Harald Martenstein schreibt offenen Brief an Mario Adorf: Eine Hommage an den großen Schauspieler
Martensteins offener Brief an Mario Adorf: Eine Hommage

Eine persönliche Hommage an einen großen Künstler

In seiner täglichen Kolumne bei BILD richtet sich Harald Martenstein (72) mit einem bewegenden offenen Brief an den legendären Schauspieler Mario Adorf. Der Journalist und Autor blickt dabei auf eine jahrzehntelange Bewunderung zurück, die mit der Kindheit begann und bis heute anhält.

Von Winnetou bis Kir Royal: Eine außergewöhnliche Karriere

„Als Kind habe ich Sie zum ersten Mal gesehen, in den Winnetou-Filmen“, schreibt Martenstein und erinnert an die Anfänge von Adorfs Karriere. Der Schauspieler war lange Zeit auf Schurkenrollen festgelegt, doch seine Darstellungen waren stets besonders: „Ihre Schurken wirkten jovial, leutselig, die Bösartigkeit verbargen Sie oft unter einer sympathischen Schale.“ Martenstein betont, dass diese Ambivalenz zwischen äußerer Freundlichkeit und innerer Komplexität Adorfs Markenzeichen wurde.

Ein besonderer Wendepunkt in Martensteins Bewunderung war das Jahr 1992, als „Der große Bellheim“ im Fernsehen lief. Der Autor bedauert, dass dieses Meisterwerk heute nicht mehr wiederholt wird – eine Entscheidung, die auf die Verfehlungen des Regisseurs Wedel zurückgeht. „Es ist doof, ein Werk für seinen Schöpfer zu bestrafen“, kommentiert Martenstein diese Praxis kritisch.

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Unvergessliche Dialoge und europäische Wurzeln

Martenstein zitiert zwei ikonische Sätze aus Adorfs Karriere, die Millionen Zuschauern im Gedächtnis geblieben sind: „Ich scheiß dich zu mit meinem Geld“ aus „Kir Royal“ und „Ich habe nicht studiert. Die Leute, die für mich arbeiten, haben studiert.“ Diese Dialoge zeigen laut Martenstein Adorfs Fähigkeit, komplexe Charaktere mit wenigen Worten unvergesslich zu machen.

Der Autor würdigt auch Adorfs europäische Identität: Geboren in Zürich, mit italienischem Vater, aufgewachsen in Deutschland, verheiratet mit einer Französin und gestorben in Paris. „Sie waren ein Kind Europas“, schreibt Martenstein und betont damit die transnationale Dimension von Adorfs Leben und Werk.

Eine persönliche Begegnung und unausgesprochene Worte

Im Jahr 2012 kam es zu einer besonderen Begegnung zwischen Martenstein und Adorf. Für eine Spielfilmszene spielte Martenstein einen BILD-Reporter, der Adorf auf dem Ku'damm interviewte. „Danach tranken alle gemeinsam etwas“, erinnert sich der Autor. „Sie waren so sympathisch und so uneitel.“

Doch Martenstein gesteht auch eine persönliche Schwäche: „Und ich war zu eitel, um Ihnen zu sagen, dass ich Sie liebe. Das kam mir unoriginell vor, weil ja Millionen Menschen genau das Gleiche zu Ihnen hätten sagen können.“ Mit diesen Worten endet der Brief, der nicht nur eine Hommage an einen großen Schauspieler ist, sondern auch eine Reflexion über die besondere Beziehung zwischen Künstler und Publikum.

Die Kolumne schließt mit der Möglichkeit für Leser, ihre Meinung zu äußern – sowohl zu Martensteins Text als auch zu weiteren Themen. Damit bleibt der Dialog zwischen Autor, Lesern und dem gefeierten Schauspieler Mario Adorf auch nach dessen Tod lebendig.

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