Königspython im Plattenbau: 20 Jahre ungewöhnliche Wohngemeinschaft in Prenzlau
Königspython im Plattenbau: 20 Jahre Wohngemeinschaft (30.03.2026)

Königspython im Plattenbau: 20 Jahre ungewöhnliche Wohngemeinschaft in Prenzlau

Stefan Uhlig aus Prenzlau zeigt stolz sein außergewöhnliches Haustier. Seit 20 Jahren teilt der 65-jährige pensionierte Armaturenwerker seine Wohnung am Marktberg mit einem Königspython. „Sie braucht nicht viel: Ein bisschen Wasser und einmal im Monat eine Maus. Dann ist sie glücklich“, erklärt der Uckermärker lächelnd. Streng genommen handelt es sich bei dem Reptil um einen „Er“, denn die Bezeichnung „Python“ ist maskulin, abgeleitet vom griechischen mythologischen Wesen.

Vom Notfall zum Liebling

Dazu gekommen ist der Prenzlauer einst wie die Jungfrau zum Kinde. Ursprünglich hatte sich seine Tochter Ariane in den Exoten verliebt. Doch als diese schwanger wurde, befand ihre Mutter Ute, dass eine Würgeschlange kein passendes Umfeld für ein Baby darstellt. Trotz ihrer eigenen Schlangenangst entschieden die Eltern gemeinsam: „Na gut, dann bring sie zu uns.“ So zog der Königspython bei den Uhligs ein, wo Stefan schnell eine große Leidenschaft für das Reptil entwickelte.

Fotografische Leidenschaft mit schuppigem Modell

Vor allem im Zusammenhang mit seiner großen Leidenschaft, der Fotografie, sah der Hobbyfotograf plötzlich unzählige Verwendungsmöglichkeiten. Über die Jahre fanden sich mehrere seiner Aktmodelle bereit, zusammen mit dem geschuppten Haustier zu posieren. Zahlreiche Bilder an den Wänden seines Plattenbauateliers zeugen von aufregenden Stunden mit dieser besonderen „Deko“. „Manche Damen waren erst zögerlich“, erinnert sich Uhlig lachend zurück.

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Beliebter Besuch in der Kita

Wer von Anfang an Begeisterung zeigte, war hingegen sein Enkel Paul. Der stolze Opa erzählt schelmisch grinsend von einem Besuch in dessen Kita, bei dem sich die Altersgenossen die Schlange schnell um den Hals legen ließen, „während die Erzieherinnen auf Abstand gingen.“ Bis heute klopfen gelegentlich Kinder aus der Nachbarschaft oder dem Bekanntenkreis an, weil sie Fotos mit dem Königspython machen lassen möchten.

Anspruchsloser Terrariumbewohner

Der Königspython misst mittlerweile 1,20 Meter und hat einen Umfang von 15 Zentimetern. In der Fachliteratur wird die Würgeschlange als „für Anfänger geeignet“ beschrieben, was sich auch im Alltag der Uhligs bestätigt. Zwischendurch macht es sich das Reptil in seinem Terrarium bequem und ist still. „Das ist eigentlich gar nicht so gut“, räumt Ehefrau Ute ein: „Denn von der unterschwelligen Sorge, dass die Schlange ihre Behausung verlässt und sich in der Wohnung frei bewegt, kann ich mich bis heute nicht befreien.“

Debatte um Frostfutter

Eine besondere Herausforderung ergab sich vor einigen Jahren, als die örtliche Zoohandlung den Vertrieb von Lebendfutter einstellte. Die Uhligs mussten auf Frostware umschwenken. „Aber das erklären sie mal einer Schlange. Die wollte da partout nicht ran“, so Stefan Uhlig. Nach ausgiebiger Recherche der Fachliteratur ließ er das Reptil ein halbes Jahr lang hungern, bis es schließlich die gefrostete Ratte akzeptierte.

Seitdem werden die Nager oben rechts in der Gefriertruhe neben der Eiscreme und dem Rotkohl aufbewahrt – selbstverständlich doppelt und dreifach verpackt. Mehr Futter würde das Wachstum des Königspythons exponentiell beschleunigen, weiß der Besitzer aus Erfahrung.

Zeit für einen neuen Besitzer

Doch wenn es nach dem Willen der Halter geht, wird diese Ära bald vorbei sein. Die Uhligs möchten den Königspython abgeben: „Alles hat seine Zeit. Wir werden nicht jünger. Und mindestens 20 Jahre hat unser Haustier ja noch vor sich.“ Interessenten können sich per E-Mail melden. Die ungewöhnliche Wohngemeinschaft im Prenzlauer Plattenbau sucht somit ein neues Zuhause für den königlichen Mitbewohner.

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