ARD verteidigt Denis Scheck gegen Sexismusvorwürfe nach kontroversen Buchkritiken
ARD verteidigt Denis Scheck gegen Sexismusvorwürfe

ARD nimmt Denis Scheck in Schutz: Kein Raum für Frauenfeindlichkeit in »Druckfrisch«

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat sich deutlich hinter seinen langjährigen Moderator Denis Scheck gestellt. Nach zwei kontroversen Buchbesprechungen in der Literatursendung »Druckfrisch« wehrte sich die ARD gegen erhobene Vorwürfe des Sexismus. »In der Sendung ›druckfrisch‹ gibt es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit«, teilte der Sender der Nachrichtenagentur dpa mit und betonte: »Der Redaktion ist der große Verdienst von Frauen für die Literatur sehr bewusst.«

Zwei Autorinnen kritisieren Schecks Besprechungsstil scharf

Auslöser der Debatte waren die am 29. März ausgestrahlten Kritiken des 61-jährigen Literaturkritikers an den neu erschienenen Werken von Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy. Scheck beschrieb Passmanns Buch als »Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins«. Das Werk der Bestsellerautorin von Kürthy verglich er mit »Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit«.

Sophie Passmann reagierte auf Instagram und warf Scheck Sexismus vor: »Dieser Verriss hat mich sehr beschäftigt, weil der sehr böse war, aber vor allem sehr sexistisch.« Die 32-jährige Autorin kritisierte weiter, dass Scheck Bücher von Frauen, »die von weiblichen Lebensthemen« handelten, grundsätzlich mit Arroganz und Herablassung behandle.

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Weitere prominente Stimmen melden sich zu Wort

Ildikó von Kürthy äußerte sich in einem Beitrag für die »Zeit« direkt zu Schecks Kritik: »Viele meiner Leserinnen haben mir geraten, diese bemüht bösartige Kritik zu ignorieren. Aber, ganz ehrlich? Das habe ich lange genug getan.« Die 58-jährige Autorin betonte: »Jetzt bin ich endlich alt genug, um so eine Respektlosigkeit, so eine Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen nicht mehr kommentarlos hinzunehmen.«

Auch die Bestsellerautorin Elke Heidenreich kritisierte in einem aktuellen Zeit-Beitrag sowohl Schecks Besprechungsstil als auch die ARD: »Um Mitternacht vom Teleprompter abgelesene Bosheiten bewirken gar nichts. Im Guten nicht, im Schlechten nicht, dass die ARD so was seit Jahren finanziert, ist so sinn- wie stillos. Kulturauftrag sieht anders aus.«

Scheck verteidigt seine Kritikpraxis

Der seit über 20 Jahren amtierende Moderator verteidigte gegenüber der dpa seine Vorgehensweise: »Ich bemühe mich seit 23 Jahren bei der Besprechung der Bestsellerlisten auf engstem Raum um eine ebenso pointierte wie nachvollziehbare Bewertung höchst unterschiedlicher Texte.« Seine Besprechungen gelten, so Scheck, »den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern«.

Der Kritiker verwies darauf, dass er in der März-Sendung »vier Bücher von Frauen teilweise enthusiastisch gelobt, drei negativ besprochen« habe. In der Rubrik »Top Ten« bespricht Scheck regelmäßig die zehn meistverkauften Bücher der SPIEGEL-Bestsellerliste. Bei negativen Urteilen wirft er die Bücher traditionell auf eine Rollenrutschbahn, die zu einer Müllkiste führt – so auch die Werke von Passmann und von Kürthy.

ARD betont Gleichberechtigungsgrundsatz

Die ARD stellte klar, dass das Geschlecht der Autorinnen und Autoren in der literarischen Beurteilung keine Rolle spiele. »Rückblickend stellt die Redaktion fest, dass der Moderator bei der Liste der behandelten Bücher mehr Autorinnen gelobt als kritisiert hat«, hieß es in der Stellungnahme. Abschließend betonte der Sender: »Die ARD steht für Gleichberechtigung und eine vielfältige Darstellung von Perspektiven im Programm.«

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