Rostocks Stadthafen-Millionenprojekt: Kostenexplosion durch Inflation droht
Das Mega-Bauprojekt am Rostocker Stadthafen soll die Hansestadt nachhaltig prägen und neue Attraktionen schaffen. Doch die ambitionierten Pläne könnten deutlich teurer werden als ursprünglich geplant. Die Stadtverwaltung warnt bereits vor steigenden Gesamtkosten, die allein durch die Inflation voraussichtlich ansteigen werden.
Vier Teilbereiche für die Hafenneugestaltung
In den kommenden Jahren soll der Stadthafen in vier zentrale Teilbereiche neugestaltet werden:
- Christinenhafen West
- Christinenhafen Ost
- Dünenlandschaft
- Kempowski-Ufer
Nicht nur die Herstellung der Funktionstüchtigkeit der Hafenanlagen und Hochwasserschutzmaßnahmen stehen im Fokus, sondern auch eine deutliche Aufwertung des Stadtbildes. Geplant sind unter anderem:
- Ein neuer Spielplatz
- Terrassenartige Stufen
- Ausgedehnte Grünbereiche
- Eine moderne Promenade
- Eine multifunktionale Veranstaltungsfläche
Zeitplan abhängig von Großprojekten
Die Umgestaltung des Stadthafens entwickelt sich zu einem Jahrzehnte-Projekt, dessen Zeitplan maßgeblich von mehreren Großprojekten abhängt. Die Stadt betont deutlich: „Der Zeitplan zur Umgestaltung des zentralen Stadthafens ist unter anderem abhängig von den Umsetzungszeiträumen der geplanten Großprojekte wie der Warnowbrücke, dem Hochwasserschutzbauwerk oder auch dem Archäologischen Landesmuseum.“
Nach diesen sogenannten „Zeitketten“ würden sich die Umgestaltungen von Christinenhafen Ost und West, der Dünenlandschaft sowie dem zweiten Bauschnitt des Kempowski-Ufers mit einer neuen Fußgängerpromenade den großen Projekten unterordnen.
Warnowbrücke als zentrales Element
Ein Höhepunkt des Gesamtprojekts dürfte die geplante Warnowbrücke werden, die sich im Stadthafen über die Unterwarnow spannen soll. Konkrete Planungen sehen vor, dass ab September mit den Arbeiten an dieser Brücke begonnen werden soll. Noch bis zum 31. Juli läuft das Vergabeverfahren für große Teile der Bauarbeiten.
Laut aktuellen Planungen soll die Warnowbrücke im Jahr 2029 fertiggestellt sein. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr prüft derzeit intensiv die Unterlagen rund um den Planfeststellungsbeschluss. Michael Friedrich, Sprecher des Landesamtes, betont: „Die Unterlagen werden mit Hochdruck geprüft, auch wenn wir noch keinen genauen Termin für den Abschluss des Verfahrens benennen können.“
Kostenentwicklung gibt Anlass zur Sorge
Insgesamt soll in den kommenden Jahren ein dreistelliger Millionenbetrag an und über der Warnow verbaut werden. Allein für die Arbeiten im Bereich des Stadthafens wird derzeit mit rund 60 Millionen Euro kalkuliert. Die Stadt teilt im April mit: „Aktuell liegen die Gesamtkosten noch in diesem Rahmen.“
Doch die Betonung liegt wohl bewusst auf dem Wort „noch“. Die Stadtverwaltung schiebt vorsorglich eine ernüchternde Prognose nach: „Jedoch ist eine Realisierung der Umgestaltung des zentralen Stadthafens nur über Abschnitte und damit nur über eine deutliche zeitliche Streckung auf mindestens zehn Jahre möglich. Allein durch die Inflation werden die Gesamtkosten voraussichtlich steigen.“
Finanzierung abschnittsweise geplant
Weil abschnittsweise gebaut wird, steht auch nicht die finale Höhe der Fördermittel fest. Dies soll verhindern, dass alles aus dem städtischen Haushalt bezahlt werden muss. Die Fördermittel werden ebenfalls nur „abschnittsweise beantragt“. Für den ersten Bauabschnitt am Kempowski-Ufer, wo Anfang 2025 der erste Rammschlag erfolgte, gab es bereits finanzielle Unterstützung.
Parallel zu den Hafenumgestaltungen stehen weitere Bauarbeiten rund um die Warnow an. Ab dem 13. April werden Misch- und Schmutzwasserdruckleitungen am Warnowquartier umverlegt, was zeigt, wie komplex und vielschichtig das Gesamtprojekt tatsächlich ist.
Archäologisches Landesmuseum als weiterer Faktor
Im Bereich Christinenhafen Ost, der den Übergang zwischen Kempowski-Ufer und Christinenhafen West bildet, soll nach aktueller Planung das Archäologische Landesmuseum entstehen. Allerdings wird aktuell intensiv diskutiert, ob das Museum nicht alternativ im geschlossenen und sanierungsbedürftigen Gebäude der Societät in der August-Bebel-Straße seinen Platz finden könnte.
Die Stadtverwaltung stellt klar: „Eine Fertigstellung der Warnowbrücke wird in 2029 erwartet. Sollte bis dahin auch die Baufreiheit für die Freianlagen des Archäologischen Landesmuseums gegeben sein, kann mit den Abschnitten Christinenhafen Ost und West begonnen werden.“
Das Warnowrund reicht von der neuen Warnowbrücke weiter Richtung Stadthafen über das geplante Warnowquartier bis hin zum Stadtpark und Fährberg in Gehlsdorf, was die enorme räumliche Dimension dieses Stadtentwicklungsprojekts unterstreicht. Trotz aller Herausforderungen bleibt das Ziel klar: Der Stadthafen soll attraktiver werden und die Lebensqualität der Hansestadt Rostock nachhaltig steigern.



