Historisches Foto löst Diskussion über Verkehrssicherheit in Templiner Mühlenstraße aus
Ein historisches Foto aus dem Jahr 1994 hat in Templin eine lebhafte Diskussion über die Verkehrssicherheit in der Mühlenstraße ausgelöst. Das Bild, das kürzlich in der Serie Historischer Guckkasten veröffentlicht wurde, zeigt eine Ampelanlage direkt vor dem ehemaligen Kaufhaus Nessler – eine Einrichtung, die heute nicht mehr existiert und von vielen Anwohnern schmerzlich vermisst wird.
Kritik an aktueller Verkehrssituation
Klaus Preuß aus Milmersdorf äußert deutliche Kritik an der heutigen Situation: „Wenn man jetzt sieht, wie Fußgänger dort auf der Verkehrsinsel stehen, um auf die andere Straßenseite zu kommen, hat das mit Sicherheit nicht mehr viel zu tun.“ Besonders für ältere Menschen, die mit Rollatoren unterwegs sind, stelle diese Konstellation eine erhebliche Herausforderung dar. Auch Joachim Krämer aus Röddelin erinnert sich an bessere Zeiten: „Zu DDR-Zeiten gab es dort wenigstens einen Zebrastreifen.“ Die spätere Ampel erleichterte zudem Fahrzeugen das Abbiegen von der Parkstraße in die Lychener Straße – ein Manöver, das heute deutlich schwieriger sei.
Historische Einblicke in das Kaufhaus Nessler
Das Foto weckt nicht nur verkehrstechnische Erinnerungen, sondern auch nostalgische Gefühle für das ehemalige Kaufhaus Nessler. Rolf Prütz aus Beutel teilt seine Erinnerungen: „Das Kaufhaus Nessler war in der DDR das HO-Kaufhaus ‚Magnet‘. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich die beliebte HO-Gaststätte ‚Stadt Templin‘.“ Daneben habe sich die Kaufhalle befunden, die 1970 eröffnet wurde und heute von einer Rossmann-Filiale genutzt wird.
Die Geschichte des Kaufhauses reicht sogar bis ins 19. Jahrhundert zurück. Laut der Chronik Templin – Eine Märkische Stadt im Wandel der Geschichte wurde das erste Kaufhaus an dieser Stelle bereits 1881 von Albert Bundfuß eröffnet. Das Sortiment umfasste:
- Putz- und Modewaren
- Konfektion für Damen und Herren
- Nähmaschinen
- Fahrräder
Während des Ersten Weltkriegs übergab Bundfuß das Geschäft an seinen Kollegen Radefeldt, dessen Erben es 1970 an die Handelsorganisation der DDR verkauften.
Bürgerengagement und richtige Rätsellöser
Albert Bundfuß engagierte sich weit über sein Geschäft hinaus für die Templiner Stadtgemeinschaft. Von 1887 bis 1919 war er Stadtverordneter, davon neun Jahre als Stadtverordnetenvorsteher. Sein besonderes Augenmerk lag auf der Förderung des städtischen Schulwesens. Er gehörte zu den Gründern der Privatschule in der damaligen Arnimstraße, die am 1. April 1893 eröffnet wurde, und setzte sich für die Verlegung des Joachimsthalschen Gymnasiums nach Templin ein.
Das Foto-Rätsel wurde von zahlreichen Templinern und Umlandbewohnern richtig gelöst. Zu den erfolgreichen Teilnehmern gehören:
- Irmgard Trentau aus Templin
- Klaus Behm aus Templin
- Manfred Paesler aus Templin
- Ute Schröder aus Templin
- Gisela Senftleben aus Templin
- Claudia Schröder aus Templin
- Ingrid Fritz aus Mittenwalde
Edeltraud Schilm aus Lychen erkannte die Mühlenstraße sofort: „Mein Mann und ich haben uns das Foto mit den vielen Menschen, die die Straße überqueren, ganz genau angesehen. Uns haben wir darauf nicht erkannt.“ Die Serie Historischer Guckkasten beweist erneut, wie alte Fotografien nicht nur Erinnerungen wecken, sondern auch aktuelle Diskussionen über Stadtentwicklung und Verkehrssicherheit anstoßen können.



