Die Nebenkosten für Mieter in Thüringen steigen rasant. Nach Angaben des Verbandes der Wohnungswirtschaft, der vor allem kommunale und genossenschaftliche Vermieter vertritt, erhöhten sich die Kosten für Heizung und warmes Wasser seit 2020 jährlich um durchschnittlich 4,4 Prozent. Andere Nebenkosten wie Wasser, Steuern oder Grünpflege stiegen im Schnitt um 3,5 Prozent pro Jahr, sagte Verbandsdirektor Frank Emrich beim Tag der Wohnungswirtschaft in Suhl.
Kaltmieten steigen moderat, Nebenkosten belasten Mieter
Im Gegensatz dazu stiegen die Kaltmieten nur um 1,8 Prozent jährlich. „Die Nebenkosten sind die Wohnkostentreiber“, betonte Emrich. Sie seien von den Vermietern kaum zu beeinflussen, brächten aber viele Mieter an ihre Belastungsgrenze. Trotzdem sei die Zahl der säumigen Mietzahler gering: „Wir haben nicht mehr Zahlungsausfälle als bisher.“
Große regionale Unterschiede bei Fernwärme
Die Warmmiete lag bei den 238 Verbandsunternehmen im Schnitt bei 9,02 Euro pro Quadratmeter, verglichen mit 7,49 Euro im Jahr 2020. Besonders die Fernwärmekosten variieren stark: Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung betragen die jährlichen Nebenkosten in Gera 957,60 Euro, in Sonneberg dagegen 1.706,40 Euro. Der Verband fordert mehr Transparenz bei den Fernwärmepreisen und ein aktiveres Vorgehen der Landeskartellbehörde. 80 Prozent der 261.000 Wohnungen der Verbandsunternehmen werden mit Fernwärme beheizt.
Sozialer Wohnungsbau: 2026 wird ein verlorenes Jahr
Emrich kritisierte die ausbleibende neue Wohnungsbau-Förderrichtlinie des Landes: „Wir verschenken 2026 wahrscheinlich für die Wohnraumförderung, das ist ärgerlich.“ Ohne Förderung lägen die Mieten bei Neubauten bei 18 Euro pro Quadratmeter – in Thüringen kaum durchsetzbar. Die Richtlinie wird nach Angaben des Infrastrukturministeriums derzeit vom Rechnungshof geprüft. Vorgesehen sind unter anderem finanzielle Anreize für längere Mietbindungen und vereinfachte Standards.
Bestand an Sozialwohnungen sinkt jährlich
Laut Wohnungswirtschaftsverband fallen in Thüringen pro Jahr durchschnittlich 800 Wohnungen aus der Mietpreisbindung. Der Bestand an Sozialwohnungen liegt bei rund 11.000, der Bedarf wird auf 20.000 geschätzt. Die kommunalen und genossenschaftlichen Unternehmen planen für dieses Jahr Investitionen von 682 Millionen Euro in die Modernisierung ihres Bestands.



