Leerer Kiosk verändert Atmosphäre im Münchner U-Bahnhof
Der U-Bahnhof Max-Weber-Platz in Münchens Stadtteil Haidhausen präsentiert sich seit Jahren mit einem ungewöhnlichen Bild: Ein Kiosk im Sperrengeschoss steht seit 2017 leer und verändert damit die gesamte Atmosphäre der unterirdischen Station. Die hellblauen Wände, gelben Streifen und viel Granit erinnern Besucher an ein leeres Schwimmbad, aus dem das Wasser abgelassen wurde.
Verkehrsknotenpunkt mit fehlendem Menscheln
Der 1988 eröffnete Bahnhof ist ein wichtiger Verkehrsknoten im Münchner U-Bahn-Netz. Täglich steigen hier Tausende Menschen aus und ein – Mitarbeiter und Patienten des nahen TU-Klinikums rechts der Isar, Landtagsabgeordnete auf dem Weg ins Maximilianeum sowie Umsteiger von Trambahnlinien und Bussen. Trotz des regen Verkehrs wirkt der Bahnhof steril und kühl. Kaum jemand bleibt stehen, nicht einmal vor dem historischen Pferdetramwagen, der spektakulär über den Köpfen der Fahrgäste hängt.
Ilona Geppert: Die fehlende Kioskfrau
Fast 20 Jahre lang bestimmte Ilona Geppert das Leben im U-Bahnhof. In ihrem Kiosk verkaufte sie Zeitungen, Fahrkarten, frischen Kaffee, Zigaretten und Süßigkeiten. Mit ihrem freundlichen Lächeln und persönlichen Gesprächen schuf sie eine gemütliche Atmosphäre. Manche Stammkunden kamen extra, um mit ihr zu plaudern. Die fehlende Tageslicht störte sie nicht – sie sah in den blauen Wänden das Meer. Im Dezember 2017 beendete sie aus familiären Gründen ihre Tätigkeit.
Seitdem steht der Kiosk leer, abgesehen von einer kurzen Zwischennutzung. Geplant war eine Sanierung und Neuausschreibung, doch bisher geschah nichts. Ohne Ilona Geppert ist der U-Bahnhof anonymer geworden und hat an Menschlichkeit verloren.
Letzte Verkäuferin im Zwischengeschoss
Im Zwischengeschoss hält noch eine Verkäuferin in einer kleinen „Backstube“ die Stellung, werktags bis 14 Uhr. Sie arbeitet gerne in der abgeschiedenen Umgebung: „Da bin ich für mich allein.“ Das Wetter oben bekommt sie nicht mit – wenn es schneit, erfährt sie es nicht. Bei fehlenden Kunden blickt sie auf die Rückseite eines veralteten Fahrkartenautomaten.
Gelegentlich muss sie Besuchern erklären, wie man Papierfahrkarten aus dem blauen Automaten bekommt. Wer nicht weiß, wie diese Kästen von hinten aussehen, findet sie kaum und muss die einzige Person fragen, die nicht zur Bahn eilt. Die Verkäuferin würde sich über eine Wiedereröffnung des Kiosks freuen, die ihr Geschäft beleben könnte – vorausgesetzt, der Neue verkauft nicht ebenfalls Backwaren.
Kiosk-Sterben in Münchner U-Bahnhöfen
Das Phänomen leerer Kioske ist in München nicht neu. Waren 2019 noch 17 Kioske ungenutzt, sind es heute bereits 28. Ein MVG-Sprecher erklärt, sieben dieser Kioske befänden sich in Bahnhöfen, die bald saniert werden sollen. Langfristiges Ziel sei die dauerhafte Wiedervermietung aller Standorte.
Am Beispiel Max-Weber-Platz zeigt sich jedoch, dass dieser Prozess sehr lange dauern kann. Seit über acht Jahren hat sich hier nichts getan, während oberirdisch das Leben pulsiert: Direkt an den Ausgängen gibt es zahlreiche Geschäfte, von der Klosterapotheke über Blumen- und Buchläden bis hin zu zwei weiteren Kiosken. In wenigen Minuten erreicht man die Maximiliansanlagen, den Hofbräukeller oder den Markt am Wiener Platz.
Positive Aspekte des Bahnhofs
Trotz der leeren Kiosksituation bietet der U-Bahnhof auch Vorteile: Er ist barrierefrei mit einem Lift vor der Sparkasse. Gegenüber den Tramgleisen befindet sich ein besonders schöner Ein- und Ausgang mit einem denkmalgeschützten Trambahnpavillon, der ursprünglich mitten auf der Kreuzung stand und für den U-Bahnbau versetzt wurde.
Im Sperrengeschoss gibt es eine öffentliche Toilette, die auf den ersten Blick sauber wirkt und nur 60 Cent kostet – im Vergleich zum Hauptbahnhof, wo ein Euro fällig wird. Und im WC gibt es dann auch Wasser, was zum Meerblick und Schwimmbad-Blau der Wände passt.



