Historische Schulgebäude in Torgelow weichen neuem Drogeriemarkt
Historische Schulen in Torgelow werden abgerissen

Historische Schulgebäude in Torgelow müssen Neubau weichen

Für viele ältere Einwohner von Torgelow und den umliegenden Dörfern bedeutet der Abriss der Gebäude in der Pasewalker Straße mehr als nur die Beseitigung maroder Bausubstanz. Es ist das Ende eines geschichtsträchtigen Ortes, an dem Generationen von Kindern und Jugendlichen ihre erste Schulbildung erhielten. Die drei Häuser, die bis zu ihrer Schließung eine Hauptschule und eine Berufsschule beherbergten, müssen einem neuen Rossmann-Drogeriemarkt Platz machen.

Backsteinbauten mit über 140-jähriger Geschichte

Die beiden dreigeschossigen Ziegelbauten wurden um das Jahr 1880 errichtet. Sie ersetzten eine ältere Dorfschule mit sechs Klassenräumen und boten fortan Platz für zwölf Klassen. In den Anfangsjahren waren die Klassen mit durchschnittlich 40 bis 50 Schülern pro Klasse belegt. Joachim Hartfiel, Jahrgang 1930, erinnert sich, dass in der späteren Diesterweg-Oberschule bis 1928 Jungen und Mädchen getrennt unterrichtet wurden. „1928 wurde die Knabenschule, die Pestalozzi-Grundschule, errichtet, und die Schule in der Pasewalker Straße wurde zur reinen Mädchenschule“, berichtet der 95-Jährige.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Schülerzahl rapide an. Laut den Akten der Stadtverwaltung besuchten Anfang 1946 504 Kinder die Schule, Ende 1946 waren es bereits 714 und 1950 sogar 763 Kinder. 1948 wurde aus der Mädchenschule eine Zentralschule. Ende der 1950er Jahre folgte ein umfangreicher Anbau mit einem neuen Treppenhaus, Fachräumen für Physik, Chemie, Musik und Zeichnen sowie modernisierten Sanitäreinrichtungen, einer neuen Heizung und einer Kleinsportanlage im Außenbereich.

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Von der Polytechnischen Oberschule zur Schließung

„Laut Gesetz wurde die achtklassige Grundschule ab etwa 1960 schrittweise zur zehnklassigen Polytechnischen Oberschule, kurz POS, umgebaut“, erläutert Joachim Hartfiel. Dabei wurden unter anderem polytechnischer Unterricht, ein Tag in der Produktion und Samstagsunterricht eingeführt. 1963 erhielt die Bildungseinrichtung den Namen Diesterweg-Oberschule. Sie überstand die Wendezeit und wurde 1997 zur Hauptschule, bevor sie 2004 endgültig geschlossen wurde.

Die benachbarte Berufsschule

Im ersten Backsteingebäude, wenn man auf der Pasewalker Straße Richtung Drögeheide fährt, befand sich die Berufsschule. Joachim Hartfiel unterrichtete dort von 1956 bis 1958. „Hier wurden Lehrlinge unterrichtet, die Berufe wie Gießer und Former, Zimmerer und Maler oder Schlosser gelernt haben“, erzählt er. Der Lehrstoff gliederte sich in allgemeine Wissensvermittlung und Fachkundeunterricht. Bis zu 1000 Schüler wurden zweischichtig, also vormittags und nachmittags, mit 14 Wochenstunden unterrichtet. Zuletzt diente das Gebäude als Vereinsgebäude, stand dann aber lange leer.

Während das Gebäude der Berufsschule noch steht, ist die ehemalige Diesterweg-Oberschule bereits zu einem großen Schutthaufen geworden. Der Anbau wurde bereits abgerissen, nur Reste des 1880 errichteten Schulgebäudes sind noch vorhanden. Für die älteren Einwohner bedeutet der Abriss den Verlust eines wichtigen Stücks lokaler Geschichte, während für andere die marode Bausubstanz beseitigt wird, um Platz für moderne Einrichtungen zu schaffen.

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