Busreise im ländlichen Raum: Dreieinhalb Stunden statt 45 Minuten mit dem Auto
Busreise im ländlichen Raum: Dreieinhalb Stunden statt 45 Minuten

Busreise im ländlichen Raum: Dreieinhalb Stunden statt 45 Minuten mit dem Auto

Wenn jemand eine Reise unternimmt, sollte er diese rechtzeitig planen. Das gilt insbesondere für Fahrten mit Bussen der öffentlichen Verkehrsbetriebe, wie ein praktischer Selbstversuch im Landkreis Ludwigslust-Parchim eindrucksvoll demonstriert.

Carsharing funktioniert nur in Städten mit guter Infrastruktur

Carsharing stellt für viele Stadtbewohner eine praktikable Lösung für ihre Mobilitätsbedürfnisse dar. In größeren Städten mit umfassendem ÖPNV-Netz, wo Busse und Bahnen rund um die Uhr regelmäßig verkehren, kann man tatsächlich auf ein eigenes Fahrzeug verzichten und sich bei Bedarf einfach ein Auto leihen. Die Anbieter bieten dabei eine breite Palette von kleinen Stadtautos bis hin zu Transportern an.

Auf dem Land sieht die Situation jedoch völlig anders aus. In Flächenregionen wie dem Kreis Ludwigslust-Parchim und seinem Umland gestaltet sich die Mobilität ohne eigenes Auto deutlich schwieriger, wie der Autor in einem persönlichen Experiment erfahren musste.

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Der Selbstversuch: Von Parchim nach Wittstock

Nachdem der Autor ein Dienstfahrzeug nach Parchim zurückgebracht hatte, stand der Rückweg zu seinem Zuhause in der Nähe von Wittstock an. Mit dem eigenen Auto benötigt man für diese Strecke von etwa 50 Kilometern über Bundes- und Landstraßen normalerweise gerade einmal 45 Minuten. Da jedoch kein Fahrer verfügbar war, entschied sich der Autor für die öffentlichen Verkehrsmittel.

Am Busbahnhof zwischen Ostring und Friedhofsweg schien zunächst alles einfach: Am Bussteig vier zeigte das Zielschild tatsächlich „Meyenburg“ an, was ideal gewesen wäre, da von dort nur noch 15 Kilometer bis zum Zielort entfernt sind. Doch der Schein trog.

„Die Buslinie gibt es schon lange nicht mehr“, erklärte ein Linienbusfahrer auf Nachfrage. „Sie müssen mit mir bis Plau fahren und von dort aus nach Meyenburg. Von dort geht es dann mit einer Linie von ‚Prignitz-Bus‘ weiter.“

Komplizierte Verbindungen und lange Wartezeiten

Das für 8,20 Euro erworbene Ticket galt nur bis zur Zwischenstation in Meyenburg. Einen Verbund mit gegenseitiger Anerkennung von Fahrscheinen, möglicherweise sogar über Landesgrenzen hinweg, suchte man vergebens. Dabei könnte genau dies die Reise deutlich kostengünstiger und einfacher gestalten.

Die tatsächliche Fahrt gestaltete sich dann wie folgt:

  • Buslinie 77 über Lübz nach Plau am See
  • Fast eine Stunde Aufenthalt am Bahnhof in Plau, da der Bus Richtung Meyenburg wenige Minuten zuvor abgefahren war
  • Weiterfahrt nach Meyenburg
  • Erneute Wartezeit von fast einer halben Stunde auf den Bus der Linie 745 Richtung Wittstock

Die Busse verkehrten zwar laut Fahrplan pünktlich, doch die notwendigen Umstiege und langen Wartezeiten summierten sich erheblich.

Das ernüchternde Ergebnis

Nach fast 80 Kilometern Fahrstrecke, knapp 12 Euro Fahrkosten und rund dreieinhalb Stunden Gesamtfahrzeit erreichte der Autor schließlich sein Ziel. Zum Vergleich: Mit dem Auto hätte die gleiche Strecke lediglich 45 Minuten in Anspruch genommen.

Fazit: Man kommt mit dem öffentlichen Personennahverkehr auch in ländlichen Regionen ans Ziel, zumindest bei Tageslicht. Doch die extrem langen Fahrzeiten machen den Bus gegenüber dem eigenen Fahrzeug praktisch chancenlos. Für Berufe wie den des Reporters, die regelmäßige und flexible Mobilität erfordern, wäre ein Leben ohne eigenes Auto kaum vorstellbar.

Der Selbstversuch zeigt deutlich, dass der ÖPNV im ländlichen Raum zwar grundsätzlich existiert, aber für viele Alltagssituationen unpraktikabel ist. Verbesserungen wären dringend notwendig, um die Mobilität außerhalb der Städte zu verbessern und attraktiver zu gestalten.

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