Offenbarungseid der Deutschen Bahn: Selbst die Reichsbahn baute im Winter
Pendlerfrust, leere Ersatzbusse und gebrochene Versprechen prägen derzeit die Situation rund um die Generalsanierung der Bahnlinie zwischen Hamburg und Berlin. Der avisierte Neustart der Deutschen Bahn droht komplett zu scheitern – und eine ganze Region muss dafür einen hohen Preis bezahlen. Besonders betroffen ist die Stadt Ludwigslust, deren Bahnhofsbereich seit Monaten eine Großbaustelle ist.
Planungsfehler und unklare Perspektiven
Noch vor wenigen Tagen schien in offiziellen Verlautbarungen alles im Plan zu liegen. Plötzlich musste die Bahn jedoch eingestehen, dass der angepeilte Termin zum 1. Mai nicht mehr haltbar ist. Die Verantwortlichen gestehen offen ein, dass sie nicht wissen, wann die Bahnlinie wieder in Betrieb genommen werden kann. Diese Ungewissheit trifft insbesondere die Pendler der Region, von denen allein im Raum Ludwigslust Tausende betroffen sind.
Die Frage stellt sich: War es Unwissenheit oder gar Vorsatz, dass bis zuletzt an unrealistischen Zeitplänen festgehalten wurde? Medien und Öffentlichkeit wurden offenbar systematisch falsch informiert. Die plötzliche Verweisung auf Wintereinbrüche als Begründung für die Verzögerungen wirkt dabei besonders fadenscheinig.
Die wahren Kosten der Verzögerung
Die Zeche für das Bahndebakel zahlen in erster Linie die Pendler, die auf unbestimmte Zeit auf Ersatzverkehr angewiesen sind. Die Stadt Ludwigslust zahlt einen besonders hohen Preis, da ein wichtiger Teil der städtischen Infrastruktur nicht nutzbar ist. Zudem wird die Innenstadt weiterhin von der Flut magentafarbener Ersatzbusse überrollt, die oft mit nur wenigen Fahrgästen unterwegs sind.
Interessant ist dabei die Umweltbilanz dieser Notlösung: Umweltschützer thematisieren kaum die Tonnen von Diesel, die täglich für diese Busflotte in die Luft geblasen werden. Während die Deutsche Bahn als Unternehmen in Bundesbesitz vor der Pleite geschützt ist, würde eine private Baufirma mit ähnlichem Management längst insolvent sein.
Historischer Vergleich und aktuelle Lösungsansätze
Fachleute aus der Verkehrsplanung betonen, dass derartige Großprojekte nicht über den Winter geplant werden sollten. Früher begann man mit solchen Vorhaben im Frühjahr und war im Dezember fertig. Doch selbst im Winter ist Bauen möglich – wenn es gut vorbereitet ist. Sogar die historische Reichsbahn konnte unter schwierigeren Bedingungen im Winter bauen, wenn auch mit anderen Plänen und Verantwortlichkeiten.
Ein positives Beispiel zeigt sich aktuell am Ludwigsluster Bahnhof: Nach dem ersten Wintereinbruch wurde die Baustelle der zweiten Teilbrücke über den Ludwigsluster Kanal kurzfristig eingehaust und dauerhaft beheizt. Diese Maßnahme hat funktioniert und zeigt, dass winterlicher Baubetrieb durchaus möglich ist – mit der richtigen Vorbereitung.
Kettenreaktion und regionale Folgen
Die aktuelle Pleite zieht eine Kettenreaktion nach sich. Schließlich sollte bald die Sanierung der Strecke Hamburg-Hannover folgen, die nun ebenfalls in Frage steht. Ludwigslust ist in Sachen Bahn einiges an Kummer gewohnt. Seit Jahren wird unter Beteiligung der Bahn am großen Tunnel im Bahnhofsbereich gebaut, dessen Fertigstellung sich ebenfalls verzögert.
Der Tunnel ist zwar fast fertig, soll aber erst im dritten Quartal benutzbar sein. Einige Beobachter unken bereits, dass der Tunnel eher fertig sein könnte als die Bahnlinie darüber. Die Region bleibt vorerst abgeschnitten – Pendler sitzen weiter im Auto, und wichtige Verbindungen nach Schwerin und Parchim sind unterbrochen.
Die einzigen Profiteure dieser Situation sind jene, die von den Ersatzmaßnahmen profitieren: Vermieter, die hunderte Busfahrer regional unterbringen, und Busunternehmen, deren Fahrzeuge täglich durch die Region rollen. Für sie rollt der Rubel weiter – auf Kosten von Steuerzahlern, Pendlern und der gesamten Region.



