Papst Leo XIV. verurteilt auf Afrika-Reise Kriegstreiberei und Tyrannenherrschaft
Bei seinem Besuch in Kamerun hat Papst Leo XIV. scharfe Kritik an militärischen Interventionen und Kriegstreiberei geäußert. Der Pontifex warnte davor, dass die Welt »von einer Handvoll Tyrannen zerstört« werde, während sie gleichzeitig »von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten« werde. Mit dieser deutlichen Aussage positionierte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche erneut als Mahner für den Frieden.
Indirekte Kritik an US-Präsident Donald Trump
Obwohl der Papst in seiner Ansprache keine Länder oder Politiker namentlich nannte, wird seine Kritik im Kontext der jüngsten Spannungen mit den USA gesehen. US-Präsident Donald Trump hatte den Papst zuvor mehrfach nach Friedensappellen angegriffen. Leo XIV., der erste US-Amerikaner als Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken, ließ jedoch erkennen, dass er sich vom Weißen Haus nicht einschüchtern lassen will.
Der Papst kritisierte in seiner Rede die Vergeudung von Ressourcen für militärische Zwecke: »Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen.« Er wies darauf hin, dass für Tod und Verwüstung »Milliarden Dollar verbraucht« würden, während gleichzeitig die Mittel für Heilung, Bildung und Wiederaufbau fehlten.
Friedensbemühungen in Kamerun als Vorbild
Kamerun ist nach Algerien die zweite Station der elftägigen Afrika-Reise des Papstes. In der Stadt Bamenda im Nordwesten des Landes lobte Leo XIV. die gemeinsamen Friedensbemühungen von Christen und Muslimen. In dieser Region tobt seit 2017 ein blutiger Konflikt zwischen Regierung und Separatisten mit Tausenden Toten und Hunderttausenden Vertriebenen. Die Religionsgemeinschaften versuchen dort aktiv zu vermitteln.
Der Papst erhofft sich solche friedlichen Ansätze auch für andere Konfliktregionen weltweit: »Ich würde mir das für so viele Orte auf der Erde wünschen. Selig sind die Friedfertigen. Wehe jedoch denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke verbiegen und damit das Heilige in Schmutz und Finsternis ziehen.«
Appell an Langzeit-Präsident Paul Biya
Zum Auftakt seines Kamerun-Besuchs hatte Papst Leo XIV. auch an die Regierung von Langzeit-Präsident Paul Biya appelliert. Der 93-jährige Biya ist als einer der weltweit dienstältesten Staatschefs bereits seit mehr als vier Jahrzehnten an der Macht. In Kamerun leben Schätzungen zufolge rund 40 Prozent der 30 Millionen Einwohner in Armut, während Opposition, Meinungs- und Pressefreiheit stark eingeschränkt sind.
Die religiöse Landschaft in Kamerun ist vielfältig: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung bekennt sich zum Christentum, wobei etwa ein Viertel katholisch ist. Dem Islam gehören etwa 20 Prozent der Einwohner an. Am Donnerstag stand in Bamenda eine Messe mit Zehntausenden Gläubigen auf dem Programm des Papstbesuchs.
Die Reise von Papst Leo XIV. durch Afrika unterstreicht die wachsende Bedeutung des Kontinents für die katholische Kirche und zeigt gleichzeitig die diplomatischen Spannungen zwischen dem Vatikan und der US-Regierung unter Präsident Trump auf. Der Pontifex bleibt trotz der Kritik aus Washington bei seiner friedenspolitischen Linie und setzt auf Dialog und Vermittlung in Konfliktregionen.



