Dessau-Roßlau: Stadtentwicklung als Wundertüte sorgt für Mieterproteste und neue Initiativen
Stadtentwicklung in Dessau: Wundertüte mit Mieterprotesten

Stadtentwicklung in Dessau-Roßlau: Eine undurchsichtige Wundertüte

Seit Herbst 2023 leben die Mieter der Wohnblöcke Kavalierstraße 44 bis 52 und Willy-Lohmann-Straße 12-14 in Dessau in ständiger Angst. Die Ungewissheit über einen möglichen Zwangsauszug und Abriss ihrer Wohnungen lastet schwer auf ihnen. Auslöser dieser Besorgnis war eine Aussage von Oberbürgermeister Robert Reck, der eine Erweiterung des Stadtparks für ein grünes Buga-Band ins Spiel brachte. Um ihrer Sorge Nachdruck zu verleihen und sich weiter zu vernetzen, versammelten sich die Mieter kürzlich auf einem Hinterhof in der Kavalierstraße.

„Wir tappen nach wie vor im Dunkeln und wollen klar und deutlich machen, dass wir hier wohnen bleiben wollen und uns nicht vertreiben lassen“, erklärte Mieterin Cornelia Häusgen den Zweck der Zusammenkunft. Viele der Bewohner sind tief in den Gebäuden verwurzelt, einige leben dort sogar seit der Fertigstellung der Wohnblöcke im Jahr 1969. Häusgen zeigt sich enttäuscht über das Schweigen des Vermieters, der DWG, die aus Sicht der Mieter das Potenzial der Häuser nicht erkennt und sie absichtlich verfallen lässt.

Transparenz als grundsätzliches Problem

Stadtentwicklung in Dessau gleicht oft einer Wundertüte – viele wissen nicht, was drinsteckt, manchmal sogar jene, die es wissen müssten. Dieses Phänomen ist auch ein grundsätzliches Problem der Bundesgartenschau (Buga), denn Veränderung gelingt nicht ohne Transparenz. Der Konflikt in den Blöcken am Stadtpark resultiert aus den unterschiedlichen Interessen der Beteiligten, wie Gabi Perl, Vorsitzende des Mieterbundes in Dessau, erläutert.

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Auf der einen Seite stehen Stadt und Wohnungswirtschaft, für die Leerstände hohe Kosten verursachen. Auf der anderen Seite sind die verbleibenden Mieter, für die ihre Wohnung ein soziales Gut darstellt. „Jeder weiß, dass wir rückbauen müssen“, sagte Perl, doch zu den Details halte sich die DWG seit Jahren bedeckt. Diese mangelnde Transparenz führe dazu, dass sich die Mieter bedroht fühlen. „Wie es aktuell gehandhabt wird, wird es nicht ohne Ärger gehen“, warnt Perl.

Unklare Aussagen der Verantwortlichen

Ingolf Schmidt, Leiter des Amtes für Wirtschaft und Stadtplanung, äußerte sich beim Grilltreffen der Mieter: „Wir wissen darüber Bescheid, dass es für unsere Bewohnerschaft wichtig ist, im Zentrum zu leben. Und diese Bedarfe zusammenzubringen, mit dem, was wirtschaftlich machbar ist, was sinnvoll ist, das ist ein Prozess, an dem wir dabei sind. Und deswegen kann ich heute nicht sagen, es kommt weg, es bleibt.“ Diese Aussage klingt weder beruhigend noch aufklärend. Eine Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) zu den innerstädtischen Wohnblöcken blieb von der DWG unbeantwortet.

Neue Initiativen beleben den Zoberberg

Während die Mieterproteste andauern, gibt es auch positive Entwicklungen in Dessau. Seit Herbst vorigen Jahres fehlte im Neubaugebiet Zoberberg eine Postfiliale. Nancy Gottschall, die seit 2023 in der örtlichen Tankstelle arbeitete, spürte die Enttäuschung und Sorge der Kunden, insbesondere der weniger mobilen. Sie fasste sich ein Herz und wagte den Schritt in die Selbständigkeit.

Am Montag eröffnete Gottschall in der Ellerbreite 32a ihren „Kiosk Zoberberg“ samt integrierter Postfiliale. „Zusätzlich hier wieder Leben reinbringen, das ist nicht so verkehrt. Das Wohngebiet und seine Bewohner haben es einfach verdient“, findet die Existenzgründerin. Die gelernte Altenpflegehelferin, die während der Corona-Zeit ihren Beruf wechselte, setzt auf ein vielfältiges Sortiment:

  • Würstchen und „Kaffee to Go“
  • Snacks, Süßigkeiten und Getränke
  • Tabakwaren, Zeitungen und Zeitschriften

Gottschall lädt die Kunden ein, Wünsche für das Sortiment zu äußern. „Ich kenne lange Arbeitstage. Doch ab jetzt bin ich mein eigener Chef. Das motiviert noch einmal zusätzlich“, erklärt sie.

Weitere Highlights in Dessau-Roßlau

Parallel zu den stadtplanerischen Herausforderungen und neuen Geschäftsgründungen finden in Dessau-Roßlau zahlreiche kulturelle und sportliche Veranstaltungen statt:

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  1. Deutsche Pole und Aerial Meisterschaft 2026: Vom 10. bis 12. April ist Dessau-Roßlau erstmals Gastgeber dieses Sportereignisses in der Anhalt Arena. Pole Dance und Aerial Sport vereinen Tanz, Akrobatik und kraftvolle Bewegung.
  2. Theateraufführungen: Im Anhaltischen Theater steht Tschechows „Kirschgarten“ auf dem Programm, während in der Alten Papierfabrik in Roßlau Improvisationstheater geboten wird.
  3. Märkte und Feste: Der Regional- und Biomarkt auf dem Lidiceplatz sowie der Frühlingsmarkt im Vor-Ort-Haus laden zum Stöbern und Genießen ein.

Die Stadtentwicklung in Dessau-Roßlau bleibt eine komplexe Angelegenheit, die sowohl Proteste als auch neue Initiativen hervorbringt. Während Mieter um ihre Wohnungen fürchten, beleben Unternehmer wie Nancy Gottschall die Stadtteile. Die fehlende Transparenz bei Planungsprozessen sorgt weiterhin für Unmut, doch das kulturelle und sportliche Leben blüht auf. Die Balance zwischen notwendigem Wandel und sozialer Verantwortung bleibt eine Herausforderung für alle Beteiligten.