Brandenburgs Verkehrsminister übt scharfe Kritik an der Deutschen Bahn
Der neue Brandenburger Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD) hat in seinen ersten Amtstagen deutliche Worte gegenüber der Deutschen Bahn gefunden. Besonders die mehrfache Verschiebung der Sanierung der wichtigen Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg stößt bei dem Politiker auf Unverständnis.
Unverständnis über sechswöchige Verzögerung
„Was sich die Bahn dort geleistet hat - dass aus ein paar Frosttagen sechs Wochen Verzögerung werden -, ist für mich nicht nachvollziehbar“, erklärte Crumbach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Der Minister rechnete vor: „Überschlägig waren es vielleicht zwei Wochen, in denen wirklich nicht gearbeitet werden konnte.“ Dennoch zeigte er sich erleichtert, dass nun mit dem 14. Juni ein konkretes Datum für die Wiedereröffnung der Strecke feststehe.
Die Deutsche Bahn hatte die ursprünglich für Ende April geplante Fertigstellung der umfangreichen Sanierungsarbeiten aufgrund der winterlichen Witterungsbedingungen verschoben. Daraufhin hatten die Regierungschefs der fünf betroffenen Bundesländer - Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein - der Bahn ein Ultimatum für einen neuen Zeitplan gestellt.
Minister fordert Gespräche mit Bahnführung
Crumbach kritisierte nicht nur die Verzögerung selbst, sondern auch die Reaktion der Bahn auf das Schreiben der Ministerpräsidenten. „Auch die Antwort auf den Brief der Ministerpräsidenten an die Bahn war nicht in Ordnung“, betonte der Verkehrsminister. „Darüber werden wir gemeinsam mit der Bahn sprechen müssen.“
Bahnchefin Evelyn Palla hatte in ihrer Stellungnahme vom Februar unter anderem darauf verwiesen, dass die Verlegung von 740 Kilometern Kabel bei Schnee und Eis technisch schlicht nicht möglich gewesen sei. Diese Argumentation lässt Crumbach nicht gelten.
Erfahrener Bahnfahrer im neuen Amt
Trotz seiner deutlichen Kritik an der Deutschen Bahn betonte der Minister seine grundsätzliche Affinität zum Schienenverkehr. „Ich war schon früher ein sehr fleißiger Bahnfahrer, das Tramper-Monats-Ticket hatte ich nicht nur monatsweise, sondern jahreweise“, erzählte Crumbach. Allerdings müsse er im Moment etwas häufiger auf das Auto zurückgreifen - „das liegt aber in der Natur des Amtes“.
Der neue Minister trat sein Amt erst am vergangenen Mittwoch an und folgte damit auf Detlef Tabbert. Der ehemalige BSW-Politiker Crumbach war erst vor Kurzem wieder in die SPD eingetreten, in der er bereits mehr als vier Jahrzehnte Mitglied gewesen war.
Fokus auf Erhalt bestehender Nahverkehrsangebote
In der Verkehrspolitik setzt Crumbach einen klaren Schwerpunkt auf den Erhalt vorhandener Infrastruktur. „Beim Schienenpersonennahverkehr geht es darum, bestehende Linien zu sichern“, erklärte der Minister. Besonders im ländlichen Raum seien viele Menschen auf funktionierende öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.
„Gerade im ländlichen Raum können viele Menschen nicht einfach ins Auto steigen, weil sie etwa im Alter nicht mehr fahren können“, so Crumbach. Der Minister verwies dabei auf ein persönliches Beispiel: „Meine Mutter ist 88 Jahre alt, sie ist Witwe und kann nicht Auto fahren, weil niemand mehr da ist, der sie fährt.“ Für solche Menschen seien praktikable Lösungen dringend notwendig.
Flexible Lösungen und finanzielle Herausforderungen
Aus Sicht des Ministers muss der Nahverkehr nicht immer auf der Schiene stattfinden. „Die Plus-Busse sind eine großartige Einrichtung - und davon hätte ich gerne deutlich mehr“, sagte Crumbach. Diese Busse fahren im Stundentakt und bieten direkte Anschlüsse zur Bahn, was besonders für abgelegene Regionen wichtig sei.
Allerdings sieht der Minister auch die finanziellen Grenzen: „Es wird nicht leicht, den Finanzminister von all diesen Wünschen zu überzeugen.“ Bis vor wenigen Tagen hatte Crumbach selbst das Amt des Finanzministers in Brandenburg inne, was ihm die budgetären Herausforderungen besonders bewusst macht.
Der Minister kündigte an, sich intensiv für eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in Brandenburg einzusetzen, wobei ihm sowohl der Fernverkehr auf wichtigen Strecken wie Berlin-Hamburg als auch der Nahverkehr im ländlichen Raum gleichermaßen am Herzen liegen.



