Kommissar Rex kehrt nach zwei Jahrzehnten zurück
Sat.1 setzt weiterhin konsequent auf die Welle der Krimi-Nostalgie. Nach der erfolgreichen Rückkehr des "Letzten Bullen" holt der Sender nun eine weitere Kultserie aus vergangenen Tagen zurück ins Programm: "Kommissar Rex", einst der beliebteste Schnüffler der deutschen Fernsehzuschauer, kehrt nach mehr als zwanzig Jahren mit brandneuen Folgen auf den Bildschirm zurück. Die Premiere der Serie, eine Koproduktion mit dem österreichischen Rundfunk ORF, fand am Montag, dem 13. April, auf Sat.1 und dem dazugehörigen Streamingdienst Joyn statt.
Vierter Kommissar übernimmt die Ermittlungen
Nach Tobias Moretti, der von 1994 bis zu seinem dramatischen Serientod im Jahr 1998 den Kriminalinspektor Richard Moser verkörperte, gefolgt von Gedeon Burkhard als Alexander Brandtner (1998-2001) und Alexander Pschill als Marc Hoffmann (2002-2004), übernimmt nun der vierte Schauspieler die Rolle des Herrchens von Rex. Maximilian Brückner, bekannt aus dem "Tatort", spielt den neuen Kommissar Max Steiner. Der 47-jährige Schauspieler erinnert sich mit großer Zuneigung an die ursprünglichen Folgen der Serie.
"Der Hund war mein erster Superheld", verrät Brückner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur anlässlich der Serienpremiere in München. "Ein Hund ist absolut unbestechlich, bei ihm wird man niemals betrogen. Und genau danach sehnen sich in den unsicheren Zeiten von heute, glaube ich, sehr viele Menschen."
Eine beeindruckende internationale Erfolgsgeschichte
Die letzte Folge des österreichischen Kult-Krimis wurde vor über zwanzig Jahren ausgestrahlt, doch die Serie kann auf eine bemerkenswerte internationale Karriere zurückblicken. Nach ihrem Start in den mittleren 1990er Jahren verbreitete sich das Format nahezu weltweit:
- Verkauf in 125 verschiedene Fernsehmärkte
- Übersetzungen in Sprachen wie Vietnamesisch, Mandarin und Ungarisch
- Eigene Spin-offs in Polen, Portugal und der Slowakei
- Kanadische Adaption "Hudson & Rex" in über 120 Märkten verkauft
- Italienische Neuproduktion für Rai von 2007 bis 2014
Wien bleibt die unverwechselbare Kulisse
In der deutschsprachigen Fassung spielen sich die Abenteuer von Polizeihund Rex und seinem Herrchen nach wie vor in der österreichischen Hauptstadt ab. "Wien ist die dritte Hauptdarstellerin in unserer Serie. Es geht nicht nur um den Hund, es geht auch um Wien", betont Maximilian Brückner. In seiner Rolle als Kommissar Steiner sagt er: "Wien sehen und sterben."
Die erste der sechs neuen Folgen beginnt an einem typisch wienerischen Schauplatz: einer stylischen Bar am Stephansdom. Dort sitzt ein zutiefst verängstigter Mann, der zitternd einen Zettel in der Hand hält. Die Aufschrift lautet: "Wenn du aufstehst, bist du tot." Diese Drohung könnte durchaus der Wahrheit entsprechen, denn unter seinem Stuhl tickt eine Bombe.
Mysteriöser Mord in der Wiener Fiaker-Kutsche
Der Mann, der sich später als Sascha Trautmann herausstellt, verliert langsam aber sicher die Nerven. Kommissar Steiner befürchtet, Trautmann könnte aufstehen und damit das gesamte Hochhaus in die Luft jagen. In einer gewagten Aktion nimmt er daher dessen Platz ein und hofft auf das baldige Eintreffen des Entschärfungskommandos. Währenddessen kümmert sich Rex um das verängstigte Beinahe-Opfer.
Doch aus dem Beinahe-Opfer wird schließlich ein echtes Opfer. Kurz nach dem Bombenvorfall wird Trautmann tot aufgefunden – ausgerechnet in einer Fiaker-Kutsche, jener ikonischen Wiener Pferdekutsche, die nicht nur Touristen, sondern auch den einheimischen Trautmann mit regelmäßig wechselnden Damenbegleitungen durch die Stadt fuhr. Der Fiaker-Fahrer bestätigt, dass der Tote Stammkunde gewesen sei.
Dank der außergewöhnlichen Spürnase von Rex, die in Rekordzeit einen Fläschchenverschluss erschnüffelt, steht schnell fest: Es handelt sich um einen Giftmord. Doch wie kann ein Mann in so kurzer Zeit zwei völlig unterschiedlichen Mordmethoden zum Opfer fallen? Gibt es möglicherweise zwei Täter? Ist der Fiaker-Fahrer verdächtig? Und was ist mit der Vielzahl an Frauen, die der attraktive Tote auf seine Fahrten durch Wien mitgenommen hat?
Private Herausforderungen für Kommissar Steiner
Neben diesen kriminalistischen Rätseln muss sich Steiner auch privaten Herausforderungen stellen. Seine Tochter, gespielt von Sophie Borchhardt, kehrt mit Liebeskummer aus einer Auszeit in Südamerika zurück und zieht bei ihm ein. "Max Steiner ist ein Eigenbrötler, den selbst seine eigene Familie nicht wirklich durchschaut. Der Einzige, der das tut, ist der Hund, der widerspiegelt, was im Kommissar vorgeht. Der Hund zeigt, wer er ist", erklärt Brückner im Gespräch mit der dpa.
Die Chemie zwischen Schauspieler und Hund entwickelte sich allerdings nicht sofort. "Es war Liebe auf den zweiten Blick", gesteht Brückner bei der Premiere. "Ich war der Einzige, den er anfangs nicht mochte." Erst mit der Zeit hätten sich die beiden angenähert.
Kritische Resonanz auf die Neuauflage
Dass die Chemie zwischen Hund und Herrchen nicht ganz so harmonisch ist wie beispielsweise bei Tobias Moretti und dem originalen "Rex", spürt auch das Publikum. Die Neuauflage kann nicht vollständig an den Charme der früheren Folgen anknüpfen. Zumindest in der ersten, auf Spielfilmlänge ausgeweiteten Episode mangelt es an Tempo, Spannung und humorvollen Elementen. Den Nebenfiguren fehlt es – zumindest vorerst – an Individualität und Wiedererkennungswert. Entsprechend verhalten fiel der Applaus bei der Münchner Premiere aus.
"Vor einigen Jahren hätte ich eine solche Serie vielleicht noch nicht gemacht, aber jetzt hatte ich einfach Lust, etwas ganz anderes auszuprobieren", erklärt Brückner gegenüber der dpa. "Wir werden zunächst abwarten, wie die ersten sechs Folgen beim Publikum ankommen. Und dann hoffen wir natürlich, dass es weitergeht."



