Palliativarzt-Prozess in Berlin: Abgehörte Telefonate als Schlüsselelement
Ein Berliner Palliativmediziner steht vor dem Landgericht, weil ihm vorgeworfen wird, mindestens 15 Patienten getötet zu haben. Der 41-jährige Angeklagte schweigt bislang zu den Vorwürfen, doch abgehörte Telefonate mit seiner Ehefrau liefern nun entscheidende Hinweise auf mögliche Motive und sein Vorgehen. Ein Kriminalbeamter trat als Zeuge auf und schilderte am 44. Verhandlungstag detailliert den Inhalt dieser Gespräche, die im Rahmen der Ermittlungen aufgezeichnet wurden.
Geständnisse und moralische Rechtfertigungen in Telefonaten
Der Polizist, der etwa 25 Gespräche auswertete, berichtete, der Arzt habe in den Telefonaten von Tötungen gesprochen und sein Handeln als „moralisches Handeln mit den falschen Mitteln“ beschrieben. Der Angeklagte soll erklärt haben, er habe nicht wahllos gehandelt, sondern gut durchdacht. „Ich meckere doch nur rum und gestehe Tötungen“, zitierte der Beamte eine Aussage des Mediziners. Zudem habe der Arzt eingeräumt, schon lange getötet zu haben, was ihm keine Freude bereitet, ihn aber auch nicht wirklich fertig gemacht habe. Er würde immer wieder so handeln, wie er gehandelt habe, und bedauerte lediglich kriminalistische Fehler.
Vorgehen und mögliche Vertuschungsversuche
Laut dem Zeugen führte der Palliativarzt stets Vorgespräche mit den Patienten und setzte Medikamente teils therapeutisch, teils zum Töten ein. In einem Gespräch schilderte er, einem Mann eine Spritze gegeben zu haben, damit es schnell gehe, und sprach von Sterbehilfe. Die Telefonate mit seiner Ehefrau entwickelten sich von liebevollen Anfängen zunehmend professionell, wobei die Frau in die Erklärungsversuche der Fälle einbezogen wurde. Das Paar beriet sich darüber, wie man Aufklärungsbögen im Nachhinein erstellen könne, und der Angeklagte äußerte, er könne gut Unterschriften fälschen.
Ermittlungen und Prozessverlauf
Der Palliativmediziner sitzt seit seiner Festnahme im August 2024 in Untersuchungshaft und steht seit Juli 2025 vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen vor, mit 15 angeklagten Fällen zwischen September 2021 und Juli 2024 in Berlin. In einigen Fällen soll er Brände gelegt haben, um die Taten zu vertuschen. Parallel zum Prozess laufen Ermittlungen zu über 70 weiteren Fällen, einschließlich einer geplanten Exhumierung in Kroatien Ende April, wo eine betroffene Frau bestattet wurde. Verhandlungstermine sind bis August geplant, während die erste Zeugin, eine ehemalige Chefin des Arztes, bereits ausgesagt hat.



