Kunstarchiv Templin in Not: Schaudepot als Lösung für wertvolle Sammlung gefordert
Templiner Kunstarchiv braucht würdigeres Domizil

Kunstschatz in der Dachstube: Templins Archiv sucht würdige Bleibe

Im neuen Rathaus von Templin schlummert ein bedeutender Kunstschatz unter prekären Bedingungen. Unter dem Dach lagert nicht nur die städtische Galerie, sondern auch das wertvolle Kunstarchiv des einstigen Kulturbundes der DDR, das nach 1990 an die Stadt übergeben wurde. Die Pflege dieser Sammlung hat der Templiner Kunstverein im Auftrag der Kommune übernommen, doch die aktuellen Räumlichkeiten sind auf Dauer nicht geeignet.

Über 1800 Werke in beengten Verhältnissen

Der Vorsitzende des Kunstvereins, Michael Heber, machte im Kulturausschuss deutlich, dass die Sammlung unter schlechten Bedingungen leidet. Neben dem DDR-Kunstarchiv bewahrt der Verein hier auch eigene Bestände und das DDR-Grafikarchiv. Insgesamt umfasst die Kollektion mittlerweile mehr als 1800 Kunstwerke, die für die Nachwelt erhalten werden sollen.

Der Kunstverein organisiert jährlich zwei Ausstellungen in der „Galerie im Neuen Rathaus“, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Künstler stehen wegen des exzellenten Rufes regelrecht „Schlange“, um in den Fluren der Stadtverwaltung ausstellen zu dürfen. Dies führt dazu, dass der Verein regelmäßig Werke aus Vor- und Nachlässen übernimmt. Erst 2025 erhielt er den künstlerischen Nachlass des Grafikers Gerenot Richter, und auch ausstellende Künstler überlassen dem Verein häufig Bilder und Grafiken.

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Brandschutz und Barrierefreiheit als drängende Probleme

Michael Heber betonte die dringende Notwendigkeit barrierefreier Vorbereitungsräume für die Archiv- und Galeriearbeit. „Die heutigen engen Archivräume befinden sich in einem ‚Purzelturm‘“, erklärte der Vereinsvorsitzende. Der Zugang erfolgt nur über eine alte Wendeltreppe, und aus brandschutztechnischer Sicht sei der Gebäudeteil künftig nicht mehr nutzbar.

„Die Sammlung ist dort oben sehr versteckt“, so Heber weiter. „Wir würden sie gern für eine breitere Öffentlichkeit erlebbar machen.“ Der Verein denkt dabei an ein Schaudepot, das nicht nur die konservatorischen Bedingungen verbessern, sondern Templin auch touristisch attraktiver machen könnte.

Unterstützung aus der Politik

Stadtverordnete Ruth Mähl (CDU) lobte die Galeriearbeit des Vereins und unterstützte das Anliegen nachdrücklich: „Dort oben auf dem Boden liegt ein Schatz. Er liegt dort nicht richtig. Dieser Schatz muss besser bewahrt werden.“ Auch Bürgermeister Christian Hartphiel (SPD) versicherte, dass intern bereits länger über eine Lösung nachgedacht werde.

Engagierter Verein mit breitem kulturellem Angebot

Der Kunstverein Templin e.V. zählt 276 Mitglieder und wird von der Stadt jährlich mit 8000 Euro gefördert. Neben Archiv- und Galeriearbeit leistet der Verein auch wichtige Kunstschularbeit. Mit einem großen Netz Ehrenamtlicher betreibt er das KulturIUM Warthe, wo Kunstferienlager stattfinden. Für seine vielfältigen Angebote stemmt der Verein ein Ausgabenbudget von 325.000 Euro.

Die Diskussion um ein würdigeres Domizil für den Templiner Kunstschatz zeigt, wie wichtig die Bewahrung kulturellen Erbes ist – und welche Chancen sich durch eine öffentlich zugängliche Präsentation für die gesamte Region ergeben könnten.

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