Oberleitungsriss bei ICE: 600 Passagiere stundenlang festgesetzt - Zwei Personen kollabieren
Ein schwerer Zwischenfall auf der wichtigen Bahnstrecke Berlin-München hat am Samstag zu erheblichen Verkehrsstörungen geführt. Ein ICE, der von Berlin nach Halle unterwegs war, musste nach einem Oberleitungsriss notfallmäßig zum Stehen gebracht werden. Die Oberleitung riss auf einer Länge von fast einem Kilometer und traf dabei den Zug, wodurch an einer Stelle Fenster beschädigt wurden.
Stundenlange Wartezeit und medizinische Notfälle
Rund 600 Reisende saßen im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt stundenlang fest. Die Situation eskalierte, als zwei Passagiere an Bord wegen „Panik und Kreislauf“ kollabierten und medizinische Hilfe benötigten. Ein Sprecher des Landkreises bestätigte, dass beide Personen leicht verletzt wurden. Eine vorsorglich im Bahnhof Lutherstadt Wittenberg eingerichtete Rettungsbasis wurde letztlich nicht zur Versorgung von Verletzten benötigt, da sich die Lage stabilisierte.
Gefährliche Situation durch Hochspannung
Die Polizei betonte die besondere Gefährlichkeit der Situation: „Auf Grund der Lebensgefahr durch Kontakt mit dem Bahnstromnetz verzögerte sich die Evakuierung.“ Die Oberleitung der Bahn steht unter 15.000 Volt Spannung, was extreme Vorsichtsmaßnahmen erforderte. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärte: „Die Sicherheit für die Fahrgäste hat in einem solchen Fall oberste Priorität.“
Experten mussten zunächst prüfen, welche Schäden an der Oberleitung vorlagen, bevor diese geerdet werden konnte. Erst nach dieser Sicherheitsüberprüfung und der Gewährleistung, dass keine anderen Züge auf Nachbargleisen vorbeifuhren, konnten weitere Schritte für die Weiterfahrt der Reisenden eingeleitet werden.
Komplexe Rettungsaktion und erheblicher Sachschaden
Die Weiterfahrt des ICE erfolgte später durch eine Diesel-Abschlepplok zum Bahnhof Lutherstadt Wittenberg. Der zunächst angedachte Einsatz von Bussen hatte sich wegen der zu beiden Seiten steilen Böschung als ungünstig erwiesen. Nach ersten Schätzungen der Polizei beläuft sich der Sachschaden auf einen sechsstelligen Betrag. Am Sonntag wurde bereits mit den Reparaturarbeiten begonnen.
Langfristige Auswirkungen auf den Zugverkehr
Fahrgäste müssen sich nach Angaben der Deutschen Bahn auf längere Reisezeiten einstellen. „Wann der Zugverkehr auf dem betreffenden Streckenabschnitt wieder vollumfänglich aufgenommen werden kann, steht momentan noch nicht fest“, teilte die Bahn mit. Nach der Reparatur seien abschließende technische Prüfungen notwendig.
Die Züge zwischen Berlin und Halle/Leipzig werden vorübergehend umgeleitet. Der Halt Lutherstadt Wittenberg entfällt, Ersatzhalt ist Dessau. Die Ursache für den Oberleitungsriss am Samstag ist bislang unklar und wird weiter untersucht.



