Penzlins Innenstadt im Wandel: Ältere erinnern sich an Geschäfte vor 1945
Penzlins Innenstadt: Ältere erinnern an Geschäfte vor 1945

Penzlins Innenstadt im Wandel: Ältere erinnern sich an Geschäfte vor 1945

In kleinen Städten der Mecklenburgischen Seenplatte fehlt es häufig an Angeboten für Konsum und Kultur. Penzlin, eine Kommune mit etwa 4000 Einwohnern, bildet hier keine Ausnahme. Die Innenstädte sterben mangels Kundschaft und attraktiver Läden auch in dieser Region langsam aus. Bürgermeister Sven Flechner (parteilos) beschreibt die Situation als tiefgreifenden Veränderungsprozess, der seit der Wende im Jahr 1990 eingesetzt hat.

Historischer Vergleich: Vor 1945 gab es fast in jedem Haus ein Geschäft

„Nach 1990 hat die Penzliner Innenstadt wie viele kleine mecklenburgische Landstädte eine große Veränderung erfahren“, erklärt Flechner. Waren vor der Wende noch zahlreiche kleine Ladengeschäfte präsent, dominiert heute der großflächige Lebensmitteleinzelhandel das Stadtbild. Die Innenstadt sei stark ausgedünnt, und einige ältere Mitbürger ziehen bei ihren Beobachtungen Vergleiche zur Zeit vor 1945. „Einige ältere Mitbürger führen bei ihren Beobachtungen die Zeit vor 1945 an, in der es fast in jedem Haus ein Ladengeschäft, eine Gastwirtschaft oder Handwerk gab und loben, wie toll es damals in Penzlin war“, so der Bürgermeister. Diese Entwicklung ließe sich nicht mehr zurückdrehen, da sich das Einkaufsverhalten der Menschen fundamental gewandelt habe.

Statt lokalen Einzelhandel nutzen viele Bewohner heute mehrmals täglich Paketdienste, die Waren direkt an die Wohnungstür liefern. Flechner betont, dass lebendige Innenstädte zwar ein wichtiges Ziel bleiben, die Kommune jedoch Schwierigkeiten habe, der aktuellen Entwicklung etwas entgegenzusetzen. „Das Einkaufsverhalten werden wir nicht mehr groß ändern können“, stellt er realistisch fest.

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Ansiedlung von Aldi und Edeka auf der grünen Wiese

Aktuell beschäftigt sich die Stadt mit der Ansiedlung von Aldi und Edeka in Penzlin. Der moderne Handel benötige Flächengrößen, die im bewohnten Stadtgebiet kaum zu finden seien. „Häufig bleibt da nur die grüne Wiese vor der Stadt. Die Ansiedlung auf der grünen Wiese ist am Ende besser als gar keine Ansiedlung“, argumentiert Flechner. Er hofft, dass auf die Lebensmittel-Riesen weitere Geschäfte folgen, mit dem Ziel, ein kleines Gewerbegebiet am Ortseingang zu errichten. Dies diene der Sicherung Penzlins als Dienstleistungs- und Versorgungszentrum der Region.

Die Situation in Penzlin sei keinesfalls zufriedenstellend. Besonders problematisch seien das fehlende gastronomische Angebot und kleine Läden für Touristen. Einen Innenstadtverein, der diese Themen koordinieren könnte, gibt es in Penzlin nicht.

Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität

Trotz der Herausforderungen gibt die Stadt die Innenstadt nicht auf. „In erster Linie geht es um die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in der Innenstadt“, betont Flechner. Dazu gehören:

  • Innenstadtsanierung und Ausbau der Straßen und Plätze
  • Schaffung von Aufenthaltszonen
  • Anbieten von attraktivem Wohnraum

Gelungene Beispiele sind die Begegnungsstätte Große Straße 4 mit Arztpraxis, der Bau der Fußgängerbrücke Alte Burg-Neue Burg, die das Bürgerzentrum mit der Innenstadt verbindet, sowie das Voßhaus mit Bibliothek und Tourist-Info. Kulturelle Angebote wie die Musikmeile des Penzliner Kulturvereins, Walpurgisnacht, Burgfest, Weihnachtsmarkt und Kinoangebote werden von der Stadt unterstützt und tragen zur Belebung bei.

Nur noch 37 lebendige Geschäftsräume

Flechner ist sich bewusst, dass Penzlin aktuell nicht mit vielen bunten Geschäften punkten kann. Er zählt circa 37 Geschäftsräume, darunter:

  1. Arztpraxen und Physiotherapien
  2. Friseure und Kosmetikstudios
  3. Blumenläden, zwei Discounter, Fleischer und Bäcker
  4. Versicherungen, Cafés, Kneipe, Imbiss und Getränkemarkt
  5. Postannahme und Werkstätten

Die meisten klassischen Geschäftsräume wurden inzwischen zu Wohnraum umfunktioniert. Die Stadt investiert in Infrastruktur in der Hoffnung, dass private Investitionen oder Aktivitäten folgen. Veranstaltungen und ehrenamtliches Engagement spielen dabei eine Schlüsselrolle für eine lebendigere Innenstadt.

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