Münchner Norden: 1900 Wohnungen im Eggarten-Naturparadies genehmigt - Naturschützer entsetzt
Im Münchner Norden wird ein umstrittenes Bauprojekt Realität: Der Planungsausschuss des Stadtrats hat die Bebauung der historischen Eggarten-Siedlung in Feldmoching befürwortet. Insgesamt entstehen hier 1900 neue Wohnungen für mehr als 4500 Menschen. Die Entscheidung stößt bei Naturschützern auf massive Kritik, da das als "einzigartiges Naturparadies" geltende Gebiet mit 950 größeren Bäumen weitgehend gerodet werden soll.
Proteste am Marienplatz und politische Debatte
Bereits vor der Sitzung demonstrierten etwa 60 Naturschützer am Marienplatz für den Erhalt des Eggartens. Mit Transparenten wie "Rettet die Eulen" traten der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz und die Bürgerinitiative Eggarten auf. Heinz Sedlmeier, Chef der Kreisgruppe München vom Landesbund für Vogelschutz, äußerte sich entsetzt: "Wir sind entsetzt, dass nicht mal Teile erhalten bleiben. Meine Prognose ist: Wenn die Bagger kommen, bleibt kein Baum im Eggarten stehen."
In der politischen Debatte zeigten sich deutliche Differenzen: Während Simone Burger (SPD) dem Projekt zustimmte, weil fast 900 bezahlbare Genossenschaftswohnungen entstehen, lehnten Die Linke und die München Liste die Bebauung ab. Brigitte Wolf (Die Linke) kritisierte: "Die Wohnungen, die im Eggarten entstehen, bringen den Menschen, die auf eine Sozialwohnung warten, gar nichts. Das ist die falsche Planung am falschen Ort."
Klimaschutz versus Wohnungsnot
Stadtrat Dirk Höppner (München Liste) betonte die hohe klimatische Bedeutung des Eggartens und seine Artenvielfalt mit Fledermäusen und Zauneidechsen. Besonders störe ihn, dass die Fläche "weitgehend" gerodet werde, während die Stadt gleichzeitig Millionen für neue Baumpflanzungen ausgebe. "Hier wird ein grünes Paradies platt gemacht", so Höppner.
Auch der Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher äußerte Bauchschmerzen bei seiner Zustimmung. Er bedauerte, dass weniger Bäume erhalten bleiben als ursprünglich versprochen - nur etwa 230 von 950. "Wir wünschen uns deswegen, dass bei den Ersatzpflanzungen nachgebessert wird", forderte Bickelbacher.
Details zum Bauprojekt und politische Mehrheit
Die neue "Eggarten-Siedlung" soll zwischen Wilhelmine-Reichard-Straße und Lassallestraße entstehen. Die Büschl Unternehmensgruppe plant 1000 frei finanzierte Wohnungen, während Genossenschaften 900 Wohnungen errichten werden. Das Quartier mit Geschäften, Schule und Kitas soll ein autoarmes Viertel mit vielen Fahrradstellplätzen werden und wird offiziell als "klimaneutrales Modelquartier" bezeichnet.
Die politische Mehrheit für das Projekt bildeten Grüne, CSU, SPD und FDP. Umweltschützer Sedlmeier kritisierte insbesondere den angehenden grünen Bürgermeister Dominik Krause: "Krause ist zwar erst sehr kurz und provisorisch im Amt. Doch wenn eine seiner ersten Entscheidungen ist, dass er einen Wald mitten in der Stadt fällt - was ist denn das für ein Bild?"
Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der München dringend Wohnraum benötigt, gleichzeitig aber auch der Erhalt von Grünflächen und Biodiversität immer wichtiger wird. Der Eggarten-Konflikt zeigt exemplarisch den Zielkonflikt zwischen urbaner Verdichtung und Naturschutz in wachsenden Metropolen.



