Vertical Dramas: Der Smartphone-Serienboom erreicht Deutschland
Vertical Dramas: Smartphone-Serien erobern Deutschland

Vertical Dramas: Der Smartphone-Serienboom erreicht Deutschland

Zweiminütige Filmchen fürs Smartphone liegen voll im Trend und revolutionieren den Serienmarkt. Während in Asien und den USA bereits Milliardenumsätze mit diesen sogenannten Vertical Dramas oder Microdramas erzielt werden, erwarten Experten nun auch in Europa und hierzulande einen regelrechten Hype um die kurzen Formate.

Gigantische Zahlen und europäische Pioniere

Die Dimensionen sind beeindruckend: Allein die Serie Breaking the Ice wurde bereits 350 Millionen Mal abgerufen. In China wurden 2024 sieben Milliarden Dollar Umsatz mit Vertical Dramas erzielt, wo jährlich zwei Millionen Episoden produziert werden. In den USA waren es 800 Millionen Dollar, bis 2030 sollen es 3,8 Milliarden werden. Nun schwappt der Trend auch nach Europa über.

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind bereits aktiv: Die ARD-Serie Between The Beats von Radio Bremen und Saarländischem Rundfunk startet im April auf TikTok und richtet sich speziell an die Generation Z. Beim ZDF werden ebenfalls entsprechende Konzepte entwickelt, wie Programmchef Frank Zervos bestätigt. Ziel sei es, neue serielle Erzählansätze für die mobile Nutzung zu erproben.

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Deutsche Produktionsfirmen steigen ein

Die Kölner Produktionsfirma Banijay Productions Germany beteiligt sich an der Microdrama-Offensive ihres Mutterkonzerns mit einem New-Adult-Format, das 28 Episoden umfasst und acht bekannte deutsche Kreative mit einer gemeinsamen Reichweite von über 33 Millionen Followern präsentiert.

Produzent Otto Steiner von Constantin Entertainment, bekannt für Formate wie Shopping Queen oder LOL: Last One Laughing, will groß in das Geschäft einsteigen und hat bereits zwei Piloten für den asiatischen Markt produziert. Steiner erklärt: Viele dieser Serien funktionieren wie Telenovelas und richten sich vor allem an ein junges weibliches Publikum.

Wirtschaftliches Potenzial und geringe Kosten

Medienmanager Steiner schätzt das wirtschaftliche Potenzial für Europa zunächst im sechsstelligen Millionen-Euro-Bereich, sieht aber langfristig einen möglichen Milliardenmarkt. Attraktiv für Produzenten sind vor allem die geringen Herstellungskosten:

  • Eine komplette Serie mit 26 Folgen à zwei Minuten kostet zwischen 50.000 und 300.000 Euro
  • Zum Vergleich: Für dieses Budget erhält man gerade mal eine Minute einer US-High-End-Serie
  • Eine deutsche Produktion wie Babylon Berlin kommt pro Stunde auf über drei Millionen Euro

Qualitätsdebatte und europäische Anpassung

Auf dem internationalen Festival Series Mania in Lille standen Vertical Dramas im Fokus. Festival-Chefin Laurence Herszberg gab zu bedenken: Dass die Qualität dieser Produktionen mit dem bisher gewohnten Niveau von Streaming oder TV-Reihen nicht mithalten kann, stand außer Frage. Aber warum könnte das nicht in Zukunft der Fall sein?

Mit Blick auf den europäischen Markt stellt sich die Frage nach speziellen Vertical-Formaten. Bereits vor sieben Jahren scheiterte der Streamingdienst Quibi mit ähnlichen Konzepten, doch die niedrigeren Produktionskosten und veränderten Nutzungsgewohnheiten könnten nun den Durchbruch ermöglichen.

Die Zukunft der Serienproduktion wird zunehmend mobil und vertikal – und Deutschland positioniert sich als wichtiger Player in diesem aufstrebenden Marktsegment.

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