Land will jedoch nur noch den Zwei-Stunden-Takt finanzieren, sodass der Kreis bei einer Fortführung der bisherigen stündlichen Fahrt auf rund 700.000 Euro im Jahr sitzen bleibt.
- Beim Überlandbus zwischen Boizenburg und Lauenburg will das Land die Fahrt über Innenstadt und Bahnhof nicht finanzieren, sodass die Boizenburger Kunden diesen Bus real nicht mehr nutzen können. Der Landkreis müsste hier 150.000 Euro aufbringen, um den neun Kilometer langen Umweg durch die Stadt für den Bus zu finanzieren.
„So macht man den öffentlichen Nahverkehr unattraktiv, und das kann es nicht sein“, kritisiert Waldmüller die aktuelle Situation. Der Politiker will diese Hinweise auch in die anstehende Debatte im Kreistag einbringen.
Öffentliche Sitzung zur Zukunft des Rufbussystems
Am 26. März ab 16.30 Uhr steht im Solitär in Parchim die Verbesserung des Rufbussystems im Landkreis Ludwigslust-Parchim auf der Tagesordnung. Interessierte Bürger können der öffentlichen Sitzung entweder persönlich vor Ort oder im Livestream auf dem Internetportal des Landkreises folgen. Die Diskussion wird entscheidend sein für die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in der Region.



