Schwerer Vergewaltigungsvorwurf im Osloer Gerichtssaal 250
Im Gerichtssaal 250 des Osloer Justizpalastes steht seit vergangener Woche ein aufsehenerregender Prozess auf der Tagesordnung. Marius Borg Høiby, der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, muss sich unter anderem wegen Vergewaltigung verantworten. Die Anklage wirft dem 29-Jährigen vor, im Oktober 2023 während eines Surfurlaubs auf der norwegischen Inselgruppe Lofoten eine Frau vergewaltigt zu haben, während diese schlief. Zusätzlich soll Høiby knapp fünf Sekunden lang den nackten Unterleib der Frau gefilmt haben.
Tinder-Match mit tragischen Folgen
Die beiden hatten sich ursprünglich auf der Dating-App Tinder kennengelernt. Wie norwegische Medien berichten, schickte die Frau einen Screenshot des Matches an eine Freundin und schrieb scherzhaft: „Jetzt werde ich endlich ein C-Promi“. Was als lockeres Date begann, entwickelte sich jedoch zu einem Albtraum, der nun vor Gericht endet – mit dem sogenannten „Bonusprinzen“ Norwegens auf der Anklagebank.
Das mutmaßliche Opfer gab laut der Zeitung „Verdens Gang“ zu Protokoll, dass die Bekanntheit Høibys bei dem Match kaum eine Rolle gespielt habe. Spannender sei für sie und ihre Freundinnen gewesen, dass Kronprinz Haakon seinen Stiefsohn während des Lofoten-Trips begleitete. Der 29-Jährige und die Frau sollen zunächst mit anderen einen Filmabend besucht und dann in einer Gruppe gefeiert haben, bevor sie sich in ein Zimmer der Wohnung zurückzogen, die sich das mutmaßliche Opfer mit Freunden teilte.
Schockierende Aussagen vor Gericht
Dort hätten die beiden laut Zeugenaussage zunächst mehrfach einvernehmlichen Sex gehabt. Høiby habe zwischendurch den Raum verlassen, und die Frau sei eingenickt, weil sie müde gewesen sei. Einmal sei sie aufgewacht, als er zurückkam – danach hätten sie erneut Sex gehabt. Doch bei einem weiteren Mal sei sie erst zu sich gekommen, als er bereits in sie eingedrungen sei.
„Ich erinnere mich, wie ich aufgewacht bin und einen kleinen Schock bekommen habe“, schilderte die Frau laut „Verdens Gang“. „Danach lag ich einfach nur da und habe nichts getan. Ich war wie gelähmt und hatte die Augen geschlossen. Als ich wieder zu mir kam, war es vorbei.“
Høiby bestreitet alle Vorwürfe
Marius Borg Høiby bestreitet die Vergewaltigungsvorwürfe ebenso wie mehrere andere schwere Sexualstraftaten, die ihm in dem insgesamt 38 Anklagepunkte umfassenden Prozess zur Last gelegt werden. Während der Staatsanwalt das mutmaßliche Opfer befragte, saß der 29-Jährige zwischen seinen Verteidigern Petar Sekulic und Ellen Holager Andenæs und machte sich gelegentlich Notizen in einem Block.
Die Verteidigung zielte bei ihrer Befragung auf mögliche Unstimmigkeiten in der Aussage der Frau ab. In einem ersten Gespräch mit der Polizei hatte diese den Vorfall zunächst selbst nicht als sexuellen Übergriff bewertet. Erst mit Hilfe der befragenden Person sei ihr klar geworden, dass sie Opfer einer Straftat geworden sei, so die Aussage.
Neue Vorwürfe und Untersuchungshaft
Von der Anklagebank geht es für Marius Borg Høiby direkt zurück in die Untersuchungshaft. Der Norweger wurde kurz vor Prozessauftakt Anfang Februar erneut festgenommen, weil er mit einem Messer gedroht und gegen ein Kontaktverbot verstoßen haben soll. Diese neuen Vorwürfe bestreitet Høiby laut der Nachrichtenagentur NTB. Sein Anwalt erklärte, sein Mandant gehe gegen die U-Haft nicht in Berufung, weil er sich auf den laufenden Prozess konzentrieren wolle. Ob die neuen Vorwürfe Teil der Verhandlung werden, ist noch unklar. Der Prozess wird voraussichtlich noch bis mindestens Mitte März dauern.



