Pro Bahn kritisiert gravierende Informationsdefizite im sächsischen Regionalverkehr
Pro Bahn: Informationsdefizite im sächsischen Regionalverkehr

Pro Bahn kritisiert gravierende Informationsdefizite im sächsischen Regionalverkehr

Der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland übt deutliche Kritik an erheblichen Defiziten bei der Fahrgastinformation im sächsischen Regionalverkehr. Betroffen sind zahlreiche Linien und Verkehrsunternehmen, insbesondere bei Baustellen, Umleitungen und kurzfristigen Fahrplanänderungen. Regelmäßig zeigen die Auskunftssysteme falsche Daten und Informationen an, was zu chaotischen Situationen an Bahnhöfen führt.

Züge werden angezeigt, obwohl sie gar nicht fahren

Besonders schwerwiegend ist die Tatsache, dass Züge weiterhin als regulär fahrend angezeigt werden, obwohl sie umgeleitet werden oder komplett ausfallen. An Bahnhöfen entstehen dadurch unübersichtliche Situationen, in denen Fahrgäste ohne belastbare Informationen auf nicht verkehrende Verbindungen warten müssen. Als jüngstes Beispiel verwies Pro Bahn auf den Karsamstag, als Fahrten des RE3 von Dresden-Neustadt nach Hof ohne jegliche Information in den gängigen Auskunftssystemen über Riesa umgeleitet wurden.

Die Züge wurden an den ausgelassenen Halten nicht als „ausgefallen“ angezeigt. In Dresden-Plauen wartete eine hohe Zahl an Fahrgästen „ohne Aussicht auf eine Mitfahrt“, weil alle RE-Züge als fahrend angezeigt wurden. „Wir erleben derzeit ein systemisches Versagen der Fahrgastinformation“, sagte Pro Bahn-Landesvorsitzender Markus Haubold. „Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um ein wiederkehrendes Muster: Anzeigen stimmen nicht, Apps zeigen falsche Daten, und vor Ort gibt es oft keinerlei verlässliche Hinweise.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Unzureichende Information auch in den Zügen selbst

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die unzureichenden Informationen in den Zügen selbst. „Die Situation in den Fahrzeugen ist insbesondere bei DB Regio ärgerlich“, betonte Michael Koch, Referent für die Region Dresden und Vize-Bundeschef von Pro Bahn. Kurzfristige Fahrplanänderungen, Umleitungen oder Ausfälle werden häufig nicht auf den Bildschirmen dargestellt. Stattdessen sind oft statische Anzeigen ohne Echtzeitdaten oder sogar falsche Informationen zu sehen.

Auch Durchsagen sind vielfach unzureichend oder erfolgen zu spät, sodass Fahrgäste wichtige Entscheidungen – etwa zum Umsteigen – nicht rechtzeitig treffen können. Hinzu kommt, dass Fahrplan-Updates in vielen Fahrzeugen offenbar noch immer nur manuell und nicht aus der Ferne aktualisiert werden – „ein Zustand, der im Jahr 2026 völlig aus der Zeit gefallen ist“.

Regionalverkehr erfordert starke Nerven

„Wer heute im Regionalverkehr unterwegs ist, braucht starke Nerven. Man kann sich auf die Informationssysteme oft nicht verlassen, weder am Bahnsteig noch im Zug. Das darf in einem modernen Verkehrssystem nicht der Normalzustand sein“, stellte Koch klar. Die Fahrgastrechteverordnung verpflichtet die Eisenbahnunternehmen ausdrücklich, Fahrgäste rechtzeitig und angemessen über Abweichungen zu informieren.

Pro Bahn sieht die Verantwortung für diesen Zustand nicht ausschließlich bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen. Auch die Infrastrukturbetreiberin DB InfraGO müsse ihren Beitrag leisten, insbesondere bei der Planung und Kommunikation von Baustellen. „Wir sehen immer wieder, dass Baustellen kurzfristig oder unzureichend kommuniziert werden“, so Markus Haubold.

Abschließend betonte Haubold: „Verlässliche Information ist kein Zusatzservice, sondern eine Kernleistung des öffentlichen Verkehrs. Wer Fahrgäste gewinnen will, muss zuerst sicherstellen, dass sie überhaupt wissen, wann und wie ihr Zug fährt.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration