Schweriner Nahverkehr startet innovatives Sicherheitskonzept mit Wunschhalten ab 20 Uhr
Ein neues Kapitel für mehr Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr: Der Nahverkehr Schwerin (NVS) hat am Donnerstag ein erweitertes Sicherheitskonzept vorgestellt, das ab sofort für ein Jahr getestet wird. Die sichtbarste Neuerung: Ab 20 Uhr können Fahrgäste auf allen Buslinien zwischen regulären Haltestellen aussteigen – sofern die Verkehrssituation dies zulässt.
Mehr Sicherheit durch Flexibilität und Präsenz
Das „Halten auf Wunsch“ ist nur ein Baustein des umfassenden Konzepts. Ergänzt wird dieser Service durch zusätzliche Sicherheitskräfte in Bussen, Straßenbahnen und an Haltestellen. Die BIP Dienstleistungen GmbH, bereits mit Fahrscheinkontrollen beauftragt, übernimmt diese Aufgabe. Geschäftsführer Christian Blümel betont den deeskalierenden Ansatz: „Wir wollen nicht die Sheriffs in der Bahn sein, sondern setzen auf Kommunikation und frühzeitige Konfliktentschärfung.“
Für die rund 55.000 täglichen Fahrgäste bedeutet dies spürbare Veränderungen im Alltag. NVS-Geschäftsführer Thomas Schlüter erklärt: „Wo viele Menschen auf engem Raum unterwegs sind, lassen sich Spannungen mitunter nicht vermeiden. Unser erweitertes Sicherheitskonzept stärkt gezielt Schutz, Präsenz und Prävention.“
Erfahrungen aus dem Fahreralltag
Die Fahrer Bastian Dahlmann und Anja Becker begrüßen die Maßnahmen aus eigener Erfahrung. Dahlmann, seit 15 Jahren beim NVS, berichtet von regelmäßigen Beleidigungen, aber nur einem schwerwiegenden Vorfall. „Das Risiko fährt besonders nachts immer mit“, ergänzt Kollegin Becker, die häufig mit rauem Ton bei Kontrollen konfrontiert ist.
Beide sehen im Wunschhalten einen wichtigen Sicherheitsgewinn. „In Randgebieten mit weiter auseinanderliegenden Haltestellen gibt das den Fahrgästen ein sicheres Gefühl, wenn sie nachts nicht so weit laufen müssen“, so Dahlmann.
Breite Unterstützung aus Politik und Polizei
Das Konzept erfährt breite Rückendeckung. Kriminaldirektor Mattes Pienkoß, Leiter der Polizeiinspektion Schwerin, bewertet es als „sinnvolle Erweiterung der Sicherheitsarchitektur im öffentlichen Raum“. Aus der Stadtpolitik signalisiert der stellvertretende Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU) Zustimmung: „Zeitgemäße Maßnahmen wie Sicherheitskräfte oder Bedarfshalte werden bei den Schwerinerinnen und Schwerinern große Zustimmung finden.“
Konkrete Änderungen im Fahrbetrieb
Ab sofort gelten folgende Neuerungen:
- Wunschhalte nach 20 Uhr nach Anmeldung durch Fahrgäste (Entscheidung durch Fahrer je nach Verkehrslage)
- Einstieg in Busse über alle Türen (beschleunigt Abläufe und verbessert Übersicht)
- Verstärkter Einsatz von Sicherheitskräften zur Deeskalation
- Enge Zusammenarbeit zwischen NVS, BIP Dienstleistungen GmbH und Polizei
Das einjährige Pilotprojekt soll den Nahverkehr nicht nur moderner, sondern vor allem sicherer für Fahrgäste und Personal machen – ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs in der Landeshauptstadt.



