Jarmen beseitigt Nachwende-Stolperfallen: Freie Fahrt für Rollatoren am Neuen Markt
Im Herzen von Jarmen, rund um den Neuen Markt, sind derzeit umfangreiche Bauarbeiten im Gange. Die Stadtverwaltung lässt an gleich fünf Stellen die Straßenübergänge so umgestalten, dass Menschen mit Gehbehinderungen problemlos die Straßenseiten wechseln können. Diese Maßnahme zielt darauf ab, selbst geschaffene Stolperfallen aus der Zeit nach der Wende zu beseitigen, die insbesondere für Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer ein erhebliches Hindernis darstellen.
Nachwende-Sanierung mit Folgen
Die Probleme rühren von der umfassenden Städtebausanierung nach der politischen Wende her, als viele Nebenstraßen mit traditionellem Natursteinpflaster versehen wurden. Den Planern fehlte damals offenbar das Bewusstsein für die alternde Bevölkerung und die gravierenden Auswirkungen dieses unebenen, losen Steinverbundes. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen müssen beim Überqueren der Fahrbahnen buchstäblich über das Pflaster rütteln – ohne stabilen Halt und mit minimaler Geschwindigkeit.
Auch Eltern mit Kinderwagen empfinden das ständige Geschüttel für ihren Nachwuchs als äußerst unangenehm, was die Dringlichkeit der Umgestaltung unterstreicht. Die neuen Übergangsstreifen, etwa 1,5 Meter breit, bestehen aus flachem Betonsteinpflaster, wie es bereits auf den Bürgersteigen Standard ist. Diese Materialänderung soll für deutlich mehr Komfort und Sicherheit sorgen.
Fünf Mini-Baustellen im Zentrum
Allein am Neuen Markt, einem belebtem Bereich mit zahlreichen Geschäften und öffentlichen Einrichtungen, konzentrieren sich aktuell fünf dieser Mini-Baustellen. Die Arbeiten begannen an der Speicherstraße und setzen sich nun an der Passage von der Ecke am „Haus Josefine“ hinüber zur Sparkasse fort. Als nächstes folgt der Übergang von der benachbarten Bäckerei mit Café zur grünen „Insel“ des dreieckigen Zentralplatzes.
Jens Juhnke, Chef des beauftragten Bauunternehmens, erläuterte dem Nordkurier: „Diese Etappe ist besonders arbeitsaufwändig, weil wir die Bordsteine absenken müssen. Dafür nehmen wir den Bürgersteig ringsherum komplett auf und pflastern ihn mit einem vernünftigen Gefälle neu.“ Statt der üblichen zwei Arbeitstage sind hier drei veranschlagt.
Anlieger bleiben erreichbar
Um die lokalen Anwohner und Geschäfte nicht vollständig abzuschneiden, erfolgen die Arbeiten an einem Schenkel des Neuen Marktes – flankiert vom Pflegedienst Kegel und der Sparkasse – in zwei Phasen. Zunächst wird „oben“ parallel zur Ortsdurchfahrt gearbeitet, dann „unten“ direkt am Übergang zum Eingang des Geldinstituts. Diese gestaffelte Vorgehensweise gewährleistet, dass die Anlieger jeweils noch von einer Richtung aus mit Fahrzeugen erreichbar bleiben.
Nach Abschluss der Arbeiten am Neuen Markt wird das Bauunternehmen noch die Übergänge an der Langen Straße und Wallstraße in Angriff nehmen. Die Fertigstellung aller Maßnahmen ist bis Ende April geplant, sodass pünktlich zum traditionellen Maifeier-Umzug wieder ungehinderte Bewegungsfreiheit in der Stadt herrscht.
Langfristige Verbesserung der Lebensqualität
Diese Umgestaltung ist Teil einer bereits 2024 begonnenen Initiative, die zunächst an den Einmündungen der Rosen- und Mühlenstraße startete. Sie reflektiert ein wachsendes Bewusstsein für barrierefreie Stadtplanung und die Bedürfnisse einer älter werdenden Gesellschaft. Die Investition in flache, stabile Übergänge kommt nicht nur Menschen mit Geh-Handicaps zugute, sondern erhöht die allgemeine Sicherheit und Attraktivität des öffentlichen Raums für alle Bürger.



