Dschungelkönig mit ungeklärter Vergangenheit: Gil Ofarims Davidstern-Skandal
Trotz massiver Kritik im Vorfeld seiner Teilnahme konnte Gil Ofarim das Fernsehpublikum offenbar überzeugen und wurde zum Dschungelkönig gewählt. Während des Aufenthalts im Camp wurde der Musiker jedoch immer wieder von anderen Kandidaten auf seinen umstrittenen Davidstern-Skandal aus dem Jahr 2021 angesprochen. Klar äußern wollte sich Ofarim dazu jedoch nicht – eine Strategie, die Fragen aufwirft.
Was wirklich in Leipzig geschah: SPIEGEL-Recherchen enthüllen die Wahrheit
Anfang Oktober 2021 veröffentlichte der Schauspieler und Musiker Gil Ofarim ein emotionales Video auf Instagram. Auf dem Gehsteig vor dem Luxushotel "Westin" in Leipzig schilderte er darin einen angeblichen antisemitischen Vorfall. Ofarim behauptete, ein Hotelangestellter namens W. habe ihn aufgefordert, seine Kette mit Davidstern zu verstecken, bevor er einchecken dürfe. Die Geschichte löste bundesweit Empörung aus und führte zu Anzeigen auf beiden Seiten.
Der SPIEGEL hat den Fall intensiv recherchiert und konnte Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft sowie einer unabhängigen Wirtschaftskanzlei einsehen. Zudem wurden die Aufnahmen der Überwachungskameras aus dem Hotel und zwei videoforensische Gutachten ausgewertet. Die Ergebnisse sind eindeutig: Gil Ofarim hat gelogen.
Beweise widerlegen Ofarims Darstellung
Peter Maxwill, Korrespondent für den SPIEGEL in Leipzig, erklärt: "Auf den Videos der Überwachungskameras sieht man, wie voll die Hotellobby an dem Abend war. Den angeblichen antisemitischen Ruf, von dem Ofarim erzählt hat, hätten dutzende Menschen hören müssen. Doch man sieht nicht, dass sich irgendjemand umdreht."
Noch deutlicher wird die Diskrepanz bei den Zeugenaussagen: "Von mehr als 30 befragten Zeugen gab es nur einen einzigen, der den Davidstern bei Ofarim gesehen haben will", so Maxwill. "Die Videoforensiker legten sich später fest, dass der Davidstern an seiner Kette im Hotel an dem Abend nicht zu sehen war."
Rechtliche Konsequenzen und Unterlassungserklärung
Nach dem Vorfall zeigte Ofarim den Hotelmitarbeiter W. wegen Volksverhetzung an, während dieser seinerseits Anzeige wegen Verleumdung erstattete. Vor Gericht gestand der Musiker schließlich in knappen Sätzen und entschuldigte sich. Das Verfahren wurde unter Auflagen eingestellt – Ofarim wurde weder freigesprochen noch verurteilt.
"Er hat eine Unterlassungserklärung unterschrieben", erläutert Maxwill. "Das ist keine Verschwiegenheitserklärung, sondern eine Verpflichtung, seine Vorwürfe von damals nicht zu wiederholen." Zudem muss Ofarim laut seinem Anwalt 20.000 Euro Schmerzensgeld an den damaligen Hotelmitarbeiter zahlen.
Opfer oder Täter? Die anhaltende Frustration
Der betroffene Hotelmitarbeiter W. hat laut SPIEGEL-Informationen "ziemlich lange an dieser ganzen Sache zu knapsen gehabt". Maxwill betont: "Er hat ziemlich deutlich gemacht, wie sehr ihn das wurmt, dass er erneut nicht als Opfer dasteht, sondern möglicherweise als jemand, der eher auf die Seite der Täter gehört. Das ist für ihn natürlich sehr frustrierend."
Während Gil Ofarim nun als Dschungelkönig gefeiert wird, bleiben die Fragen nach seiner Glaubwürdigkeit bestehen. Der Musiker vermied im TV klare Aussagen zu dem Skandal – eine Strategie, die angesichts der erdrückenden Beweislage als bemerkenswert erscheint. Die Geschichte zeigt, wie schwerwiegend falsche Anschuldigungen sein können und wie langfristig ihre Folgen wirken.



