Erneuter Pilotenstreik bei Lufthansa legt Luftverkehr lahm
Der erneute Pilotenstreik bei der Lufthansa hat zu massiven Flugausfällen geführt und die Fronten zwischen Gewerkschaften und Management weiter verhärtet. Das Unternehmen bezeichnete die Forderungen der Piloten als absurd und unerfüllbar, während tausende Passagiere erneut ihre Reisepläne ändern mussten. Personalvorstand Michael Niggemann warnte die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo davor, ihren Konfrontationskurs fortzusetzen, und betonte: Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft.
Management zeigt sich unnachgiebig
Vorstandschef Carsten Spohr machte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deutlich, dass der Konzern nicht vor den Streiks einknicken werde. Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke, so Spohr. Er kritisierte, dass die Spartengewerkschaften in einem Dilemma steckten, da keine der von ihnen tarifierten Airlines am Wachstum der Lufthansa Group mit ihren 14 Airlines teilnehme. Als Ursache nannte er oft jahrzehntelange komplexe Tarifstrukturen – teilweise aus unserer Zeit als Staatsairline.
Streikwelle weitet sich aus
Die VC hatte die Piloten der Lufthansa Kerngesellschaft, Lufthansa Cargo und Lufthansa Cityline zu Arbeitsniederlegungen bis einschließlich Dienstag aufgerufen. Es handelt sich bereits um die dritte Streikwelle im laufenden Tarifkonflikt um höhere Betriebsrenten. Neu ist, dass am Montag erstmals der Ferienflieger Eurowings für einen Tag bestreikt wurde. Zuvor hatte ein Streik der Kabinengewerkschaft Ufo am vergangenen Freitag hunderte Flüge ausfallen lassen.
Proteste zum 100-Jahr-Jubiläum angekündigt
Die Gewerkschaften zeigen sich entschlossen, ihren Protest auch auf die für Mittwoch angesetzte Feierstunde zum 100. Jahrestag der Lufthansa-Gründung zu tragen. Eine Kundgebung vor dem neuen Tagungs- und Besucherzentrum am Flughafen Frankfurt sei angemeldet, teilte ein Sprecher mit. Auch die VC hat ihre Mitglieder zur Teilnahme an den Protesten aufgefordert. Zu der Feier wird unter anderen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.
Gewerkschaften machen Lufthansa verantwortlich
VC-Präsident Andreas Pinheiro machte die Lufthansa für die erneute Streikwelle verantwortlich. Trotz eines bewussten Verzichts auf Streikmaßnahmen über die Osterfeiertage blieben ernstzunehmende Angebote aus. In dieser Zeit gab es weder eine Reaktion noch erkennbare Gesprächsbereitschaft seitens der Arbeitgeber, kritisierte er. Ein Angebot, das an anderer Stelle gegenfinanziert werden solle, sei für die VC nicht tragfähig.
Strategie des Managements bleibt hart
Personalchef Niggemann begründete den harten Kurs des Managements erneut mit der Wettbewerbsfähigkeit. Die Kerngesellschaft Lufthansa Classic sei auf vielen Strecken bereits nicht mehr wettbewerbsfähig, so dass man die Kosten nicht weiter erhöhen könne. Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Classic, betonte er. Für den Konzern sei klar, dass Flugzeuge nur dort eingesetzt werden könnten, wo sie profitabel fliegen. Daher würden Gesellschaften außerhalb der Kernmarke wie die neue Tochter Lufthansa City Airlines wachsen – auf Kosten der Kerngesellschaft. Diese Streiks werden unsere Strategie nicht beeinflussen, so Niggemann.
Massive Flugausfälle an deutschen Flughäfen
An den Flughäfen standen zum Auftakt der vierten Streikwelle im laufenden Jahr viele Maschinen still. Allein in Frankfurt waren für die beiden Tage zusammen mehr als 1.100 Starts und Landungen abgesagt worden. In München wurden 710 Flugbewegungen gestrichen. Lufthansa wollte etwa die Hälfte der Langstreckenflüge stattfinden lassen, auf der Nah- und Mittelstrecke sollte jeder dritte Flug erfolgen. Bei Eurowings konnten rund 60 Prozent des ursprünglichen Plans geflogen werden, da man auf die in Malta registrierte Eurowings Europe und Partner-Airlines zurückgreifen konnte. An den großen NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln fiel knapp die Hälfte der geplanten Eurowings-Starts aus.
Ausnahmen für Nahost-Flüge
Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Nahen Osten sind Flüge von Lufthansa und Lufthansa Cityline aus Deutschland zu bestimmten Destinationen vom Streik ausgenommen. Dazu gehören Aserbaidschan, Ägypten, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Passagiere wurden auf den Internetseiten von Lufthansa und den Flughäfen gebeten, den Status ihrer Flüge online zu prüfen und gegebenenfalls ihre Airline oder Reiseveranstalter zu kontaktieren.



