Missbrauchsprozess in Erfurt: Richter bezeichnet Verfahren als einzigartig
Ein schockierender Fall von sexuellem Missbrauch und Kinderpornografie beschäftigt derzeit das Landgericht Erfurt. Ein 46-jähriger Mann aus Ilmenau soll über Jahre hinweg seine Stieftochter systematisch missbraucht, die Taten gefilmt und fotografiert sowie ihren Halbbruder in die Handlungen einbezogen haben. Der Vorsitzende Richter der Jugendschutzkammer, Holger Pröbstel, äußerte sich mit den Worten: „Dieses Verfahren sprengt alles, was die Kammer je erlebt hat.“
Geständnis nach eindringlichem Appell des Richters
Zu Beginn des Prozesses hatte der Angeklagte zunächst geschwiegen, änderte seine Haltung jedoch nach einem eindringlichen Appell des Richters. Pröbstel machte deutlich, dass angesichts der „erdrückenden“ Beweislage mit hunderten Videos nur ein Geständnis zu einer Strafmilderung führen könne. „Wenn Sie den Kindern noch irgendeinen Gefallen tun wollen, dann ersparen sie denen ihre Vernehmung“, appellierte er an den Mann. Nach einer Unterbrechung räumte der Angeklagte über seine Verteidigerin die Vorwürfe ein.
Über 900 Fälle und mehr als 160 Stunden Videomaterial
Staatsanwältin Anne Hartmann verlas eine Anklage, die mehr als 900 Fälle auflistet, in denen der Mann seine Stieftochter von Ende 2017 bis 2024 missbraucht haben soll. Die Taten fanden sowohl im familiären Umfeld als auch in einer Schule statt, wo der Angeklagte als Putzkraft arbeitete. Zudem soll er den Halbbruder der Stieftochter dazu gebracht haben, sexuelle Handlungen mit ihr vorzunehmen. Unter dem Vorwand, die Aufnahmen im Darknet zu verkaufen und so die Familienfinanzen zu verbessern, filmte er die Geschehnisse.
Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Dezember 2024 wurden Festplatten und Speichermedien sichergestellt, die tausende kinder- und jugendpornografische Aufnahmen enthielten. Das Videomaterial hat eine Gesamtdauer von mehr als 160 Stunden. Weitere Vorwürfe betreffen die Kontaktaufnahme mit einer Freundin der Stieftochter über einen Fake-Account bei Instagram, wobei der Mann vorgegeben haben soll, ein 21-Jähriger zu sein, der Geld gegen Nacktaufnahmen bot.
Ermittlungen durch Hinweis aus den USA
Die Ermittler wurden auf den Fall durch einen Hinweis aus den USA aufmerksam, nachdem dort Daten einer einschlägigen Online-Plattform ausgewertet worden waren. Dies führte zur Durchsuchung des Familienheims und zur Entdeckung der Missbrauchshinweise. Die Stieftochter und der Stiefsohn verfolgten als Nebenkläger, begleitet von ihrer Mutter, die Verlesung der Anklage und wirkten teils sichtlich mitgenommen. Der Angeklagte hörte den Vorwürfen regungslos zu, den Mund in die Hand gestützt. Die Verhandlung soll am 14. April fortgesetzt werden.



